Die Festessen sind verspeist, jetzt geht’s raus an die frische Luft: Welche Strecken sind die schönsten für einen kalten, hellen Wintertag? Wir geben Tipps.
Raus an die frische Luft, das tut immer gut und kann insbesondere zwischen den Jahren heilsam sein. Wenn die Festessen verspeist, der Sekt ausgetrunken und die Geschenke ausgepackt sind, ruft die Natur: Welche Spaziergänge sind die schönsten für kalte Wintertage auf den Fildern?
Uhlbergturm und Fratzenweg, Filderstadt
Ein Geheimtipp ist der Aussichtsturm zwischen Bonlanden und Plattenhardt wahrlich nicht mehr. Viele wollen auf breiten Wegen zum Uhlbergturm laufen. Entsprechend voll ist dann auch der Wanderparkplatz, der in der Nähe der Filderklinik liegt. Wer Trubel nicht mag, gut zu Fuß ist und keinen Kinderwagen zu schieben hat, findet Ruhe auf dem Reiterpfad, der quer durch den Winterwald und entlang von moosbewachsenen Grenzsteinen und Holzstümpfen führt. Raureif lässt das herab gefallene Laub glitzern. Kleine Kinder hüpfen in das Tipi aus Ästen direkt am Wegesrand, größere Kinder stapeln eckige Steine zu Türmen. Nach weniger als einer halben Stunde ist die erste Etappe geschafft und der Uhlbergturm erreicht. Bei gutem Wetter lässt sich von der Turmspitze aus bis zum Albtrauf blicken. Aufwärmen: Das geht am Fuß des Turmes in dem Kiosk, den Rainer Klesch vor einiger Zeit übernommen hat. Klesch ist auch Geschäftsführer der Bäckerei Kurfess und Caterer. In dem Kiosk bollert ein kleiner Ofen, Felle liegen auf den Bierbänken. Es gibt warme Getränke, leckeren Kuchen und Würste zum selbst Grillen auf dem großen Grill, der auf der Wiese vor dem Uhlbergturm aufgebaut ist. Gestärkt kann dann der zweite Teil des Winterspaziergangs begonnen werden. Auf dem Fratzenweg, der direkt am Turm beginnt, lautet das Quiz: Wer macht das beste Foto von den lustigen, aber teils auch gruseligen Holzgesichtern, die der Künstler Adelbert Bachofer in Bäume gearbeitet hat. (Natalie Kanter)
Sulzbachstausee, Steinenbronn
Ich kann gar nicht sagen, wie oft meine Familie und ich schon die Runde um den Sulzbachstausee gelaufen sind. Der See liegt zwischen Steinenbronn, Waldenbuch und Schönaich – und er ist eigentlich zu jeder Jahreszeit zu empfehlen: Dass er nicht natürlich gewachsen ist, sieht man ihm gar nicht an – besonders dem nördlichen Teil des Sees, wo er sumpfig wird. Besonders schön ist es aber im Winter, wenn erste Teile des Sees zugefroren sind, Frost auf dem Boden liegt und es unter den Schuhen knirscht. Die Runde ist eine Mischung aus festen Wegen und Trampelpfaden am See entlang, gut zu Fuß sollte man durchaus sein. Oft versperren umgefallene Bäume den Weg, und man muss ein bisschen klettern. Besonders für kleine Wandersleute stellt das ein großes, sehr geliebtes Abenteuer da zusammen mit all den verschiedenen Tieren, die man rund um den See entdecken kann (Enten! Bussarde! Käfer! Fische! Ameisenhaufen!). Linksherum oder rechtsherum laufen von der Staumauer aus gesehen – eigentlich ist das egal, beide Richtungen sind wunderbar. Wer sich allerdings nicht gut auskennt, findet linksherum den Weg besser. Im Sommer begegnen einem viele andere Spaziergänger – im Winter kann es durchaus vorkommen, dass man alleine unterwegs ist – in einer frostigen, geheimnisvollen Abenteuerwelt. (Rebecca Anna Fritzsche)
Johann-Daniel-Kettner-Weg, Leinfelden-Echterdingen
Der Stuttgarter Bäckerobermeister Johann Daniel Kettner hat es gut gemeint mit den Armen von Musberg. Er hat dafür gesorgt, dass im Jahr 1827 etliche Musberger Tagelöhner 50 Morgen Land auf der Waldheide Hohewart zugeteilt bekommen. Doch das Experiment scheiterte. Daran erinnert seit Juni 2021 der Johann-Daniel-Kettner-Weg, versehen mit einer neuen Beschilderung, neuen Erklärtafeln und mit digitalen Informationen. Er führt unter anderem zu diesem Stück Land und ist darüber hinaus ein Streifzug durch die Wälder und Felder von Musberg. Der Weg beginnt in der historischen Ortsmitte Musbergs um die Dreifaltigkeitskirche. Er führt vorbei am Alten Friedhof, über Eichberg und Schlossberg ins Siebenmühlental. Entlang idyllisch gelegener Mühlen durchquert man schließlich das zweite Viadukt der ehemaligen Bahnlinie nach Waldenbuch. Durch schattigen Waldgrund erreicht man die offene Hochfläche der Hohenwart. Über die Häfner Steige führt der Weg zurück zur Ortsmitte. Am oberen Ende der Häfner Steige ist ein großer Wanderparkplatz, dort haben zwei Vereine ihr Zuhause und bieten ein gastronomisches Angebot. Gutes Schuhwerk ist nötig. Gerastet werden kann natürlich auch bei einer der Mühlen im Siebenmühlental. Für den gesamten Weg sind etwa zwei Stunden anzusetzen.
