Das Foto von Rainer Kwiotek aus dem Jahr 1988 zeigt in Havanna (Kuba) den berühmten Malecón, eine etwa acht Kilometer lange Uferstraße und Flaniermeile am Meer. Foto: Rainer Kwiotek (Zeitenspiegel)

Die Agentur Zeitenspiegel aus Weinstadt wurde 1985 gegründet. Ihr 40-jähriges Bestehen feiert die Reportergemeinschaft nun in einer prächtigen Jubiläumsausstellung in Fellbach.

Sie sind auf allen Kontinenten unterwegs, aber ihr Domizil haben die schreibenden und fotografierenden Journalisten der Reporteragentur Zeitenspiegel „in der schwäbischen Idylle Weinstadt“, wie das Team es selbst beschreibt. Im September 1985 gegründet, feiert die Agentur heuer ihr 40-jähriges Bestehen. Gewürdigt wird das von diesem Donnerstag an in einer prächtigen Ausstellung in der Galerie der Stadt Fellbach.

 

Es war Mitte der 1980er Jahre, als sich nach eigenen Angaben „eine Handvoll Autoren und Fotografen“ eben in Weinstadt zur Reportergemeinschaft Zeitenspiegel zusammenschloss. Bis heute arbeiten die Journalisten für renommierte Printmedien im deutschsprachigen Raum, für „Spiegel“, „Geo“, „Zeit“ oder die Süddeutsche Zeitung. Für den „Stern“ verantworten die Journalisten aus dem Remstal das Baden-Württemberg-Büro.

Ihr Motto: „Rausgehen und Geschichten zurückbringen“

Ansonsten reisen sie für ihre Berichte immer wieder in Krisenregionen und Kriegsgebiete der Welt. Außenbüros wurden über die Jahre in Manila, Peking, Kopenhagen, Leipzig, Berlin, Hamburg und Dortmund gegründet.

Zeitenspiegel Reportagen ist nach eigener Einschätzung „bis heute eine Gemeinschaft von Schreibern, Fotografen und Filmern, die rausgehen und Geschichten zurückbringen“. Die Schreiber und Fotografen entwerfen gemeinsam Ideen und recherchieren sie im Team.

Bei dieser Arbeit steht der Mensch im Mittelpunkt; für die Fotografie bedeutet das, dass er kein bloßes Motiv ist, sondern zentraler Teil einer Geschichte. Er ist auch nicht irgendein Protagonist. Die Fotografie des Kollektivs steht für Verantwortung, Empathie und hohe journalistische Qualität; wie es einer ihrer Mitgründer, der Bildjournalist Uli Reinhardt, vorlebt.

Ein Foto von Zeitenspiegel-Gründer Uli Reinhardt in Mogadischu. Im Bürgerkrieg von Somalia 1992 traf das Leid vor allem die Zivilbevölkerung. Milizen und Clanverbände lieferten sich erbitterte Kämpfe. Hunderttausende starben. Foto: Uli Reinhardt / Zeitenspiegel

In den vergangenen 40 Jahren sind viele Reportagen entstanden – also auch viele Bilddokumente. Anlässlich des runden Geburtstags zeigt die Städtische Galerie in Fellbach 60 Fotografien von Zeitenspiegel Reportagen aus vier Jahrzehnten, aufgenommen von 15 Fotografen.

Diese sind: Theo Barth, Sven Creutzmann, Kathrin Harms, Lucas Koch, Stanislav Krupar, Rainer Kwiotek, Chira Moro, Christoph Püschner, Ivo Saglietti, Karsten Schöne, Frank Schultze, Sascha Montag, Carsten Stormer, Eric Vazzoler und natürlich Uli Reinhardt, den Gründer der Agentur.

Dass die Ausstellung in Fellbach stattfindet, hat seinen besonderen Grund. Denn Dokumentarfotografie aus Vergangenheit und Gegenwart ist ein wesentlicher Schwerpunkt des Fellbacher Ausstellungsprogramms. Er begründet sich auf die in Fellbach aufgewachsenen Fotojournalisten Hansel Mieth und Otto Hagel.

Mit ihrer Arbeit für große amerikanische Magazine der 1930er bis 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts gehören Mieth und Hagel zu den wichtigen Begründern eines modernen, engagierten Fotojournalismus. Die beiden wurden 1990 für Deutschland mit einer großen Ausstellung in Fellbach wiederentdeckt.

Auch dieses Foto von Ivo Saglietti aus dem Kosovo im Jahr 2000 ist in Fellbach zu sehen. Es zeigt in Krusha e Mae die Mutter Milasin und ihre Töchter während der Ernte der Paprika. Foto: Ivo Saglietti / Zeitenspiegel

Schon damals entstand der Kontakt zur Presseagentur in Endersbach, deren Ehrenmitglied Hansel Mieth wurde. Zeitenspiegel lobte nach dem Tod der Fotografin – sie starb am 14. Februar 1998 in Santa Rosa, Kalifornien – den Hansel-Mieth-Preis für engagierte Fotoreportagen aus, der seither jährlich in Kooperation mit der Stadt in Fellbach verliehen wird.

Vernissage in der Galerie der Stadt Fellbach an diesem Donnerstag

In diesem Rahmen entstand eine Partnerschaft zwischen dem Kulturamt der Stadt Fellbach und der Presseagentur Zeitenspiegel, die bis heute fortdauert. Jährlich präsentieren Fotografen und Fotografinnen von Zeitenspiegel in der Galerie ihre Arbeiten.

Die Eröffnung der Jubiläumsschau zum 40-jährigen Bestehen findet am Donnerstag, 11. Dezember, um 19 Uhr statt. Nach der Begrüßung durch Kulturamtsleiterin Maja Heidenreich führt Jan Rübel, Co-Geschäftsführer von Zeitenspiegel Reportagen, in die Ausstellung ein. Der Zugang zur Galerie der Stadt Fellbach erfolgt über den Innenhof des Rathauses, Adresse: Marktplatz 4. Die Ausstellung ist bis 11. Januar zu sehen, Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.