Der Gerllinger Firmenchef Gunther Stirner-Sinn (links) erklärt seinem Auszubildenden Immo Derigs, wie man ein Stück Fleisch fachgerecht zerlegt. Foto: factum/Granville

In der Stadthalle treffen im Januar 30 Unternehmen und junge Leute zusammen: Der Stadtmarketingverein lädt erstmals ein zu einer Ausbildungsbörse. Die unterschiedlichsten Teilnehmer stehen bereits fest – vom Metzger bis zum Altenheim.

Gerlingen - „Es ist eine gute Sache, wenn Unternehmen und junge Leute sich treffen können.“ Verena Blank vom Gerlinger Unternehmen Entress und Hauser Conducta (E+H) ist begeistert von der Ausbildungsbörse, die am Donnerstag, 17. Januar, in der Stadthalle stattfinden soll. Dort präsentieren sich die Spezialisten für Flüssigkeitsanalyse von E+H zusammen mit 30 anderen Firmen den jungen Menschen, die von den örtlichen und umliegenden Schulen kommen. Denn E+H beschäftigt nicht nur Ingenieure. Der Stadtmarketingverein Mein Gerlingen organisiert die Börse mit der Stadt.

Ausbildung für Abiturienten eine Alternative zur Uni

Die örtliche Realschule und das Robert-Bosch-Gymnasium sind ebenfalls an der Börse beteiligt – die Schüler sollen von 16 Uhr an in die Stadthalle kommen. Auch Schulen in Korntal-Münchingen, Stuttgart-Weilimdorf und Ditzingen sind über die Börse informiert. Das Robert-Bosch-Gymnasium beteilige sich daran, so der Schulsprecher David Schaebs, weil ein Duales Studium oder eine Ausbildung für viele Abiturienten eine Alternative zum klassischen Hochschulstudium seien. Die Schüler der neunten Klasse schicke man zu der Veranstaltung mit dem Auftrag, sich bei den dort vertretenen Firmen nach einem Platz zu erkundigen. Viele 15-Jährige wüssten nicht, dass man für die einwöchige Pflichtveranstaltung „Berufsorientierung am Gymnasium“ (Bogy) auch örtliche Unternehmen ansprechen könne.

An der Börse werden Firmen aus Gerlingen und Umgebung teilnehmen, berichtet Heike Bischoff, die Vorsitzende von Mein Gerlingen. Auch die Stadtverwaltung und das Arbeitsamt präsentieren sich als Ausbildungsbetriebe.„Die Resonanz ist prima, wer noch einsteigen will, für den haben wir noch Flächen.“ Neben Mittelständlern sind auch große Unternehmen wie Trumpf oder die Landesbank dabei, aber auch örtliche Handwerksbetriebe. Der Jugendgemeinderat will beim Nachwuchs für ehrenamtliches Engagement werben.

Pünktlichkeit ist eine Zier

Gunther Stirner-Sinn stellt die Kronenmetzgerei als Ausbildungsbetrieb vor. „Wir hatten schon immer Lehrlinge“, sagt er. Im Moment sei eine Ausbildungsstelle frei, Praktikanten könnten bei ihm ins Berufsleben hineinschnuppern. Weil sein Vater und er immer auf Ausbildung geachtet hätten, „gibt es uns überhaupt noch“. In den neunziger Jahren habe der Betrieb viele Arbeits- und Ausbildungswillige aus Ostdeutschland eingestellt, „viele sind heute noch da“. 2013 bis 2017 habe Azubi-Flaute geherrscht – und jetzt habe einer der drei Lehrlinge sogar Fachabitur. „Viele junge Leute merken, dass man mit dem Kopf und der Hand schaffen kann.“ Stirner-Sinn gibt jedem jungen Menschen eine Chance. Einiges müsse aber stimmen: Die Bereitschaft, morgens um sechs oder sieben anzufangen, die Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Ausstrahlung und Kommunikation – was man als Sozialkompetenzen bezeichnet. „Ich bin glücklich, wenn bei der Börse einer bei uns einsteigt“, sagt der Fleischermeister.

Ausbildung in der Pflege

Ausbildung gibt es auch in der Pflege. Das will das Altenhilfezentrum Breitwiesenhaus deutlich machen. „Wir sind bei der Börse dabei, weil wir unseren Ausbildungsbereich neu aufstellen“, erklärt die Einrichtungsleiterin Ulla Schaich. Wer im Altenheim lerne, könne sich auch auf Krankenpflege oder Kinderpflege spezialisieren – das wisse nur kaum jemand. „Für 2019 haben wir offene Stellen.“ Zudem gebe es Plätze für Praktikanten, zum Schnuppern wie für einen bis drei Monate. Und junge Menschen, die ein freiwilliges soziales Jahr ableisten wollen, seien ebenso willkommen. Für alle jungen Mitarbeiter habe das Haus mittlerweile eine Praxisanleiterin.

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