Verkauft seine Barbecue-Soße inzwischen mit eigens kreiertem Design: Martin Kohler aus Malmsheim. Foto: Simon Granville

Ein Renninger Metzger erobert mit seiner preisgekrönten Barbecue-Soße die USA. Doch was steckt hinter dem Erfolg des „Weltmeischdersößle" und wie geht es weiter?

In der Kücher der Renninger Metzgerei von Martin Kohler dampft schon ein tiefer Topf, gefüllt mit Tomatensoße. Dann wird es ernst: Mit einem großen Schneebesen rührt der 56-Jährige erst Essig und Wasser unter. Bestimmt ein Kilogramm brauner Zucker rieselt anschließend in die Tomatensoße hinab, dazu kommt klebrig-braune Melasse. Aus einer Tube, so groß wie sein Kopf, drückt der Metzgermeister zähe Vanillepaste in das Gebräu, dann wird wieder kräftig gerührt.

 

Und dann folgt auch schon das Herzstück der Kreation: Die Gewürzmischung. Rund 15 verschiedene Gewürze mixt Martin Kohler für das Rezept zusammen, Pfeffer gehört dazu, Zimt, Chili, Paprika. Seit es das Endergebnis in seiner Metzgerei zu kaufen gibt, wiegt Martin Kohler die Gewürze ab, schließlich soll das Ergebnis auch jedes Mal gleich gut sein. „Aber am Anfang habe ich das eher nach Gefühl gemacht“, erinnert er sich. In der Küche der Metzgerei hängt inzwischen ein wohlriechender Dampf, die Mische auf dem Herd brodelt leise vor sich hin. „Die köchelt jetzt so 20 Minuten“, erklärt Martin Kohler. Und dann wird es auch schon abgefüllt, das „Weltmeischdersößle“.

Barbecue-Soße hat 2024 Preis in den USA geholt

Dieses Weltmeischdersößle, die selbst gemachte Barbecue-Soße aus dem Hause Kohler, darf sich nicht einfach so mit diesem Titel schmücken. Tatsächlich hat sie mal einen Preis bekommen – nämlich den ersten Platz bei der renommierten Barbecue-Weltmeisterschaft „The Jack“ in den USA. Seit neun Jahren ist Martin Kohler Teil des „Black Forest BBQ Teams“, einer sechsköpfigen Mannschaft aus Metzgern und Hobby-Grillern aus der Region, angeführt vom Metzgermeister Heinz Schaal aus Tübingen. Jedes Jahr fährt die Truppe in die USA, um an den Grillmeisterschaften – für die man übrigens eine explizite Einladung braucht – teilzunehmen.

Rund 15 Gewürze kommen in die Barbecuesoße von Metzgermeister Martin Kohler. Foto: Simon Granville

2024 hatte die Schwarzwaldtruppe dabei einen überraschenden Erfolg erzielt: In der Kategorie „Barbecue-Soße“, einer von sieben, in denen sich die Teams beweisen müssen, holten sie den ersten Platz. Ertüftelt hatte das Rezept für diese preisgekrönte Soße: Martin Kohler. Mit der gleichen Rezeptur wollte sich das Team auch bei den Meisterschaften 2025 wieder eine hohe Platzierung sichern. Das hat allerdings nicht mehr geklappt: „Beim Erhitzen ist was schiefgegangen“, erklärt der Renninger Metzger. Das Metall des Topfes hatte mit der heißen Soße reagiert, die Portion habe dann zu sehr nach Essig gerochen und geschmeckt.

2025 hat es bei „The Jack“ nur mit dem Brisket geklappt

Weil allerdings die Zeit ablief, musste sich Kohler schnell entscheiden: „So abgeben oder eine kalte Portion servieren?“, erinnert er sich. Es wurde Variante eins – und der Platz auf dem Treppchen war weg. Wieder gut machte diesen Rückschlag schließlich aber das Brisket der Truppe, das den sechsten von rund 90 Plätzen holte. „Aus dem Häusle“ seien er und sein Team deshalb gewesen, sagt Kohler. „Das ist die Königdisziplin der Amerikaner.“ Beim langen Garen der Rinderbrust kommt es auf ein genaues Timing an.

Obwohl das Schwarzwaldteam den ersten Platz für seine Barbecue-Soße nicht verteidigen konnte: Einiges getan hat sich rund um das Weltmeistersößle aber doch. Inzwischen haben Team und Soße ein eigenes Design, sogar eine eigene Webseite. Die Flaschen erstrahlen jetzt in knalligem Pink, kleine Tiercartoons als Teil der Gestaltung erinnern mit Bollen- und Cowboyhut an den Spagat zwischen Schwarzwald und Tennessee. Sie sollen auch ein bisschen an den Way of Life erinnern, der überhaupt zur Soße geführt hat: Barbecue, Lagerfeuer, Fleisch: „Einfach ein Cowboy-Ding“, schwärmt Martin Kohler.

Amerikanische Grillkultur mit Prominenz und großem Gerät

In Sachen Grillkultur sei man in Deutschland derweil aber eigentlich gar nicht so hinterher, findet Kohler. Bei den Wettbewerben in den USA seien die lokalen Teams aber sehr viel professioneller unterwegs. „Die kommen mit mehreren Sattelschleppern, mit voll ausgestatten Küchen“, berichtet er. Die ersten Jahre hatte sein Team, im Vergleich dazu, unter ein paar Zelten gegrillt. Außerdem gebe es in den USA unter den Grillenthusiasten richtige prominente Köpfe, die besonders in den Sozialen Medien eine große Followerschaft haben. „Die schreiben dann Autogramme“, so Kohler.

Als ausländisches Team würde man da in der Regel erst mal unter dem Radar fliegen. Seit dem Erfolg der Barbecue-Soße hat sich für die Schwarzwälder dieses Blatt allerdings ein wenig gewendet. Beim Einkaufen vor dem Wettbewerb wären sie auch mal im Supermarkt erkannt worden, erzählt der Renninger Metzger. „Man hat dann schon einen anderen Stellenwert“, sagt Kohler. „Das macht einen schon stolz.“

Wegen der Soße kommen manche extra nach Renningen

Und: Von den Erfolgen bei den Wettbewerben profitieren auch die Mitglieder des Schwarzwaldteams mit ihren Metzgereien, darunter die von Kohler. „Die Kunden nehmen es gerne auf und gratulieren“, berichtet der 56-Jährige. „Es kommen viele angereist, gerade wegen der Soße.“ Etabliert hat sich seine Metzgerei aber auch als Anlaufstelle für den ein oder anderen besonderen „Cut“, also ein Teilstück des Tiers. Wer eintauchen will in die Barbecue-Welt, hat bei Kohler allemal einen wissenden Ansprechpartner. „Das zieht besonders ein jüngeres Publikum an“, freut er sich.

In Zukunft möchte er auch mal Kunden zum großen Barbecue in seine Metzgerei einladen. Eine zweite Soße könnte er sich ebenfalls vorstellen – oder eine Gewürzmischung zum Selbstanrühren.