Studierende aus aller Welt an der Universität Hohenheim. Foto: Uni Hohenheim

Seit sie Gebühren bezahlen müsse, kommen weniger ausländische Studierende nach Baden-Württemberg. Die Ministerin Theresia Bauer gibt Entwarnung, doch aus ihrer Partei wird die Abschaffung der Unimaut verlangt.

Stuttgart - Seit diesem Wintersemester müssen neue Studierende von außerhalb der Europäischen Union an den Hochschulen in Baden-Württemberg Studiengebühren bezahlen. 1500 Euro werden pro Semester fällig. Das hat zu einem Rückgang der internationalen Studierenden im Land um 21,6 Prozent geführt. Gut 5100 internationale Studierende haben sich neu eingeschrieben.

Kaum Veränderungen an Musikhochschulen

Kaum Veränderungen gab es an den Kunst- und Musikhochschulen, die traditionell einen sehr hohen Ausländeranteil haben. In Mannheim und Karlsruhe stiegen die internationalen Einschreibungen sogar, ebenso an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Dagegen meldeten sich an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart 50 statt 58 Anfänger an.

Unterschiedliche Meldungen gibt es aus den neun Landesuniversitäten. In Hohenheim mit seinem hohen Anteil an entwicklungspolitischen Studiengängen sanken die Anmeldezahlen internationaler Studierender von 165 auf 153. Am KIT Karlsruhe jedoch schrieben sich nur 753 Studenten von außerhalb der EU ein, im vergangenen Wintersemester waren es 1098. Durchgängig geringere Nachfrage aus Übersee, Asien und Afrika melden auch die Fachhochschulen.

Ministerin gibt Entwarnung

Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) nannte den Rückgang moderat. Die Zahlen lägen im erwarteten Bereich. „Wir können ein Stück weit Entwarnung geben“, sagte sie am Dienstag vor Journalisten. Nach wie vor sei Baden-Württemberg attraktiv als Studienort für internationale Studierende. Deren Zahl steige seit Jahren stark an und liege trotz des aktuellen Rückgangs noch über dem Wert des Wintersemesters 2011/12.

Das Land will die Internationalität wahren. Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nannte die Einführung der Gebühren eine „mutige Entscheidung“, durch die die Internationalisierung der Hochschulen gestärkt werde. Er betonte, dass 300 Euro aus der Semestergebühr von 1500 Euro für die Verbesserung der Betreuung der internationalen Studierenden verwendet werden.

So kommen laut Bauer bis zum Jahr 2022 neun Millionen Euro zusammen, die die Hochschulen für Mentoren und für Unterstützungssysteme vor allem zu Beginn des Studiums einsetzen können. Das sei nötig, die Abbrecherquote der internationalen Studierenden ist hoch. Auch werde beispielsweise das Baden-Württemberg Stipendium in diesem und im kommenden Jahr um je eine Million auf dann 7,5 Millionen Euro aufgestockt.

Grüne Jugend und SPD für Abschaffung der Gebühr

Baden-Württemberg ist das einzige Bundesland, das die Gebühr erhebt. Nur in Nordrhein-Westfalen stehen Bauer zufolge gegenwärtig derartige Pläne im Koalitionsvertrag. Die baden-württembergischen Grünen werden am Wochenende bei ihrem Parteitag einen Antrag der Grünen Jugend auf Abschaffung der Gebühren beraten. Der SPD-Fraktionschef Andreas Stoch sagt ebenfalls: „Internationale Studiengebühren schaden Baden-Württemberg. Angesichts voller Landeskassen gehören sie abgeschafft.“

Nico Weinmann, der Wissenschaftspolitiker der FDP, nennt die Gebühren „eine grüne Absonderlichkeit“. Sie würden einen hohen Verwaltungsaufwand bedeuten, auch habe sich Bauer dem Haushaltsansatz zufolge wohl mehr Einnahmen versprochen.

Für den Endausbau im Jahr 2022 kalkuliert das Land mit jährlichen Einnahmen von 45 Millionen Euro aus den Gebühren. Damit will Bauer Einsparungen im Wissenschaftsbereich vermeiden.

Im ersten Jahr erwarte man etwa zehn Millionen Euro Einnahmen, erklärte eine Sprecherin Bauers. Allerdings wären darin eingerechnet die Erhöhung des Verwaltungskostenbeitrags für alle Studierenden um zehn Euro und die neue Gebühr für ein Zweitstudium.

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