Es lohnt sich, eine der Felszinnen des Hausener Ecks zu erklimmen. Die Sicht dort oben ist spektakulär, Gerhard Dangelmaier steigt immer wieder herauf. Foto: Pressefoto Horst Rudel

Wenn Gerhard Dangelmaier aus dem Fenster schaut, sieht er hoch oben das Hausener Eck. Oft wandert er hinauf. Die Aussicht von den Felszinnen bei Bad Überkingen ist einzigartig.

Bad Überkingen - Spitz ragen die nackten Felszinnen des Hausener Ecks in den Himmel. Doch der Blick wird angesogen von dem Abgrund, der sich vor den Füßen auftut: Schwindelerregende 250 Meter fällt die Felswand senkrecht zum oberen Fils­tal ab. Der Ort Hausen, der dem Eck und der sich östlich daran anschließenden Wand ihren Namen gab, sieht aus dieser Perspektive wie ein Miniaturpark aus.

Gerhard Dangelmaier ist oft hier oben – alleine, mit seiner Familie oder mit seiner Wandergruppe für Ältere, die er um sich scharte, als er in den Ruhestand ging. Der 73-jährige ehemalige Gymnasiallehrer lebt in Hausen. Anfang der achtziger Jahre verguckte er sich von diesem Aussichtspunkt aus in einen Bauplatz, den er prompt kaufte. Die Wand ist im Ort allgegenwärtig. Der Fels diktiert sogar den Rand der Bebauung, weil immer wieder Gesteinsbrocken in die Tiefe stürzen. Da gebietet es sich, respektvoll Abstand zu halten. Gerhard Dangelmaier erinnert sich, dass sich vor etlichen Jahren ein Mordsbrocken löste. „Der wog bestimmt drei Tonnen.“

Die verschiedenen Schichten des Weißjura sind zu erkennen

Wohin das Auge auch schweift – auf dem Hausener Eck scheint alles gewaltig. Man vermeint sogar den Atem der Erdgeschichte zu spüren. Denn die Felsformation ist am Ende der letzten Eiszeit durch einen gigantischen Erdrutsch entstanden. Wer das Massiv von den gegenüberliegenden Hängen aus betrachtet, der kann die verschiedenen Schichten des Weißjura erkennen. Viele der Kalksteine, die von dem Felsen abplatzen, weisen Versteinerungen auf. Gerhard Dangelmaier hebt ein paar Brocken auf und erklärt: „Vor 150 Millionen Jahren war hier das Jurameer.“ Vertrauensvoll balanciert Gerhard Dangelmaier auf der bröseligen Felskante. Als Zweiter Vorsitzender der Geislinger Sektion des Alpenvereins und Fachübungsleiter für das Bergsteigen steckt er die Höhe locker weg. Nicht nur für Wanderer ist die Wand attraktiv. Auch Kletterer kommen auf ihre Kosten. „Hier gibt es eine der wenigen Zweiseillängen-Touren auf der Schwäbischen Alb“, erzählt Dangelmaier. Für Nichtkletterer: Eine Seillänge mit ihren 40 Metern reicht nicht aus, um diese Tour zu machen. Überlaufen ist der Fels dennoch nicht, weil das Gestein brüchig ist. Außerdem heißt es, Rücksicht zu nehmen. Das Gebiet steht unter Naturschutz.

Ein Teil des zweitschönsten Wanderweg Deutschlands

Mit einer weit ausholenden Geste weist Dangelmaier auf den Horizont. Das Panorama ist spektakulär. Bei gutem Wetter sind die Zugspitze und weitere Berge der Alpen zu sehen. Doch selbst bei schlechter Sicht kann das Auge über die gegenüberliegenden Kuppen des Albtraufs schweifen. Westlich ist die Filstalbrücke der neuen Schnellbahntrasse von Stuttgart nach Ulm zu sehen. Das gewaltige Bauwerk tritt in Mühlhausen aus dem Stein und hat fast schon die Seite vis-à-vis erreicht.

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„Im nördlichen Schwarzwald hat man kaum so eine schöne Aussicht“, sagt Gerhard Dangelmaier. Angesichts des atemberaubenden Panoramas findet er es deshalb meistens verzichtbar, in die Ferne zu schweifen. Nicht nur das Hausener Eck sei spektakulär – und mit dieser Meinung ist er nicht allein. Denn die Wand liegt an einem der Löwenpfade, und dieser wird wegen der vielen frei stehenden Felsen, die er streift, als Felsenrunde bezeichnet.

Der zertifizierte Wanderweg wurde im vergangenen Jahr zum zweitschönsten Wanderweg Deutschlands gekürt.

Wer Glück hat, kann sogar den Ruf des Uhus hören

Es lohnt sich auch, hin und wieder vor die eigenen Füße zu schauen. Auf dem schroffen Stein krallen sich Mauerpfeffer und Felsenhungerblümchen fest. Wilder Schnittlauch blüht üppig. Doch so schön die Natur auch ist, Gerhard Dangelmaier beobachtet mit Sorge die Bäume. Viele der für die Region charakteristischen Buchen leiden unter Hitzestress. Traurig ragen ihre verdorrten Äste in den Himmel. „Das hat ein erschreckendes Ausmaß angenommen, der Klimawandel wird augenscheinlich“, sagt Dangelmaier.

Trotzdem sind die Wanderer hier oben dem Himmel und der Natur ein Stück näher. Wer Glück hat, kann sogar den Ruf des Uhus hören. Der große, scheue Vogel, der als Todesbote galt, wurde einst gnadenlos gejagt und war zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts so gut wie ausgerottet. Nun ist er wieder da und lässt hin und wieder ein heiseres „Huu“ hören.

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