Nina Bergold und ihr Kunstwerk im Gotischen Chor Foto: Gottfried Stoppel

Ein imposantes Werk der Künstlerin und Medizinerin Nina Joanna Bergold aus Ludwigsburg ist in einer Ausstellung der Galerie der Stadt Backnang zu sehen. Die Schau wird am Freitagabend eröffnet. Ein Galeriebesuch.

Backnang - Eigentlich wollte Nina Joanna Bergold schon immer Kunst studieren. Doch dann hat sie sich nach dem Abitur am Mörikegymnasium in Ludwigsburg – na klar – mit dem Leistungskurs Kunst, und nach einem Jahr als Au-Pair-Mädchen in Boston doch für Medizin an der Uni Tübingen eingeschrieben. Die Eltern hatten gewisse Bedenken mit Blick auf die oft als brotlos geltende Kunst. Die Tochter hat das Medizinstudium durchgezogen und abgeschlossen, zur Freude von Mama und Papa.

An diesem Spätsommertag in der Galerie der Stadt Backnang erzählt Nina Bergold, dass sie aber parallel zum Medizinstudium immer auch Kurse für künstlerisch interessierte Studenten aller Fakultäten am Zeicheninstitut der Uni belegt habe. Nach dem Abschluss habe sie nicht als Ärztin gearbeitet, sondern bei einem auf Medizin spezialisierten Fachverlag. Immer noch war da aber dieser Gedanke im Kopf: noch mal studieren, an der Kunstakademie in Stuttgart.

Atelier in Bad Cannstatt

Das hat die Mutter eines heute einjährigen Sohnes dann auch getan, in der Klasse der Professorin Cordula Güdemann. Das zweite Studium ist auch längst abgeschlossen. Die Künstlerin, die mit ihrer kleinen Familie in Ludwigsburg wohnt und ihr Atelier in Bad Cannstatt hat, stellt jetzt zusammen mit fünf weiteren ehemaligen Mitstudenten in der Murrstadt aus. „Häute und morgen“ ist der Titel der Schau, die am Freitag, 21. September, um 20 Uhr eröffnet wird. Die Künstler setzen sich mit dem Thema Haut auseinander.

Nina Joanna Bergolds imposante Installation „The big escape (Ausbrecherinnen)“ ist speziell für den größten Raum der Galerie geschaffen worden. Aus einer etwa vier mal zehn Meter großen Teichfolie entstand ein Werk, das fast den ganzen Chor der ehemaligen Michaelskirche, der zur Galerie gehört, in Beschlag nimmt: An mehreren Seilen scheinen Menschen zu hängen und zu klettern. Mit dem Werk wolle sie erzählen, sagt die Künstlerin bei einem vorab-Rundgang, dass „alles zusammenhängt“, dass alles immer „abhängig ist von der Umwelt“.

Scherenschnittartig geschaffene Installation

Wer ganz nah ran geht an die scherenschnittartig geschaffene Installation, der sieht fast nur Linien. Wer indes ein paar Schritte Abstand hält, der erkennt die Figuren. Man könnte sagen, aus einem zweidimensionalen Werk wird beim Zurücktreten ein dreidimensionales.

Klar, wenn sich ein Interessent findet, dann sollen die „Ausbrecherinnen“ verkauft werden, sagt die Künstlerin, Jahrgang 1980, auf Nachfrage. Und dann erzählt sie noch, dass sie für, aber auch von der Kunst lebe. Sie arbeite indes weiter nebenbei für den Fachverlag, nun als freie Mitarbeiterin. Gutes Geld verdienen nur mit der schönen Kunst, das ist halt schwer.

Die Ausstellung „Häute und morgen“

Ausstellung
Bei der Ausstellung „Häute und morgen“ in der Galerie der Stadt Backnang werden Werke dieser sechs Studenten beziehungsweise ehemaligen Studenten der Akademie für Bildende Künste in Stuttgart gezeigt: Nina Joanna Bergold (geboren in Ludwigsburg), Yongchul Kim (Südkorea), Nigatu Molla (Äthiopien), Agnes Mrowiec (Polen), Alessia Schuth (Villingen-Schwenningen) und Ivan Zozulya (Ukraine). Der Leiter der Galerie, Martin Schick, sagt: Die Künstler stünden zwar erst am Beginn ihrer Karriere, sie könnten aber „erste Erfolge und ein erstaunlich dichtes, eigenständiges Werk vorweisen“. Die Ausstellung wird am Freitag, 21. September, um 20 Uhr eröffnet und bis zum 18. November gezeigt. Angeboten werden auch öffentliche Führungen und Aktionen speziell für Kinder und Schulklassen.

Galerie
Der Galerieleiter Martin Schick und seine Mitarbeiter haben schon mehrmals bewiesen, dass sie ein gutes Gespür haben für Künstler, die großes Potenzial haben. Der im Rückblick wohl spektakulärster Coup war die Ausstellung eines bis dato nicht übermäßig populären Malers aus Leipzig: vor rund 20 Jahren hat die Galerie der Stadt Backnang Neo Rauch ausgestellt. Rauch gehört heute zu den ganz großen deutschen Künstlern.

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