Karl Heinz Panowitz (r.) ist eine neue Ausstellung in der Böblinger Motorworld gewidmet. Foto: Stefanie Schlecht

Vor 60 Jahren wurde der Böblinger Karl Heinz Panowitz Deutscher Rallyemeister. Eine Ausstellung gibt Einblicke in seine Erfolge, unter anderem mit dem legendären NSU/Wankel-Spider.

Auf Hochglanz poliert stehen sie da, die beiden Roadster, einer in leuchtendem Alfarot, der andere zurückhaltender in Lilienweiß. Aber nicht nur diese beiden NSU/Wankel-Spider mit ihrem stilvollen Äußeren ziehen am Freitagabend die Blicke der weit mehr als 50 Gäste auf sich, sondern auch die zahlreichen Pokale, Medaillen und Plaketten, die in Vitrinen im kleinen, aber feinen Ausstellungsraum der Motorworld auf dem Böblinger Flugfeld gezeigt werden.

 

Sie geben Einblicke in das Rennfahrer-Leben von Karl Heinz Panowitz, der 1966 zweifacher Deutscher Rallyemeister wurde. 60 Jahre später erinnert der NSU/Wankel-Spider Club Deutschland an die Erfolge des „Campione“ genannten Rennfahrers, der seine Heimat in Böblingen gefunden hatte, wo er mit seiner Frau zusammen einen Waschsalon und einen Autoverleih betrieb.

Umstieg vom Jagdflieger auf den Rennwagen

Ulrich Latus, Vorsitzender des Vereins, geht bei seiner Einführung darauf ein, wie der 1920 im ehemaligen Sudetengau geborene Panowitz den Rallye-Rennsport, der absolut nicht mit dem heutigen Profi-Rennsport vergleichbar sei, in den 1960ern mitgeprägt habe. Nachdem der einstige Jagdflieger als Beifahrer erste Rennluft geschnuppert hatte und dann 1960 mit Alfa Romeo selbst erste Rennen fuhr, sei er bereits 1962 auf einem NSU Prinz Deutscher Bergmeister aller Tourenwagenklassen geworden.

Der rote Roadster zog am Freitagabend alle Blicke auf sich. Foto: Stefanie Schlecht

Als sich NSU 1966 entschloss, die Leistungsfähigkeit ihres revolutionären Kreiskolbenmotors, der nach seinem Erfinder Felix Wankel benannt ist und sich durch sein geringes Gewicht und wenig Platzbedarf auszeichnet, unter Beweis zu stellen, verpflichteten sie den damals 43-jährigen Karl Heinz Panowitz und den 24-jährigen Berliner Mathematik- und Physikstudenten Rainer Strunz als dessen Beifahrer. Ebenfalls von der Wankel-Versuchsabteilung wurde der schon erfolgreiche Privatfahrer Siegfried Spiess aus Stuttgart-Weilimdorf betreut.

Am Saisonende, so blickte in seinem Vortrag Latus zurück, hatte Panowitz sein großes fahrerisches Können – wobei rückblickend insbesondere seine schnelle Reaktionsfähigkeit hervorgestochen haben muss – bei den verschiedenen Wertungsfahrten und den unterschiedlichsten Straßen- und Wetterbedingungen so unter Beweis gestellt, dass er letztendlich zwei Meistertitel sein Eigen nennen durfte: erstens in der Kategorie Serien-Tourenwagen auf BMW, Opel, Kadett, Alfa Romeo und NSU und in der Grand-Tourisme-Klasse mit dem NSU/Wankel-Spider. Zudem gewann er den werksinternen NSU-Pokal.

Karl Heinz Panowitz’ Enkelin wohnt Ausstellungseröffnung bei

Auch, dass das Rennoutfit der „Herrenfahrer“ damals Schlips und Hut beinhaltete, thematisiert Latus in der Motorworld. So berichtet er davon, dass es Aufzeichnungen darüber gäbe, dass der tödliche Unfall des Böblinger Rennfahrers Gerhard Mitter auf dem Nürburgring im Jahr 1969 ein Anlass für Karl Heinz Panowitz gewesen sei, seine Rennsportkarriere zu beenden. Zwar nicht bei einem Rennen, dafür aber auf der Heimfahrt von der Rallye München-Wien-Budapest kam zudem Rainer Strunz mit 28 Jahren bei einem Unfall ums Leben. Nach der Rennfahrerkarriere, so sagt Latus, rückte Panowitz mit Stunt-Einsätzen unter anderem in einer Tatort-Folge und in der Stahlnetz-Reihe erneut ins Rampenlicht, bevor er 1980 durch Freitod aus dem Leben schied.

Nicht nur für die begleitende Präsentation zur Einführung haben die Vereinsmitglieder Presseartikel, Fotos und Dokumente, die Angehörige des „Campione“ ihnen überlassen haben, aufbereitet. Drüber hinaus hat der zweite Vorsitzende Martin Schlockermann ein rund 200-seitiges, auf 200 Exemplare limitiertes Buch aufgelegt. Einige Ausgaben davon hat Panowitz‘ einstiger Werksmechaniker Roland Faigle, der heute 84 Jahre alt ist und sich ebenso wie andere anwesende Zeitzeugen noch gut an den einstigen Lebemann erinnern kann, bei der Ausstellungseröffnung signiert.

In einer Vitrine der Ausstellung werden Medaillen ausgestellt. Foto: Stefanie Schlecht

Auch die Enkelin Nadja Panowitz ist mit ihrem Partner und den beiden Kindern gekommen. „Ich finde es schön, dass ich und auch seine Urenkel im Rahmen solcher Veranstaltungen mehr über ihn erfahren“, meint sie. Mit einer kleinen Geste ehrt sie ihren Großvater, den sie nicht kennengelernt hat, bis heute: Genau wie dessen Autokennzeichen enden auch ihre seit sie 18 Jahre alt ist immer auf die Ziffernfolge „777“.

Die Motorworld in der Region Stuttgart zeigt die Panowitz-Ausstellung bis Anfang April. Sie kann zu den normalen Öffnungszeiten besichtigt werden: Montag bis Samstag 7.30 bis 20 Uhr, Sonn- und Feiertag 10 bis 20 Uhr.

Legendäre Markenname und treue Fans

NSU Motorenwerke
In der Firma, die 1873 gegründet wurde, wurden zuerst Fahrräder hergestellt. Ab 1901 wurde die Produktpalette um Motorräder erweitert. Mitte der 1950er-Jahre war NSU nach Stückzahlen weltweit führend im Zweiradbau. Mitte der 1950er folgte dann das erste Auto. 1969 fusionierten NSU und die Auto Union zur Audi NSU Auto Union AG unter dem Dach des Volkswagenkonzerns. Mit der Umfirmierung zur Audi AG im Jahr 1985 verschwand der Name NSU.

NSU/Wankel-Spider Club Deutschland
Rund 180 Mitglieder zählt der Verein weltweit. Der NSU/Wankel-Spider wurde 1963 als erstes Serienfahrzeug mit Wankelmotor auf der Internationalen Automobilausstellung präsentiert. Von 1964 bis 1976 wurden 2375 Exemplare gebaut. Die Liebhaber sind bei regelmäßigen Clubtreffen und auf Ausstellungen im Austausch miteinander, insbesondere was Wartung, Reparatur und Instandsetzung der begehrten Oldtimer betrifft.