Schöne Etappen lassen sich auf dem Radweg entlang der Körsch zurücklegen. Christian Lenk, Chef des Albvereins Scharnhausen, zeigt seine Lieblingsplätze.
Nach Feierabend schwingt sich Christian Lenk gerne aufs Fahrrad und radelt an der Körsch entlang. „An der Strecke am Wasser gibt es so viel zu entdecken“, schwärmt der Vorsitzende der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins in Scharnhausen. Seine kleine Tour beginnt am Alten Rathaus, einem schön restaurierten Fachwerkgebäude aus dem Jahr 1596, in dem sich heute ein Hotel befindet.
An der Brücke im Scharnhausener Ortskern zieht die Holzskulptur einer orangefarbenen Brustschwimmerin die Blicke auf sich. Daneben plätschert der Fluss. Das Kunstwerk hat Birgit Rehfeldt geschaffen, die im Ostfilderner Stadtteil Kemnat lebt. Dort fahren täglich hunderte Radlerinnen und Radler vorbei. Manche machen am schön angelegten Ufer mit Sitzgelegenheiten Rast. „Durch die neue Gestaltung des Ufers hat Ostfildern den Stadtteil Scharnhausen deutlich aufgewertet“, findet Lenk, der als Beisitzer zum Vorstand des CDU-Stadtverbands gehört.
Entdeckungsreisen auf zwei Rädern
Mit dem Fahrrad die historischen Sehenswürdigkeiten des Stadtteils Scharnhausen zu entdecken, fasziniert den Unternehmer immer wieder aufs Neue. Wer den Körschtal-Radweg in Richtung Plieningen und Hohenheim radelt, kommt zunächst an dem mächtigen Hochwasserschutz-Bauwerk vorbei, das der interkommunale Zweckverband Körsch errichten ließ. „Die Tallagen von Scharnhausen sind immer wieder überschwemmt worden“, sagt Lenk. Mit modernster Technik lässt sich nun der Fluss selbst bei Starkregen regulieren. Wer an der Körsch entlang Richtung Plieningen und Hohenheim radelt, stößt aber auch auf faszinierende Spuren der Geschichte. Westlich der Straße zwischen Scharnhausen und Ruit liegt der Vulkanschlot. Der Scharnhauser Vulkanschlot, einer der etwa 350 Vulkane des sogenannten Schwäbischen Vulkans, ist als nördlichster von ihnen von besonderer geologischer Bedeutung. Als Vulkanschlot erkannt wurde der Scharnhauser Schlot 1892 von Wilhelm von Branca. Zum flächenhaften Naturdenkmal wurde er 1983 erklärt.
Zeugnisse der württembergischen Geschichte
Besonders schön findet Christian Lenk auf der kleinen Radtour entlang der Körsch die Zeugnisse der württembergischen Geschichte. Auf einer Anhöhe erinnert der Amortempel an den württembergischen Herzog Carl Eugen, der den weißen Rundtempel, der auf zwölf schlichten Säulen ruht, angeblich für seine Geliebte Franziska von Hohenheim errichten ließ. Der steinerne Pavillon scheint aus der Zeit gefallen zu sein.
Ein Hingucker ist auch das sogenannte Schlössle. Der württembergische Herzog Carl Eugen baute 1784 das kleine Lustschloss am Rande des Dorfes. „Carolus Otio“ (lateinisch Carl zur Muße) ist am Dreiecksgiebel zu lesen. Da entspannte er sich von den Regierungsgeschäften.
Entworfen wurde das Schloss – das klassizistisch schlicht gehalten ist – vom Hofbaumeister Reinhard Ferdinand Heinrich Fischer. Die Pferde, die auf der Wiese vor dem Schlössle grasen, gefallen nicht nur Kindern. Die Radtouren am Fluss sind für alle Generationen geeignet. Weniger Sportliche umfahren die Steigungen. „Besonders schön sind die Erlebnisse am Wasser“, findet Christian Lenk. Deshalb lässt er das Fahrrad auch stehen und schaut aufs Wasser. „Die Jungs und Mädchen lieben es, nahe am Fluss zu sein“, sagt der Vater zweier erwachsener Töchter.
