Auch mit Dachziegeln soll der Angeklagte nach den Polizisten geworfen haben. Foto: dpa/Patrick Seeger

Im Kokainrausch soll ein 36-Jähriger in Waiblingen das Haus seiner Ex-Partnerin angezündet und Polizisten attackiert haben. Jetzt muss er sich vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.

Stuttgart/Waiblingen - Trotz Handschellen hat Dirk H. (Name geändert) in den Zuschauerraum des Landgerichts Stuttgart gewinkt, wo er sich unter anderem wegen versuchten Totschlags und schwerer Brandstiftung verantworten muss. Auch seine Ex-Partnerin, deren Haus er laut Anklage angezündet hatte, ist anwesend, muss ihn aber auf Anordnung des Richters verlassen, da sie an einem späteren Verhandlungstag noch als Zeugin aussagt.

Der Angeklagte soll einen Stoffvorhang in den Toaster gesteckt haben

Dirk H. soll am 8. September vergangenen Jahres in Waiblingen in dem Reihenmittelhaus, das er mit seiner Ex-Partnerin und den beiden gemeinsamen Kindern bewohnte, Feuer gelegt haben, indem er einen Stoffvorhang in einen Toaster steckte. Der 36-Jährige soll zur Tatzeit unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain gestanden haben. Die Tat hatte der Dachdecker zuvor angedroht, er wusste, dass zur Zeit der Brandstiftung die Frau und die Kinder, ein fünfjähriger Junge und ein vierjähriges Mädchen, nicht im Haus waren. Als die von seiner Partnerin gerufene Polizei eintraf, soll Dirk H. im Obergeschoss ein 21 Kilogramm schweres Dachfenster aus der Fassung gerissen und in Richtung der vier Beamten auf die Straße geschmissen haben.

Obwohl die Polizisten Schutzausrüstung und Helme trugen, nahm er laut Staatsanwaltschaft ihren Tod billigend in Kauf. Danach soll Dirk H. auf das Dach geflohen sein und von dort die Staatsdiener mit Ziegeln beworfen haben. Es entstand ein Schaden von 7000 Euro. Dirk H. äußerte sich am ersten Sitzungstag noch nicht zur Sache. Auch über seine Suchtproblematik will er erst beim nächsten Verhandlungstermin sprechen. Zu seiner Person machte der stämmige Mann mit mehreren Tätowierungen am Hals aber Angaben. Seine Eltern trennten sich, als er sechs Jahre alt war. Der Vater wanderte nach San Sebastian im Baskenland aus, der Sohn pendelte immer zwischen Spanien und Deutschland, wo seine Mutter als Chefsekretärin arbeitete. Sein Vater habe ihn ausgenutzt, um es seiner Mutter heimzuzahlen, meint Dirk H. heute.

Wann er wo gelebt hatte, konnte er vor Gericht nicht immer genau angeben. „Mit Zahlen habe ich es nicht so“, sagte der Angeklagte. Mit dem alkoholkranken Vater, der vor wenigen Monaten verstarb, soll es immer wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen gekommen sein. Da der Vater als Lastwagenfahrer oft auf Achse war, war Dirk H. in Spanien schon früh auf sich allein gestellt.

Der Angeklagte hat keinen Schulabschluss

Mit 13 Jahren habe er auf dem Bau und als Innenausstatter gearbeitet und damit sein Leben und einen Sprachkurs finanziert, wie er mit hörbarem Stolz erzählte. Dabei eignete er sich auch die Fähigkeiten an, die ihn später im Berufsleben halfen. „Ich habe alles mit den Augen geklaut“, sagte er. Ohne Schulabschluss arbeitete er unter anderem selbstständig als Dachdecker sowie als Maler und Lackierer. Zuletzt war er bei einer Abdichtungsfirma in Waiblingen beschäftigt.

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