Manfred Schmid, Rainer Reddies und Björn Schäfer (v.li.) Foto: Frey

Im Stadtmuseum Bad Cannstatt ist die neue Ausstellung dem Cannstatter Alwin Berger gewidmet. Er war von 1915 bis 1922 Königlicher Hofgartendirektor der Wilhelma.

Bad Cannstatt - Wann gibt es das schon einmal, dass echte Pflanzen, in diesem Fall Kakteen, in ein Museum einziehen: Im Cannstatter Stadtmuseum sind diese von der Wilhelma extra zusammengestellt worden. Sie unterstreichen die Ausstellung über Alwin Berger, einen Gartenkünstler, Botaniker und Netzwerker, wie Manfred Schmid vom Stadtmuseum erklärte, dessen letzte Ausstellung es ist, die er vor seinem Ruhestand kuratiert hat. Zusammen mit Rainer Redies von der Cannstatter Stolpersteininitiative und Björn Schäfer von der Wilhelma ist die Ausstellung entstanden. Redies ist auf Schmid zugekommen und hat ihn auf Berger aufmerksam gemacht, den ehemaligen Königlichen Hofgartendirektor der Wilhelma (von 1915 bis 1922), der im Hallschlag gewohnt hat und als Persönlichkeit bei den Cannstatter Aposteln 1919 aufgenommen wurde, bei der sich bekannte Cannstatter und Akademiker trafen. Weit gereistes Objekt der Schau ist ein von Berger damals gepresstes Wolfsmilchgewächs namens „Euphorbia erytreae“ aus New York, das gestern noch Björn Schäfer von der Wilhelma beim Zoll am Hafen abholte. Es beinhaltet eine etwa sechs Zentimeter große, gepresste Pflanze, die unter das Washingtoner Artenschutzabkommen fällt. „Der Zoll hatte die Sendung deshalb herausgenommen“, so Schäfer. „Es ist der bislang einzige Originalbeleg der Arbeit von Berger von 1920 als Direktor der Wilhelma mit handschriftlichen Notizen.“ Schäfer hat die Sondergenehmigung zur Ausstellung dieses Objekts bekommen.

Stolperstein als Auslöser

Einen Anstoß zur Berger-Ausstellung ergab sich durch die Verlegung eines Stolpersteins für die jüdische Frau Bergers in der Heidelberger Straße 41. Danach wurde Redies aus Bergers Heimat in Thüringen kontaktiert. Bergers Frau Elise ist 1944 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet worden. Berger starb 1931 an einer nicht entdeckten Blinddarmentzündung. Er ist 1871 in Thüringen geboren. Ein Koffer aus dem Diakonissenmutterhaus Aidlingen lieferte weitere Informationen über Berger, Fotoalben von seiner Amerika-Reise und Silber. Alles zeigt die Ausstellung. Berger hat mehr als 400 Pflanzen benannt, es gibt auch Kakteen, die nach ihm heißen. Er hat ein Kakteenbuch geschrieben.

Aus dem Job gemobbt

1915 kam Berger nach Stuttgart, wurde 1916 Königlicher Hofgartendirektor der Wilhelma und aller königlichen Gärten in Friedrichshafen, Ludwigsburg und Bebenhausen. „Er wollte in der Wilhelma einen großen botanischen Garten anlegen, doch er hatte einen Feind im Finanzministerium“, so Redies. Schmid ergänzte, Berger sei aus dem Job gemobbt worden. Es gebe noch offene Fragen, so Schmid, „es ist für uns eine Spurensuche aus dem bislang zugänglichen und bekannten Material.“ So gebe es im Stadtarchiv noch eine gesperrte Akte über den Nachfolger von Berger. Berger war von 1923 bis 1926 in Amerika im Staat New York bei der Landwirtschaftlichen Versuchsanstalt tätig. Er hat dort ein Buch mitgeschrieben über Beerenfrüchte. Nach der Zeit in Amerika ist er 1926 als Oberkonservator nach Stuttgart zurück ans Naturkundemuseum. Schmid freute sich, zum Abschluss seiner Kuratoren-Tätigkeit diese besondere Persönlichkeit vorstellen zu können.

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