Horst Berner fertigt auch viele Plastiken. In der Galerie Schacher 2 werden einige davon zu sehen sein. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

Horst Berner aus Altdorf arbeitet seit Jahrzehnten für Comic-Verlage – nun stellt er in der Böblinger Galerie Schacher 2 erstmals eigene Werke aus.

Wer sein Leben mit Comicfiguren verbringt, der wird vielleicht infiziert. Bei Horst Berner aus Altdorf war das nicht nötig. Er war dem Medium verfallen, ehe er begann, für Comic-Verlage zu arbeiten und zum großen Kenner der gezeichneten Welten wurde, in denen Figuren wie Asterix, Obelix und Lucky Luke unterwegs sind.

 

Seit Jahrzehnten beflügeln Comics Horst Berners Fantasie. So entstehen Bilder, Plastiken, in denen sich Elemente aus Comic und Alltag vermengen, Fundstücke und Zeichnungen zu abstrakten Collagen werden, Arbeitsmaterialien zu sprechendem Leben erwachen. Noch nie zuvor stellte Horst Berner diese Arbeiten aus – in der Galerie Schacher 2 am Böblinger Marktplatz sind sie nun zu sehen, am Sonntag, den 4. Mai, findet die Vernissage statt.

Rund 60 Werke werden gezeigt

„Freidimensional. Comics und Materialcollagen“ – der Titel der Schau gibt eine wichtige Intention des Künstlers wieder: Horst Berner nimmt sich Freiheiten, auch zwischen den Dimensionen. Rund 60 Werke wird er in den Räumen des Galeristen Marko Schacher präsentierten, fast die Hälfte von ihnen sind Plastiken. Es gibt Arbeiten, die ganz im Reich der zweidimensionalen Fantasie bleiben, in denen Versatzstücke von Comics, sprachliche Zeichen, Zeitungsartikel zu Bildern in der Tradition von Dada und Kubismus werden, und es gibt die Dinge, dreidimensional, die sich in seltsam ausdrucksstarke Figuren verwandeln – Farbtuben, ausgequetscht, Drähte, Henkel, Ösen, Schrauben, Ringe, Bleistifte, die zu sehr eigenwilligen Persönlichkeiten werden.

In den Arbeiten von Horst Berner vermischen sich Elemente aus Comic und Alltag. Foto: Eibner-Pressefoto/Roger Buerke

„Ich war immer schon ein Fan der sogenannten Trivialliteratur“, sagt Horst Berner. „Ich habe von frühester Kindheit an Comics gelesen.“ Sein Glück war: Er durfte es auch. Horst Berner wurde 1953 in Stuttgart geboren, war Kind in einer Zeit, in der dem deutschen Wirtschaftswunder die frankobelgischen Comicwelten so fremd und verdächtig waren wie die US-amerikanischen. Sigurd, der ritterliche Held, Nick, der Raumfahrer, Fix und Foxi, Lurchi, der Feuersalamander, der für Schuhe warb, und die Bücher von Wilhelm Busch gehörten zu seinen Kindheitslektüren. „Und bei Walt Disney“, sagt er „fand ich eine Vermenschlichung von Gegenständen, die für mich zu einem wichtigen Impuls wurde.“

