Wie auf dem Schild zu lesen ist: In der Löwen-Apotheke von Miguel Juez Liedtke in Degerloch waren Mitte der Woche alle Masken vergriffen. Foto: Caroline Holowieck/i

Seit Dienstag dürfen sich über 60-Jährige in Apotheken kostenlose FFP2-Masken holen, und der Kundenstrom reißt vielerorts nicht ab. Manche sprechen von einer Weltuntergangsstimmung. Und das in einer Zeit, in der in Apotheken eh viel los ist.

Filder - Vielleicht liegt es an den spanischen Wurzeln. Miguel Juez Liedtke hat ein sonniges Gemüt. „Man muss es nehmen, wie es ist, und mit Freude“, sagt er fröhlich. Dabei ist die aktuelle Situation für den Inhaber der Löwen-Apotheke in Degerloch und der Steinbock-Apotheke in Hoffeld eigentlich angespannt. „Ganz schlimm“, bekennt er. Seit Dienstag dürfen sich Menschen über 60 und Risikopatienten in Apotheken drei kostenlose FFP2-Masken holen.

Seither bilden sich vielerorts Schlangen – auch vor der Löwen-Apotheke in Degerloch. Am ersten Tag habe man versucht, die Ausgabe über einen Seiteneingang zu meistern, da aber alles genau dokumentiert werden muss, sei man alsbald in den Verkaufsraum zurückgekehrt, wo die Technik steht. An der Tür hing am Donnerstag ein Schild: Masken vergriffen. Miguel Juez Liedtke will vermeiden, dass sich Risikopatienten unnötig lang vor der Apotheke aufhalten. „Sie sind anfälliger, auch für Erkältungen“, sagt er. Eigentlich sei es ungut, dass genau sie nun massenhaft in Schlangen stehen. Das hätte man anders organisieren können, findet er, aber nun müsse man das Beste draus machen.

Manche mussten die Kunden wieder wegschicken

Nicht alle Kollegen nehmen die Situation so gelassen wie Miguel Juez Liedtke. Vielen ist der Stress am Telefon deutlich anzuhören. Vielerorts ist sowieso nur der Anrufbeantworter erreichbar. „Das Wort Maske kann ich nicht mehr hören. Tschüssi“, sagt ein Vaihinger und legt auf, ohne auf die Reaktion seines Gegenübers zu warten. „Keine Zeit, wird sind heute nur zu zweit“, sagt eine Frau aus Möhringen etwas atemlos in den Hörer. Auch dieses Gespräch ist rasch beendet.

Probleme scheint sowohl Apothekern als auch Lieferdiensten der kurze Vorlauf zwischen Beschluss und Ausgabe-Starttermin bereitet zu haben. „Wir haben vor zehn Minuten unsere erste Teillieferung bekommen“, sagt Jennifer Pagels aus der Landhaus-Apotheke in Möhringen am Donnerstagmorgen. Zuvor habe man eben die Masken ausgegeben, die man noch dagehabt habe, doch die seien irgendwann ausgegangen. „Wir mussten viele wegschicken, weil wir nichts hatten“, sagt sie.

„Wenn man das Pech hatte, dass der Lieferdienst nicht schnell genug geliefert hat, hatte man ein Problem“, bestätigt Thomas Pfeifle, der Inhaber der Pelikan-Apotheke in Heumaden. Er habe einen Tag vor dem Ausgabestart seine Bestellung erhalten, dennoch benutzt er den Begriff „hopplahopp“ im Zusammenhang mit dem Beschluss des Bundesregierung. Zwar hat er auch am Donnerstag noch Masken, dennoch hätte er sich gewünscht, das Ganze wäre nicht erst in der Vorweihnachtszeit, in der sowieso viel in Apotheken los sei, umgesetzt worden, „dann hätte es sich mehr verteilt“.

In all dem Trubel kommt das Persönliche zu kurz

Ähnlich sieht es Lothar Erb aus der Zeppelin-Apotheke in Echterdingen. Er spricht von einer „Weltuntergangsstimmung“. Bereits am Dienstag, dem ersten Ausgabetag der drei kostenlosen Masken, seien Kunden aus Bad Cannstatt oder Ludwigsburg gekommen, weil bei ihnen daheim nichts mehr zu bekommen gewesen sei. 2000 Stück seien so an nur einem Tag in der Zeppelin-Apotheke über die Theke gegangen. Mittlerweile hat Lothar Erb die Ausgabe an Bürger aus der Stadt beschränkt.

In all dem Trubel kämen er und seine Kollegen zu nichts, erzählt er. „Das ist schwierig, ich habe einen Schreibtisch, der kein Schreibtisch mehr ist.“ Was Lothar Erb schmerzt: Gerade rund um Weihnachten komme die Kundschaft traditionell für einen kurzen Plausch vorbei, auch Geschenke würden überreicht, dafür sei aber aktuell kaum Zeit. „Vor Weihnachten will jeder fünf bis zehn Minuten Ansprache. Es ist schade, wenn das in der absoluten Hektik untergeht.“

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