(Armin Friedl)
Naturdenkmal Totholzgebiet,Leinfelden-Echterdingen Musberg
Das Mahdental bietet auch viel Stille und Natur. Gebiete, die zum Teil als Naturdenkmale besonders geschützt sind. Ein solches gibt es etwa bei Musberg, ein ausgewiesenes Totholz-Gebiet. Hier hat seit Jahrzehnten keine menschliche Hand mehr ordnend eingegriffen. Baumstümpfe ragen grotesk aus dem Boden, Baumstämme liegen da kreuz und quer, Äste sind hin und her gebogen, je nach Last. Im Sommer im dichten Grün sieht das sehr romantisch aus. Jetzt aber entwickeln diese bizarren Arrangements ein eigenes Leben. Gespenstisch grau zum einen, während die von Moos überwachsenen Baumstümpfe Farbe reinbringen. Das ist nichts zum Betreten, dafür gibt es Wege drumherum. Aber da gilt es zu beachten: Das sind keine irgendwie befestigten Wege, sondern Pfade auf Waldboden. Eine gute Wanderkleidung wird dringend empfohlen, egal ob diese Pfade nun leicht angefroren oder in einem schlammigen Zustand aufgetaut sind. Und da gibt es auch nicht den einen Weg, der begangen werden kann, sondern es gibt mehrere Pfade, die immer wieder zusammenkommen. Radfahren ist verboten. Eine Möglichkeit, dorthin zu gelangen, ist die Ludwigstraße abwärts bis zum Ortsrand. Autos müssen scharf links abbiegen in den Örlesweg, Fußgänger können weiter geradeaus laufen am Bolzplatz vorbei. Wenig später geht es links über eine Holzbrücke nach Böblingen, doch zum Naturdenkmal mit dem Totholz geht es weiter geradeaus und erst später über eine Brücke. Dann bieten sich den Wandernden mehrere Wege an. Hier beginnt dann auch das Totholzgebiet.
(Armin Friedl)
Vom Bärensee zur Kochenmühle, Leinfelden-Echterdingen/Filderstadt
Bei dieser Runde bewegt man sich im Grenzgebiet zwischen Stetten und Filderstadt: Vom Wanderparkplatz in Stetten geht es los in den Wald hinein, zum großen Teil sind das befestigte Wege. Der zugefrorene Bärensee glitzert in der Sonne, einzelne Teichrosen sind noch unter dem Eis zu erkennen. Der letzte Abstieg zur Kochenmühle hinunter geht über Trampelpfade den Hang hinunter – was bei den kleinen Wandersleuten – die sind bei mir immer dabei – als Mini-Abenteuer gewertet und entsprechend motiviert absolviert wird. Dabei sollte aber festes Schuhwerk an den Füßen sein, auch Wanderstöcke können helfen. Je nachdem wie viel Laub liegt und wie nass es war, kann der Boden rutschig sein. Nach der Einkehr in der gemütlichen Mühlenstube geht es auf die letzte Etappe: Der Weg zurück zum Wanderparkplatz in Stetten geht bergauf, ist aber selbst für kurze Beinchen gut zu schaffen.
(Rebecca Anna Fritzsche)