Egal ob verfallene Kapelle oder ehemaliger Friedhof: Auch im Kreis gibt es einige verlassene Orte mit spannender Geschichte. Ein Überblick.
Lost Places sind verlassene Orte, die sich oftmals in einem fast schon bemitleidenswerten Zustand befinden. Und doch üben sie nicht selten eine große Faszination auf die Menschen aus. Gerade das Geheimnisvolle, das von den Ruinen ausgeht, zieht die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich.
Auch im Landkreis Ludwigsburg gibt es einige dieser Lost Places; nicht alle davon sind einer größeren Öffentlichkeit bekannt. Wir stellen die fünf interessantesten Ruinen im Kreis vor.
1. Kapelle im Monrepos-See
Schlendert man am Schloss Monrepos vorbei entlang des angrenzenden Sees, ragt auf einer Insel inmitten des Gewässers eine Turmspitze empor, die schon seit jeher für Verwunderung sorgt. Für die Öffentlichkeit ist der Turm einer ehemaligen Kapelle nicht zugänglich, doch seine Schönheit begeistert immer noch.
Die Kapelle stammt vom Ende des 18. Jahrhunderts und wurde ursprünglich für den Park von Stuttgart-Hohenheim erbaut. Sie war nie als Gotteshaus gedacht, sondern diente einzig ästhetischen Zwecken und wird wegen ihrer kunstgeschichtlichen Bedeutung geschätzt. Erst 1803 wurde sie vom späteren König Friedrich I. nach Monrepos verlagert.
Ein Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg hat das Hauptschiff der Kapelle größtenteils zerstört, übrig blieben der Turm sowie eine leere Gebäudehülle. Mittlerweile gibt es Pläne, die Insel für freie Trauungen anzubieten und so den weiteren Verfall der Kapelle zu stoppen.
2. Ehemaliges Gestüt Marienwahl in Ludwigsburg
Unweit des prächtigen Residenzschlosses steht in Ludwigsburg eine Ruine, die zwar ebenfalls eine königliche Vergangenheit aufweist, heute aber nicht mehr ansatzweise so prachtvoll aussieht. Ein ehemaliges Gestüt hat sich zwischen Heilbronner Straße und Stresemannstraße erhalten und dient mittlerweile als Kulisse für Spaziergänger.
Die Geschichte des Anwesens reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. Der spätere König Wilhelm II. lebte dort zeitweise mit seiner ersten Gemahlin Marie zu Waldeck und ließ das Gestüt errichten. Von ihm stammt auch der Name „Marienwahl“, den er dem Anwesen zu Ehren seiner früh verstorbenen Frau gab.
Wilhelms Tochter Pauline betrieb in dem Gestüt später eine Pferdezucht. Doch nach ihrem Tod geriet das Gelände in Vergessenheit. Heute ist nur noch die Ruine des ehemaligen Pferdestalls erhalten, wenn auch in keinem guten Zustand. Sie ist öffentlich zugänglich.
3. Alter Friedhof in Kornwestheim
Wo früher die Toten ihre letzte Ruhe gefunden haben, können nun die Lebendigen dem Alltagsstress entfliehen. Der Alte Friedhof in Kornwestheim ist schon längst kein Friedhof mehr, doch es sind noch einige alte Grabsteine erhalten. Ursprünglich wurden die Toten in Kornwestheim neben der Dorfkirche bestattet. Weil infolge der Pest die Zahl der Verstorbenen explodierte, wurde 1628 ein neuer Friedhof in der Aldinger Straße eröffnet.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde schließlich auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein neuer Friedhof errichtet, aus dem ehemals neuen Friedhof wurde der Alte Friedhof. Seit 1950 finden dort keine Beerdigungen mehr statt, das Gelände wurde lange Zeit sich selbst überlassen. Mittlerweile ist der Alte Friedhof zu einem Lapidarium geworden, einer Art Museum für Steinkunst. Es finden Führungen statt, auf Anfrage kann der Alte Friedhof auch auf eigene Faust besichtigt werden.
4. Gerlinger Freibad mitten im Wald
Im Krummbachtal zwischen Gerlingen und Leonberg war einst ein beliebtes Freibad beheimatet, das an guten Sommerwochenenden bis zu 5000 Besucher anlockte. Heute lockt es nur noch Tiere an: 1991 wurde das Freibad, das 1929 erbaut worden war, aufgegeben. Die Naturfreunde, denen das Bad gehört, konnten sich eine vorgeschriebene neue Umwälzpumpe für eine Million Mark nicht mehr leisten.
Pläne zur Reaktivierung des Freibads gab es zwar, sie wurden aber aus Kostengründen zu den Akten gelegt. Aus statischen Gründen bleibt das Becken gefüllt, doch mittlerweile schwimmen Fische und keine Menschen mehr darin. Der Zugang zum Gelände ist verboten. Der Bereich um das ehemalige Freibad herum ist dagegen zu einem beliebten Ausflugsziel geworden – unter anderem durch das noch bewirtschaftete Waldgasthaus und den nahegelegenen Walderlebnispfad.
5. Werzalit-Gelände in Oberstenfeld
Bis 2019 hatte der Holzwerkstoff-Hersteller Werzalit seinen Stammsitz im beschaulichen Oberstenfeld. Noch heute prägen die Silhouetten der einstigen Produktionsstätten das Ortsbild, doch produziert wird hier nichts mehr. 2018 meldete das Unternehmen Insolvenz an, im Jahr darauf wurde die Produktion eingestellt. Das zwölf Hektar große Gelände wurde von der Volksbank-Tochter Levkas gekauft.
Heute werden die Hallen von verschiedenen Akteuren als Lager genutzt, öffentlich zugänglich ist das Gelände nicht. Nach dem Willen der Gemeinde Oberstenfeld soll auf dem Areal ein riesiges Wohnquartier entstehen, das Platz für 1300 Menschen bietet. Bis die ersten Bewohner einziehen, dürften aber noch ein paar Jahre vergehen – und der Lost Place ein solcher bleiben.