Aus dem großen Sulzbachstausee ist ein Rinnsal geworden. Denn das Wasser ist im Herbst wegen Wartungsarbeiten abgelassen worden. Foto: Malte Klein

Der Sulzbachstausee zwischen Steinenbronn und Waldenbuch ist ein beliebtes Ausflugsziel. Nun sieht es so aus, als bliebe der See bis zum Jahr 2020 ohne Wasser. Die Hintergründe erklären wir hier.

Steinenbronn/Waldenbuch - Wo bis Oktober 2017 das Wasser des Sulzbachstausees dümpelte, ist nun eine braune Fläche zu sehen. Einst fasste er 84 000 Kubikmeter Wasser. Doch davon ist nur noch ein Rinnsal übrig, das sich über den einstigen Grund des Sees schlängelt. Rund um den See weisen Schilder auf Lebensgefahr hin. Denn wer auf die braune Fläche tritt, so ist es dargestellt, könnte im Sand einsinken und es nicht mehr herausschaffen.

Der See, der derzeit vom Landratsamt Böblingen einem Sicherheitscheck unterzogen wird, wird noch lange so leer bleiben. Diese Information hat Simon Römmich, der Leiter des Ordnungsamts von Steinenbronn, vom Landratsamt Böblingen bekommen. „Mir wurde mitgeteilt, dass das nördliche Vorbecken 2019 befüllt wird und das Hauptbecken erst 2020“, sagt Römmich. Immer wieder fragen Bürger im Rathaus, wann der Sulzbachstausee wieder geflutet werde.

Erst muss der Sanierungsbedarf ermittelt werden

Die Pressesprecherin des Landratsamts Rebecca Kottmann bleibt in ihrer Auskunft vager. „Es ist unwahrscheinlich, dass dieses Jahr wieder Wasser eingefüllt wird“, sagt sie. Weiter möchte sie sich nicht festlegen. Ihr Kollege Dennis Ritter teilt zur Planung mit: „Der aktuelle Zeitplan sieht vor, dass die Ergebnisse der Überprüfung bis Ende September dieses Jahres vorliegen.“ Danach könnte der ermittelte Sanierungsbedarf abgearbeitet werden. Für diese Arbeiten müsste dann ein Förderantrag beim Land gestellt werden. Wann die Arbeiten abgeschlossen sein dürften, sagt er nicht.

Der Sulzbachstausee liegt südwestlich des Dorfes Steinenbronn und ist für den Hochwasserschutz von Waldenbuch gedacht. Vom Becken aus fließt das Wasser des Sulzbachs gedrosselt in die Aich. Alle 20 Jahre wird das Becken leer gepumpt und einem Sicherheitscheck unterzogen. Dazu mussten im Oktober 1000 Teichmuscheln und Fische im Gewicht von zweieinhalb Tonnen umziehen. Der Sportfischerverein Schönaich Steinenbronn nutzt den See.

Die Angler sind überrascht über den Zeitplan

Norbert Bacher, der Gewässerwart des Sportfischervereins, hat ebenfalls erfahren, dass vermutlich 2019 oder 2020 Wasser in den See gefüllt werde. Dass es so lange dauert, hat ihn überrascht. „Ich hätte gedacht, dass Ende 2018 wieder Wasser im Stausee sein wird. Wir haben aber nun erfahren, dass die Mühlen der Ämter langsamer mahlen.“ Zunächst muss der See untersucht werden. Das Geld dafür ist bereits freigegeben. Wenn die Ergebnisse der Untersuchung vorliegen, müssten die Arbeiten ausgeschrieben werden. „Wir haben erfahren, dass diese voraussichtlich im Frühjahr 2019 beginnen können.“ Je nach Wetterlage könne damit auch schon im Winter begonnen werden.

Die Fische, die einst im Sulzbachstausee schwammen, leben nun in Schwäbisch Gmünd nordöstlich von Stuttgart, erzählt Bacher. „Es ist nicht geplant, die Fische wieder in den Sulzbachstausee zu holen.“ Für den Verein hat es natürlich Auswirkungen, dass kaum Wasser im See ist. Denn sonst haben die Kameraden dort geangelt. „Es ist unser größtes und artenreichstes Gewässer, das wir nun nicht mehr zur Verfügung haben.“ Darin tummelten sich Fische wie Rotaugen, Karpfen, Schleie, Zander, Brachsen, Dorsche und Aale.

Nun müssten sie auf zwei Seen in der Nähe von Schönaich ausweichen. Darin schwimmen aber nicht so viele Fische. „Wir sind auch in Gesprächen mit Vereinen, ob wir in deren Gewässern angeln dürfen“, sagt Bacher. Trotz der Beeinträchtigung sieht er es pragmatisch: „Der See dient zuerst dem Hochwasserschutz, dann der Naherholung und danach erst als Angelsee.“ Wenn wieder Wasser eingefüllt wird, wird es nach seiner Einschätzung mindestens ein Jahr, vielleicht aber auch bis zu drei Jahre dauern, bis sich darin wieder ein Fischbestand entwickelt hat, auf den sie angeln können.

Ein Jahr der Reproduktion fällt aus

Aus ökologischer Sicht ist es nicht so schlimm, dass der Sulzbachstausee fast ohne Wasser ist. Das sagt Thomas Bamann, der Teil des Vorstands der Nabu-Gruppe Steinenbronn und Waldenbuch ist. „Die Erdkröte kann dort nicht laichen. Das bedeutet, dass für sie ein Jahr der Reproduktion ausfällt. Auf lange Sicht ist das aber nicht so tragisch.“

Außerdem sei der See ein von Menschen geschaffenes Bauwerk und diene vor allem dem Hochwasserschutz. Bamann kann dem Ablassen des Wassers etwas Positives abgewinnen: „Wenn weniger Schlamm auf dem Grund ist, bedeutet das, dass der Nährstoffgehalt geringer ist.“ Eine sogenannte Eutrophierung, hervorgerufen durch zu viele Nährstoffe in einem Gewässer, kann zu einem nutzlosen und schädlichen Pflanzenwachstum führen.

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