Jens Spahn will die umstrittene Kostenübernahme für homöopathische Arzneimittel durch Krankenkassen nicht antasten. Foto: AFP/TOBIAS SCHWARZ

Es ist ein Reizthema: Sollen Patienten Homöopathie-Leistungen aus Beitragsgeld der Kassen bezahlt bekommen? Der Minister hat seine Haltung nun klar gemacht. Den Streit beendet das nicht.

Berlin - Der Streit um homöopathische Arzneimittel auf Kosten der gesetzlichen Krankenkassen geht auch nach einer Positionierung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn weiter. Der CDU-Politiker hatte deutlich gemacht, dass er an Erstattungen durch viele Kassen nicht rütteln will und auf den eher kleinen Anteil an den gesamten milliardenschweren Ausgaben verwiesen. Der Koalitionspartner SPD reagierte zurückhaltend. Aus der Opposition kamen unterschiedliche Reaktionen.

Spahn: „Es ist so okay, wie es ist“

Spahn hatte am Dienstagabend in Berlin beim „Berliner Salon“ des Redaktionsnetzwerks Deutschland erläutert, dass die Kassen bei Arznei-Ausgaben von rund 40 Milliarden Euro im Jahr etwa 20 Millionen für Homöopathie zahlten. Darüber könne man emotional diskutieren und dabei vielen vor den Kopf stoßen. Oder man könne sich fragen, ob es das angesichts der gesamten Größenordnung wert sei. „Ich habe mich entschlossen zu: Es ist so okay, wie es ist“, sagte der Minister.

Homöopathie gehört nicht zum regulären Leistungskatalog. Allerdings erstatten viele Kassen Behandlungskosten für Naturheilverfahren, weil es eine Nachfrage dafür gibt und weil dies ein Instrument im Konkurrenzkampf ist. In Frankreich sollen homöopathische Arzneimittel ab 2021 nicht mehr erstattet werden. Das hatte auch die Diskussion in Deutschland befeuert.

Wer solche Mittel haben wolle, solle sie erhalten, „aber bitte nicht auf Kosten der Solidargemeinschaft“, hatte etwa der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, gefordert. Grund seien unzureichende wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit.

Politiker mit unterschiedlichen Positionen

Die Grünen-Gesundheitspolitikerin Kordula Schulz-Asche begrüßte die „unaufgeregte Haltung“ des Ministers in der momentan wieder emotional geführten Debatte. „Die Komplementärmedizin ist eine wichtige Ergänzung zur Schulmedizin“, sagte sie am Mittwoch. Die Erstattung etwa über freiwillige Leistungen der Kassen sei derzeit gut geregelt. Von einem vielfältigen Gesundheitssystem profitierten alle.

Die designierte SPD-Fraktionsvize Bärbel Bas sagte, alternative Heilmethoden, für die es keine oder nur unzureichende Studien gebe, seien aus gutem Grund nicht Teil der Regelversorgung der gesetzlichen Kassen. Gebe es die Nachweise, könnten Therapien wie Akupunktur zu Regelleistungen werden. Bei der Homöopathie lägen diese Nachweise aber nicht vor. „Es fehlt daher die Grundlage für eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen.“

Vergleich mit Nahrungsergänzungsmitteln

Die FDP-Gesundheitspolitikerin Christine Aschenberg-Dugnus sagte, jeder, der Homöopathie befürworte, solle sie weiterhin erwerben können. „Dann aber auf Selbstzahlerbasis.“ Gleiches gelte schließlich auch für Nahrungsergänzungsmittel, die einen Umsatz von mehr als zwei Milliarden Euro pro Jahr ausmachten. Kassen erstatteten auch deshalb homöopathischen Behandlungskosten, um junge und gesunde Versicherte zu werben. „Es muss aber Ziel sein, dass es um die qualitativ beste Versorgung der Versicherten geht und nicht um Marketingmaßnahmen.“

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