In der Nacht auf Sonntag ist es in der Stuttgarter Innenstadt zu Randale und Festnahmen gekommen. Foto: Andreas Rosar Fotoagentur-Stuttg

Statt friedlich die ersten Öffnungen zu feiern, kommt es in Stuttgart gleich am ersten Wochenende wieder zu Ausschreitungen. Die Stadt denkt an harte Schritte. Die werfen aber viele Fragen auf.

Stuttgart - Vor knapp einem Jahr haben sich in der Stuttgarter Innenstadt schlimme Szenen abgespielt, die zuvor undenkbar schienen. Hunderte junge Leute griffen die Polizei an und zerlegten die halbe Innenstadt. Der Ausbruch der Gewalt hatte sich allerdings schon zuvor angekündigt. Mehrfach war es zu Ansammlungen und Aggressionen gegen die Beamten gekommen. Inzwischen reicht in gewissen Kreisen eine simple Kontrolle, um das Fass des Frusts zum Überlaufen zu bringen.

 

Daran hat sich offenbar wenig geändert – trotz aller Gespräche, Streetwork und Beteuerungen der Politik, dass es keine Wiederholung geben dürfe. Die Aggressionen von diesem Samstag waren in ihrer Ausprägung nicht mit dem vergangenen Juni zu vergleichen. Doch sie zeigen, dass es im Kessel weiter brodelt. Diesmal hat der Hinweis auf die Coronaregeln und das Alkoholverbot genügt, damit Flaschen fliegen und es verletzte Polizisten gibt. Wieder waren fast ausschließlich junge Leute beteiligt, viele aus dem Umland angereist. Statt die ersten Öffnungen mit Herz und Hirn zu feiern, kam es gleich wieder zu Gewalt. Nichts gelernt.

Die Stadt denkt nun über Aufenthaltsverbote für Teile der Innenstadt nach. Nachts und am Wochenende, um neue Randale zu vermeiden. Ein nahe liegender Gedanke. Doch in der Praxis stellen sich viele Fragen. Wie will man das kontrollieren und durchsetzen? Lassen sich Störer dadurch abhalten? Was passiert während der Fußball-EM? Und ist das wirklich eine Lösung? Was auch immer passiert, letztlich wird die Polizei im Blickpunkt der Umsetzung stehen und als Feindbild in den Augen mancher Beteiligter zementiert. Der Sommer könnte lang werden.

juergen.bock@stuttgarter-nachrichten.de