Bei Unfällen im Urlaub zahlen die Krankenkassen keinen Rücktransport nach Deutschland. Der kann teuer werden. Foto: chalabala - stock.adobe.com

Ob Opernreise nach Wien oder Abenteuertrip in den Urwald – für den Auslandsaufenthalt braucht es eine Krankenversicherung. Guter Schutz auf Reisen ist für wenig Geld zu haben. Was Verbraucher über die Auslandskrankenversicherung wissen sollten.

 

Stuttgart - Guter Schutz im Ausland ist für wenig Geld zu haben. Die Stiftung Warentest hat 92 Tarife von Versicherern getestet.

Wieso braucht man eine Auslandskrankenversicherung?

„Sobald man die Landesgrenzen verlässt, sollte man über eine solche Versicherung verfügen“, sagt Birgit Brümmel von der Stiftung Warentest. Denn die gesetzliche Krankenkasse übernimmt zwar innerhalb der Europäischen Union (EU) eine notwendige medizinische Behandlung. Die Kassen bezahlen aber nur das, was den Bewohnern im entsprechenden Urlaubsland auch zustehen würde. Ohne Auslandskrankenversicherung müssten erkrankte Urlauber den im Urlaubsland üblichen Eigenanteil selbst tragen und würden nur die Versorgung bei dort zugelassenen Ärzten bezahlt bekommen. Deutsche Krankenkassen übernehmen oft nur einen Bruchteil der tatsächlichen Kosten. Falls man im Urlaub zum Arzt oder ins Krankenhaus muss, bekommt man dort oft eine privatärztliche Rechnung, auch für Medizin. Einen notwendigen Rücktransport bezahlen die Kassen auch innerhalb Europas nicht. Der kann aber sehr teuer werden.

Wie teuer ist ein Krankentransport aus dem Ausland?

Je nachdem, aus welchem Land und mit welchem Transportmittel die erkrankte Person nach Deutschland gebracht wird, können hohe Kosten entstehen. Ein Transport mit einem Spezialflugzeug und intensivmedizinischer Versorgung inklusive Herz-Lungen-Maschine, Beatmungsgerät und ärztlicher Betreuung kann in die Hunderttausende gehen. 250 000 Euro kamen zusammen, als eine deutsche Patientin aus Thailand nach Hause transportiert wurde. Abhängig von der Art der Erkrankung können Sonderflüge von den Kanarischen Inseln nach Deutschland bis zu 45 000 Euro kosten, aus Italien 20 000 Euro und aus China 85 000 Euro.

Bin ich mit einer Auslandskrankenversicherung dann abgesichert?

Kosten, die eine gesetzliche Krankenkasse nicht bezahlt, werden von einer Zusatzversicherung bezahlt. Sehr gute Tarife, die ein Jahr lang alle Reisen bis zu einer Dauer von sechs bis zehn Wochen je Reise abdecken, gibt es bereits ab acht Euro. Es wurden 92 Tarife von 43 Anbietern untersucht. 52 der getesteten Tarife sind „sehr gut“, 27 wurden mit „gut“ bewertet. Die Spitzenreiter sichern ihre Kunden laut Stiftung Warentest umfassend ab.

Brauchen Privatversicherte auch eine solche Versicherung?

Besser ja. Zwar gelten private Krankenversicherungen in der Regel mindestens für Europa, ein Rücktransport nach Deutschland ist aber nicht immer mit abgesichert. Der Abschluss einer solchen Zusatzversicherung lohnt sich daher auch für Privatversicherte – und sei es nur, um den Anspruch auf Beitragsrückerstattung nicht zu gefährden.

Worauf sollte man bei der Police achten?

„Wer schon eine Auslandskrankenversicherung hat, sollte trotzdem prüfen, ob sich ein Wechsel lohnt. Denn es gelten immer die Versicherungsbedingungen, die zum Vertragsabschluss gültig waren“, sagt Birgit Brümmel. Da laut Stiftung Warentest die Tarife immer besser werden, kann sich ein Wechsel lohnen. Wichtig ist die unbegrenzte Übernahme von Behandlungskosten sowie ein Rücktransport, wenn dieser „medizinisch sinnvoll“ ist.

Kann man auch im hohen Alter noch eine solche Versicherung abschließen?

Senioren sollten genau hinschauen. Viele Versicherer verlangen teils hohe Zuschläge für über 65-Jährige. Die Tester heben den „sehr guten Tarif der Debeka“ für nur acht Euro im Jahr hervor. Die Debeka verlange keinen Alterszuschlag. Die anderen Versicherungen erklären die Zuschläge damit, dass der Anteil an älteren Reisenden immer höher werde und diese auch häufiger erkrankten.

Lohnt sich eine Familienversicherung?

Für Paare sind fast immer zwei Einzelpolicen günstiger. Für Familien ab drei Personen lohnen sich in der Regel die Familienversicherungen. Kinder sind bei einigen Versicherungen nur bis zum 18. Lebensjahr mitversichert, bei anderen deutlich länger. Hier lohnt ein Blick in den Vertrag.

Welche Tarife sind gut?

Einzelreisende sind mit den Testsiegern DKV und Ergo für 9,99 Euro bestens abgesichert. Für Familien werden die Tarife JRV von Hanse-Merkur für 29 Euro im Jahr oder Travel-Secure-AR von Travel-Secure/Würzburger für 33 Euro (ohne Selbstbeteiligung) empfohlen. Ein Tarif ist komplett durchgefallen: der Tarif für Einzelreisende AKV der LKH bekam ein „mangelhaft“. Bei ihm entsprechen die Vertragsbedingungen nicht mehr den aktuellen Standards.

Wann wird ein Rücktransport bezahlt?

Hier muss genau gelesen werden: Während die einen Versicherer lediglich „medizinisch notwendige“ Rücktransporte übernehmen, bezahlen andere auch „medizinisch sinnvolle“ Rücktransporte, etwa wenn zu erwarten ist, dass der Patient zu Hause schneller wieder gesund wird. Die häufigsten Gründe für Krankenrücktransporte sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle, Hirnblutungen sowie Verkehrs- und Sportunfälle.

Worauf müssen chronisch Kranke achten?

Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, sollte darauf schauen, dass auch unerwartete Verschlechterungen dieser Krankheit mitversichert sind. Am besten bespricht man dies vor dem Abschluss direkt mit der Versicherung und lässt sich vor jeder größeren Reise eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vom Arzt ausstellen.

Werden Kosten für Begleitpersonen übernommen?

Nicht immer werden auch die Kosten für eine Begleitperson übernommen. Wer minderjährige Kinder im Urlaub dabei hat, sollte zuvor klären, ob für den Fall, dass ein Erwachsener erkrankt, auch die Rückreisekosten für mitreisende Kinder erstattet werden. Oder ob im umgekehrten Fall beispielsweise die Kosten für die Eltern übernommen werden, wenn diese ihre erkrankten Kinder im Krankenhaus auch über Nacht begleiten (sogenanntes Rooming-In) möchten.