Besonders gerne erinnert sich der Chef der Albvereinsgruppe an eine kleine Tour mit den Kindern im Wasser. „Das geht nur, wenn die Strömung nicht zu stark ist.“ In Gummischuhen hat er mit den Kleinen den Fluss erkundet. Wasserpflanzen und Fische hätten allen gefallen. Karpfen, Hechte, Schleien und Weißfische tummeln sich in den Fluten. Wenn es bei Familie Lenk Fisch gibt, setzt der Vater allerdings lieber auf die Forellenzucht in Denkendorf. Da leben die Fische in Becken. Die Tiere im fließenden Wasser zu beobachten, das fasziniert den Naturfreund.
Der Albverein setzt auf Freizeitradler
Welchen Stellenwert hat das Radfahren beim Schwäbischen Albverein, dessen Angebot sich eher an Wanderfreunde richtet? „Gerade unsere jungen Familien radeln gern“, sagt Lenk, der mit seiner Ortsgruppe ein junges, offenes Image pflegt. Da denkt er an die „Bike and Hike“-Angebote (deutsch: Radfahren und Wandern). Sehenswürdigkeiten erkunden nicht nur die jüngeren Mitglieder gerne mit dem Rad. „Wir bieten auch Workshops an, wie man sein Fahrrad repariert“, sagt der Chef der Albvereinsgruppe. Da schrauben Jungs und Mädchen mit den erfahrenen Radfahrern vor dem Vereinsheim im Alten Schulhaus von Scharnhausen.
Der gesamte Neckar-Körsch-Radweg, den der Verkehrsverbund Stuttgart auf seiner Homepage empfiehlt, ist 26 Kilometer lang. „Es ist aber auch immer wieder schön, immer mal wieder ein Teilstück abzuradeln“, findet Christian Lenk. Den Abstecher in den Botanischen Garten der Universität Hohenheim mit exotischen Pflanzen und der historischen Gartenanlage findet er besonders eindrucksvoll. Wer von Scharnhausen auf dem Körschtal-Radweg in die andere Richtung nach Denkendorf radelt, kommt nach einem knappen Kilometer an die Körschtalklause. Bei Gabór gibt es ungarische Spezialitäten, schwäbische Küche und kühle Getränke.
Gleich neben dem Lokal nahe der Körsch ist ein großer Spielplatz, an dem sich die Kinder austoben dürfen. Für Genussradler seien die kleinen Etappen perfekt, findet der sportliche Albvereinschef.
Unterwegs in der Region
Serie
Urlaub daheim ist alles andere als langweilig. Die Region Stuttgart bietet vielfältige Möglichkeiten für abwechslungsreiche Tage ohne weite Anreise – für Kulturinteressierte wie für Naturfreunde, für Sportbegeisterte wie für Genießer. In unserer Serie „Der Ferientipp“ stellen wir Ausflugsziele vor. Wetten, dass auch für Sie etwas dabei ist?
Anfahrt
Eine Rundtour zwischen Esslingen und Ruit durch das idyllische Körschtal, die 26 Kilometer lang ist, ist auf der Homepage des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) zu finden. Sie startet am Esslinger Bahnhof, führt über Denkendorf und endet schließlich wieder am Ausgangspunkt. Abstecher nach Plieningen und Hohenheim sind möglich.
Fluss erleben
In Scharnhausen ist der Uferbereich an der Brücke schön gestaltet und lädt Radler und Wanderer zum Verweilen ein. Der Radweg entlang des Flusses hat dort meist wenige Steigungen; nach Esslingen und Ruit geht es bergauf und bergab. Einkehren kann man zum Beispiel in der Körschtalklause (bei der Körschtalhalle).