Tipp 1: Hotspot zur Sichtung der totalen Mondfinsternis ist die Sternwarte Stuttgart auf der Uhlandshöhe. Öffentlich hinkommen: Stadtbahnlinie U15 oder U5 zur Haltestelle „Olgaeck“ und Buslinie 42, Haltestelle „Heidehofstraße“ aussteigen. Foto: 7aktuell.de/Oskar Eyb

Wer am Freitagabend in den Himmel schaut, hat gute Chancen, die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts zu sehen. Das Wetter spielt auch mit. Jetzt fehlt nur noch freie Sicht – wir geben Tipps.

Stuttgart - Astronomischer Sommernachtstraum: Gleich zwei besondere Konstellationen erhellen den Nachthimmel am 27. Juli über Deutschland - und das an einer lauen Freitagnacht mitten im Hochsommer. Der Mond taucht in den Erdschatten ein, es ist die längste totale Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts. Der Mars ist der Erde gleichzeitig so nah wie selten. Zahlreiche Sternwarten, Planetarien, astronomische Vereine und Forschungsinstitute laden zum Beobachten des Spektakels ein.

Alles, was Sie zum „Blutmond“ wissen müssen

Die Chancen, das Himmelsspektakel zu sehen, stehen gut. „Für die komplette Nacht sieht es nach klarem Himmel aus“, sagt Alexander Halbig, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Stuttgart. In Stuttgart geht der Mond am 27. Juli um 21 Uhr auf - die Mondfinsternis hat dann schon begonnen. Dann ist es im Kessel mit 26 Grad noch angenehm warm. Um 23.14 Uhr ist die totale Mondfinsternis beendet.

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Die Stuttgarter Sternwarte hat ab 20.30 Uhr geöffnet. Auf der Uhlandshöhe ist der „Blutmond“ natürlich gut zu sehen, aber auch andere Stuttgarter Aussichtspunkte bieten sich an. Wer die Mondfinsternis besonders lange beobachten will, sollte sich einen Standort mit freiem Blick in südöstliche Richtung aussuchen – Vorschläge finden Sie in unserer Bildergalerie.

Längste Mondfinsternis des 21. Jahrhunderts

Nur wenn sich die Mondbahn mit der Erdbahn bei Vollmond kreuzt, verfinstert sich der Mond, erklären die Astronomen. Die totale Mondfinsternis ist diesmal besonders lang: Der Mond taucht für eine Stunde und 44 Minuten vollständig in den Erdschatten ein. Übertroffen wird diese Mondfinsternis-Dauer erst am 9. Juni 2123 - um zwei Minuten.

Diese Mythen ranken sich um den „Blutmond“

„Der Mond ist gleich merklich röter und dunkler“, kündigt Astronomin Carolin Liefke vom Haus der Astronomie in Heidelberg an. „Es ist klar und deutlich zu sehen, dass er anders aussieht als sonst.“

Der als Roter Planet bekannte Mars ist weiter von der Sonne entfernt als die Erde. Anders als diese braucht er auf seiner Bahn nicht ein, sondern fast zwei Jahre, um die Sonne zu umrunden. Der Abstand vom Mars zur Sonne schwankt erheblich: An seinem sonnenfernsten Punkt ist er rund 250 Millionen Kilometer entfernt, am sonnennächsten nur etwas mehr als 200 Millionen Kilometer. Nur wenn der Mars der Sonne nahe steht und ihn die Erde auf der Innenbahn überholt, ist er am Himmel besonders hell und vergleichsweise groß zu sehen. Zu dieser speziellen Konstellation kommt es im Durchschnitt aber nur alle 15 Jahre, zuletzt 2003. Am 27. Juli ist der Mars nur etwa 58 Millionen Kilometer von der Erde entfernt - der Minimalabstand, wie die Astronomin Liefke erklärt.

Mars und ISS sind auch zu sehen

Der Mars geht eine Stunde nach dem Mond auf, steht aber nicht so hoch und leuchtet sehr hell mit rötlichem Licht. Zum Höhepunkt der Mondfinsternis gegen 22.22 Uhr stehen sowohl der Mond als auch der Mars noch tief über dem Horizont. Am Ende der Finsternis um 23.14 Uhr stehen die beiden Himmelskörper den Astronomen zufolge deutlich höher. Es ist dann richtig dunkel und beide leuchten rötlich. Das Schauspiel sei bis nach Mitternacht zu verfolgen und die Menschen könnten zuschauen, wie der Mond den Erdschatten verlasse.

Nicht nur der Mond und der Mars sind am Himmel gut zu sehen, auch die Internationale Raumstation ISS (mit dem deutschen Astronauten Alexander Gerst an Bord) sowie Jupiter und Saturn.

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