Ausgrabungen Archäologen finden antike Totenstadt in Ägypten

Von Martin Gehlen 

Ein Sarkophag liegt in der kürzlich entdeckten, über 2500 Jahre alten Nekropole auf dem Boden. Foto: dpa
Ein Sarkophag liegt in der kürzlich entdeckten, über 2500 Jahre alten Nekropole auf dem Boden. Foto: dpa

Jeder kennt die Pyramiden von Giseh. Doch Ägypten besitzt noch viel mehr sagenhafte Schätze aus der Antike. Nun finden Forscher eine weitere Nekropole. Gute Nachrichten, um den Tourismus anzukurbeln.

Kairo - Stolz und Freude standen Ägyptens Antikenminister Kaled El-Enany ins Gesicht geschrieben. Eigens ein halbes Dutzend Glasvitrinen hatte er mitten in der Wüste aufstellen lassen, um seine frisch entdeckten Schätze präsentieren zu können. „Wir werden dem Nahen Osten eine neue archäologische Attraktion hinzufügen“, versprach er den hunderten Gästen.

Im Dezember 2017 entdeckten Ägyptens Ausgräber nahe der Stadt Minia mit Hilfe deutscher Kollegen aus München und Hildesheim eine mehr als 2500 Jahre alte Totenstadt, die Grablegen zahlreicher Priesterfamilien enthält. Vierzig mit Namen beschriftete Sarkophage aus Stein legten die Wissenschaftler frei, dazu 1000 Statuetten, Alabaster-Gefäße, Keramik und Schmuck. „Das ist erst der Anfang. Wir brauchen mindestens fünf Jahre, um sämtliche Nekropolen dieses Friedhofs zu erforschen“, sagte Al-Enany. Acht weitere Gräberfelder sind schon ausgemacht, wahrscheinlich gibt es noch wesentlich mehr.

Oberhaupt einer der Familien war der Hohepriester Djehuty-Irdy-Es, der für den Gott Thot zuständig war. Seine noch vorhandene Mumie ist dekoriert mit blauen und roten Perlen sowie vergoldeten Bronzeplatten, die die geflügelte Himmelsgöttin Nut zeigen. Kurz vor Neujahr stießen die Forscher auf ein Amulett mit der Inschrift „Frohes Neues Jahr“ – „ein wunderbarer Zufall und eine Botschaft für uns aus dem Jenseits“, freute sich Chefausgräber und Kairos Antikendirektor Mostafa Waziri.

Ende 2018 soll das Große Ägyptische Museum seine Tore öffnen

Zwei Drittel des historischen Erbes, so schätzte einmal Waziris Vorgänger Zahi Hawass, liegen noch unangetastet in ägyptischer Erde. Und so setzen die Ausgräber nicht nur in Minia, sondern auch in Luxor und Kairo auf weitere spektakuläre Erfolge. Denn zum einen möchte die reich gesegnete Nation am Nil endlich wieder mehr Touristen anlocken. Zum anderen lenkt das Entdeckerglück – zumindest vorübergehend – ab von der beispiellosen Repression durch das Regime von Abdel Fattah al-Sisi. Denn am gleichen Tag, als die Funde von Minia präsentiert wurden, begann der offizielle Wahlkampf für die Präsidentenwahl am 26. März.

Und so vertrauen die Ägypter vor allem auf ihr einzigartiges Kulturerbe, um mehr zahlungskräftige Besucher anzulocken. Nach dem Niedergang von 2011 war das vergangene Jahr 2017 mit 8,3 Millionen Besuchern das bisher beste. Zu den 14,7 Millionen Touristen 2010 vor dem Sturz von Hosni Mubarak jedoch klafft immer noch eine gigantische Lücke. Die ersten Buchungszahlen für 2018 zeigen eine weitere Erholung – auch für das Tal der Könige in Luxor, wo die ägyptischen Altertum-Gewaltigen ebenfalls auf eine Sensation hoffen. Radarmessungen sollen Klarheit darüber bringen, ob sich ein bislang unentdeckter Raum hinter der Nordwand der 1922 entdeckten Grabkammer des Pharaos Tutanchamun befinden. Erst Anfang des Monats hatten Wissenschaftler in der Nähe der Pyramiden ein mehr als 4000 Jahre altes Grab gefunden. Die Kammer soll zu einer Priesterin mit dem Namen Hat Bet gehören. Ende 2018 soll darüber hinaus das Große Ägyptische Museum, ein Ein-Milliarde-Euro-Gigant, nach 15 Jahren Bauzeit in Kairo seine Tore öffnen.

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