Präzise Flanken sind die Stärke von Borna Sosa. Im Trikot der kroatischen Nationalmannschaft schlägt er allerdings nur wenige. Foto: AFP/MANAN VATSYAYANA

Der Fußballprofi des VfB Stuttgart gehört zwar zur Stammformation der kroatischen Nationalelf, doch bisher hat er seinen Marktwert nicht steigern können.

Da saß er nun, auf dem Boden des Lusail-Stadions vor den Toren Dohas. Borna Sosa gab in diesem Moment des WM-Halbfinales eine unglückliche Figur ab. Er hatte das 2:0 der Argentinier durch Julian Alvarez nicht verhindern können, war als letzter Abwehrspieler gar gestolpert– und nur wenige Minuten später wechselte der kroatische Nationaltrainer Zlatko Dalic den Linksverteidiger zur Halbzeit aus. Als taktische Maßnahme ließe sich das bewerten, um mehr Offensivkraft in das Team zu bekommen und den Rückstand aufzuholen. Doch zur Wahrheit gehört: Sosas Auftritt war schwach. Als die Kroaten sein Stärken am meisten benötigten, war der Fußballprofi des VfB Stuttgart nicht mehr auf dem Platz.

 

Trotz der Enttäuschung, das bisher wichtigste Spiel seiner Nationalmannschaftskarriere mit 0:3 verloren zu haben, richtete Sosa den Blick schnell nach vorne. „Jetzt spielen wir um Platz drei. Wir müssen uns gut vorbereiten und Gas geben“, sagte der 24-Jährige. Gut möglich, dass Sosa dann wieder in der Anfangself steht. Denn in den bisherigen sechs WM-Partien vertraute ihm Dalic fünfmal. Nur im Achtelfinale fehlte der Linksfuß – wegen Fiebers.

Wie läuft das mit Ivan Perisic?

Womöglich bietet sich Sosa nun am Samstag die vorerst letzte Chance, die Wüstenbühne für sich zu nutzen. Der VfB-Profi steht ja schon länger auf den Beobachtungslisten europäischer Spitzenclubs – und wollte sich weiterempfehlen. Bislang spielt er in Katar jedoch eine unauffällige Rolle. Was daran liegt, dass er im Trikot mit den Karos mehr Defensivaufgaben zu bewältigen hat als im Dress mit dem Brustring. Bei den Stuttgartern laufen die Angriffe oft über Sosas Seite. Seine präzisen Flanken sind das große Plus und haben ihn zum begehrten Spieler auf dem Transfermarkt gemacht.

Doch im Spiel der Kroaten weiß Sosa nun mal Ivan Perisic (Tottenham Hotspur) vor sich – ein Star der goldenen Generation. Der Raum, in dem das Bundesliga-Ass durch Flankenläufe seine Mitspieler zum Glänzen bringen kann, ist somit meist besetzt. Und Perisic sucht nicht immer den Doppelpass mit Sosa. Eine Marktwertsteigerung hat sich so kaum ergeben, gefallen sind die Sosa-Aktien (Vertrag bis 2025) aber auch nicht.

Zwischen 15 und 20 Millionen Euro an Ablöse sind noch immer die weiß-roten Vorstellungen, wenn es um einen Verkauf geht. Viel Geld für einen Spieler, der mit seiner Technik, seinem Tempo und seiner Ballsicherheit auch viele jener Fähigkeiten mitbringt, die für die Position des Außenverteidigers gefordert sind – aber es mangelt an Abwehrstärke und Konstanz, zudem gibt es eine gewisse Verletzungsanfälligkeit.

Ohnehin ist nicht davon auszugehen, dass im Winter zahlreiche Clubs auftauchen, die solch eine hohe Summe für Sosa aufbringen können – wenn überhaupt. Zuletzt ist es jedenfalls ruhig gewesen um einen möglichen Transfer. Bleibt es den VfB-Verantwortlichen also nach der WM erspart, darüber nachzudenken, ob sie Sosa abgeben? Denn sportlich leisten kann sich der Abstiegskandidat einen sofortigen Wechsel kaum – obwohl die Finanzlage sehr angespannt ist.