Ausstellung im Naturkundemuseum Stuttgart Eine Fliege namens Mick Jagger

Von Von Uli Meyer 

Die nach Keith Richards benannte Fliege ist „relativ zersaust“. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Die nach Keith Richards benannte Fliege ist „relativ zersaust“. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Der Stuttgarter Wissenschaftler Arnold Staniczek hat eine neu entdeckte Steinfliegenfamilie nach den Rolling Stones benannt. Eine Einladung an die berühmten Musiker ist schon raus.

Stuttgart - Fossile, steinalt und große Zunge – alles Begriffe, die man in Verbindung mit den Rolling Stones hört. Sie treffen aber auch auf eine neu entdeckte Insektenart zu. Denn diese Steinfliegen wurden nun tatsächlich nach der größten Rockband der Welt benannt: die „Rolling Stoneflies“. Zu sehen sind die Insekten, die in Jahrmillionen altem Bernstein konserviert sind, von Samstag an für zwei Wochen im Naturkundemuseum am Löwentor.

Petroperla mickjaggeri oder Lapisperla keithrichardsi

Es sind die zwei Welten des Arnold Staniczek. Beruflich übt der Wissenschaftler die Position des Kurators für aquatische Insekten am Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart (SMNS) aus und gilt als ausgewiesener Experte für Steinfliegen. In seiner Freizeit ist Staniczek glühender Fan der Rolling Stones. Wenn Mick Jagger & Co. am 30. Juni in Stuttgart auftreten, wird Staniczek ein kleines Jubiläum feiern: sein 20. Konzertbesuch bei den Stones, deren Auftritte er seit den 80er-Jahren begleitet, wann immer es möglich ist.

Zu gerne würde der Insektenforscher die britischen Rocklegenden einladen, im Museum am Löwentor vorbeizuschauen. Staniczek: „Ich habe versucht, das Management der Stones von dieser einmaligen Sache zu informieren.“ Was die gealterten Weltstars zu sehen bekämen, würde sie bestimmt zum Schmunzeln bringen. Da gibt es die Petroperla mickjaggeri, eine nach dem Stones-Frontmann benannte Gattung der neuen Steinfliegenart, oder die Lapisperla keithrichardsi, eine weitere Unterart des Insekts. „Die ist relativ zersaust und wurde deshalb nach Keith Richards benannt“, scherzt Staniczek über den furchigen Chefgitarristen der Kultband. Auch nach Charlie Watts, Ron Wood und den früheren Stones-Mitgliedern Bill Wyman, Mick Taylor und Brian Jones sind einzelne Arten der neuen Fliegenfamilie benannt.

Teil der Ausstellung „Leben im Bernsteinwald“

Alles nur ein großer Jux? Keineswegs, so Staniczek. „Ein Wissenschaftler hat das Recht und die Pflicht, eine Neuentdeckung auch zu benennen“, betont Staniczek, der sein rund 30-seitiges Manuskript der wissenschaftlichen Veröffentlichung schon bei den entsprechenden Stellen eingereicht hat. Sollten zwei unabhängige Fachkollegen nichts einzuwenden haben – Staniczek hat keinen Zweifel daran -, dann sind die Rolling Stoneflies wissenschaftlich verbrieft. „Burmesischer Bernstein ist ungefähr 100 Millionen Jahre alt und damit eines der ältesten fossilen Harze, und Steinfliegen sind eine der ältesten Gruppen der geflügelten Insekten“, führt der Stuttgarter Experte aus. Arnold Staniczek war rasch klar, die von ihm neu entdeckten Arten mit den Rolling Stones als älteste Rockband in Verbindung bringen zu wollen.

Die Rolling Stoneflies werden auch Teil der großen Landesausstellung „Leben im Bernsteinwald“ sein, die am 5. Dezember im Naturkundemuseum eröffnet wird.

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