Masken in allen Spielarten sind zurzeit im MuSeele ausgestellt. Im Vordergrund ein venezianisches Exemplar. Foto: Horst Rudel

Die meisten Menschen legen sich Masken zu, um ihr wahres Ich zu verbergen. Eine Ausstellung mit dem Titel „Maske & Alter Ego“ beleuchtet im Göppinger Psychiatriemuseum MuSeele verschiedene Aspekte des sich Verstellens.

Göppingen - Neben den imposanten afrikanischen Masken nehmen sich die venezianischen klein aus, trotz ihrer vogelschnabelähnlichen langen Nasen. Das Psychiatriemuseum MuSeele der Göppinger Klinik Christophsbad präsentiert zurzeit eine Ausstellung mit dem Titel „Maske & Alter Ego“. Anliegen der Schau ist es nicht, die Exponate völkerkundlich einzuordnen. Vielmehr richtet sich der Fokus, wie in diesem Kontext naheliegend, auf die Seele. „Ein Patient ist ein Maskierter“, sagt Rolf Brüggemann, der Leiter des MuSeele. „Unsere Aufgabe ist es, ihn zu seiner Wahrhaftigkeit zu führen, sodass er seine Masken nicht mehr braucht.“

Masken haben viele Funktionen. Man kann sich hinter ihnen verstecken und braucht dazu noch nicht einmal eine richtige Maske, sie können schützen, Bestandteil eines Rituals sein, aber auch Rollenspiele ermöglichen. Und sie können Angst machen. Alle diese Aspekte sind in der Ausstellung zu finden, die einsetzt mit einem einfachen Feigenblatt, der ältesten Maske überhaupt, wie Brüggemann feststellt. Adam und Eva hätten sich mit einem Feigenblatt bedeckt, als sie sich ihrer Nacktheit bewusst geworden seien.

Scham als psychiatrisches Thema

„Die Scham ist ein ganz wichtiges psychiatrisches Thema“, sagt Rolf Brüggemann, der lange auch als Psychologe am Christophsbad tätig war. Frühkindliche Erlebnisse der Beschämung wirkten oft ein ganzes Leben lang nach. In diesen Zusammenhang ordnet er ein Plakat mit dem Model Claudia Schiffer ein, allerdings unter umgekehrten Vorzeichen. Schiffers Augenpartie ist bedeckt von einer kleinen schwarzen Maske. Dieses Verstecken ihrer eigentlichen Identität ermöglicht es ihr, die Scham zu überwinden und sich lasziv vor der Kamera zu räkeln.

Auch einen kompletten Taucheranzug hat Brüggemann für die Ausstellung aufgetrieben. Ohne Inhalt wirkt er besonders verstörend. Er sei eine totale Maske, sagt Brüggemann, genauso wie andere Overalls oder auch die Burka. Angsteinflößend sei vor allem, dass die Person dahinter nicht mehr zu erkennen sei. „Es ist kein menschlicher Kontakt möglich, nicht einmal mit Blicken“, sagt er. Entsprechend würden Overalls auch beim Militär und bei der Polizei eingesetzt – und bei deren Gegenspielern. Auch Bankräuber maskierten sich, weil sie unerkannt bleiben wollten.

Auch Worte können maskieren

Maskeraden können aber auch lustvoll sein. Brüggemann zeigt auf sehr schön gearbeitete Figuren eines Kasperletheaters. Von der Prinzessin über den König, die Hexe und einen besonders scheußlichen Teufel findet sich hier das ganze Arsenal möglicher Verwandlungen. Diese frühe Theatererfahrung biete Kindern alle möglichen Identifikations- und Projektionsfiguren. „Sie können sich aussuchen, als was sie sich gerne erleben würden“, sagt Brüggemann. Durchweg positiv besetzt sind die afrikanischen Masken, so unheimlich sie auch wirken mögen. Bei Ritualen dienen sie ähnlich wie die Masken der alemannischen Fasnet dazu, böse Geister zu vertreiben.

Auch in Filmen spielen Masken oft eine Rolle. In einem kleinen Raum werden einige Beispiele gezeigt. Besonders raffiniert ist eine Maskerade in Milos Formans „Einer flog über das Kuckucksnest“. Sie erfolgt allein über Worte.

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