Horst Berner durchlief eine Ausbildung zum Schriftsetzer. Die digitale Technologie brachte das Aus für diesen Handwerksberuf, aber Berner wurde noch ganz von ihm geprägt. Digitaler Hilfsmittel bedient er sich heute allenfalls, um seine Arbeiten auf Maß zu bringen. „Ich bin mit dem Druck groß geworden“, sagt er. „Die Magie der schwarzen Kunst hat mich immer fasziniert. Es gibt nichts schöneres, als von Hand zu arbeiten, eine direkte optische Kontrolle über Farben und Formen zu haben.“ Auch die Begegnung und Freundschaft mit dem Herrenberger Künstler Hellmut Ehrath wurde zu einem prägenden Erlebnis für Horst Berner – mit ihm unternahm er Reisen, von ihm ließ er sich in seiner rastlosen Kreativität inspirieren. Als Zeichner war Horst Berner vor allem zu Beginn seiner Laufbahn aktiv. Für das Comicmagazin „Schwermetall“ schuf er Anfang der 1980er Jahre Roboterzeichnungen und Portraits von Rockmusikern; auch für das Stuttgarter Stadtmagazin „Live“ (heute „Lift“) war er tätig. Das Magazin beauftragte ihn, ein Porträt über den Comic-Verlag Ehapa anzufertigen, der seinen Sitz damals noch in Leinfelden-Echterdingen hatte. Fortan erhielt Horst Berner Aufträge von Ehapa.

Lexika zu Comics veröffentlicht

Für Comic-Verlage ist er bis heute tätig: In seinem Büro für Comic, Text, Grafik in Altdorf arbeitet er an Texten, Übersetzungen, Konzepten für Sammelbände und Sonderausgaben großer Comicserien. Er veröffentlichte Lexika zu Asterix und Obelix, Lucky Luke, arbeitete mit an unzähligen Büchern dieser Helden mit, sammelte enormes Hintergrundwissen an - und traf auf den großen Comicmessen, beispielsweise im französischen Angoulême, auch die realen Helden, die hinter ihnen stehen: Künstler wie René Goscinny, Albert Uderzo, Morris, den Vater von Lucky Luke, oder Moebius alias Jean Giraud, für dessen Blueberry-Serie er deutsche Übersetzungen anfertigte.

„Ich habe alles aufgegeben für die Textarbeit“, sagt Horst Berner heute. „Aber ich habe dabei auch niemals aufgehört, für mich selbst ganz frei zu arbeiten.“ Seine Arbeitsräume legen davon Zeugnis ab – sie sind Archiv und Werkstatt zugleich, in ihnen stehen bunte, roboterähnliche Wesen, gebaut aus unwahrscheinlichen Gegenständen, neben Bildern, auf denen Buchstaben, Gesichter, Bildausschnitte, Lettern einen Tanz beginnen, Superhelden in kubistischen Symbolcollagen verschwinden, übermalt und überzeichnet mit Wasserfarbe, Ölkreiden, Buntstiften. In der Ausstellung bei Marko Schacher möchte Horst Berner seine eigenen Arbeiten auch mit einigen Gemälden seiner Partnerin Yannick Fallek kontrastieren – und so den kreativen Wirbel, der ihren gemeinsamen Alltag bestimmt, in die Galerie transportieren.

Künstler und Ausstellung

Zur Person
Horst Berner wurde 1953 in Stuttgart geboren, wuchs auf in Altdorf, lebt und arbeitet dort noch heute. Er absolvierte eine Schriftsetzerlehre beim Belser-Verlag, Stuttgart, studiere Grafik und Kunst an der Merz-Akademie, arbeitete mit an medizinisch-naturwissenschaftlichen Filmen. 1981 war er Mitbegründer des Interessenverbandes Comic (ICOM) und 1984 Mitinitiator des internationalen Comicsalons Erlangen. Seit Beginn der 1980er Jahre ist er freiberuflich tätig für Comic-Verlage. Er übersetze Comics wie Blueberry, Michel Vaillant, Asterix, Lucky Luke, veröffentlichte im Jahr 2000 „Das große Asterix Lexikon“, 2014 „Die Beatles im Comic“ und 2021, gemeinsam mit Volker Hamann, „Das große Lucky Luke Lexikon“.

Die Ausstellung
„Horst Berner. Freidimensional. Comic- und Materialcollagen“ eröffnet am Sonntag, 4. Mai, um 15 Uhr in der Galerie Schacher 2, Marktplatz 24, in Böblingen. Die Schau wird zu sehen sein bis zum 6. Juli 2025.