IHK-Präsidentin Marjoke Breuning appelliert an die jungen Menschen. Foto: IHK Region Stuttgart

Die Wirtschaft ist besorgt. Nur 28 Prozent der Unternehmen in der Region Stuttgart haben bisher genügend Bewerbungen von jungen Menschen erhalten, die eine Ausbildung machen wollen, sagt IHK-Präsidentin Marjoke Breuning.

Stuttgart - Viele Unternehmen bemühen sich derzeit vergeblich, ihre Ausbildungsplätze zu besetzen. Gerade mal 28 Prozent der Betriebe in der Region Stuttgart geben an, dass sie bereits genügend qualifizierte Bewerbungen auf ihre freien Lehrstellen im Herbst 2021 erhalten haben. Dies ist das Ergebnis einer Blitzumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart unter 600 Mitgliedsunternehmen, die unserer Zeitung vorab vorliegt. Dagegen haben fast die Hälfte aller Betriebe nicht genügend qualifizierte oder nicht ausreichend Bewerbungen erhalten. Zwölf Prozent der Befragten haben demnach überhaupt keine Bewerbungen bekommen.

 

Der Mangel betrifft nicht nur das Ballungsgebiet Stuttgart, sondern ganz Baden-Württemberg. Die Zahl der Bewerber, die bei der Bundesagentur für Arbeit im Südwesten registriert wurden, ist um 18 Prozent auf 38 500 gesunken – obwohl die Zahl der Schulabgänger leicht steigt, sagt Christian Rauch, Leiter der Behörde im Land. Damit deutet sich bereits an, dass viele Betriebe im Herbst leer ausgehen. Denn die Zahl der angebotenen Ausbildungsplätze ist „nur“ um zehn Prozent auf knapp 60 000 gesunken. Bereits 2020 ist die Zahl der Ausbildungsverträge landesweit um 8,5 Prozent gesunken. Besonders die Industrie und der Handel waren betroffen.

Den Fachkräftebedarf sichern

Rauch ist über die Entwicklung der Bewerberzahlen besorgt. Auch die IHK wirbt: „Trotz Corona haben junge Menschen gerade jetzt beste Chancen auf einen attraktiven Ausbildungsplatz“, appelliert IHK-Präsidentin Marjoke Breuning an die Jugendlichen. „Viele Betriebe investieren trotz Pandemie weiter in die Ausbildung“, so Breuning. „Sie wollen jungen Menschen eine berufliche Perspektive bieten und ihren Fachkräftebedarf sichern“.

So haben 63 Prozent der Befragten angegeben, dass sie in diesem Jahr gleich viele Ausbildungsplätze zur Verfügung stellen. Im Lebensmittelhandel, der nicht vom Lockdown betroffen ist, sind es sogar 89 Prozent. Allerdings bieten etwa elf Prozent keine neuen Ausbildungsplätze an. Die meisten freien Stellen gebe es für Bankkaufmann/-frau, Fachinformatiker sowie Kaufmann/-frau für Büromanagement. Allerdings wollen Unternehmen, die nicht genügend qualifizierte Bewerbungen erhalten, die Stellen lieber unbesetzt lassen als schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben, sagen die befragten Betriebe.

Auch Azubis sind im Homeoffice

Trotz Pandemie läuft in vielen Betrieben die Ausbildung normal weiter, heißt es bei der IHK. 41 Prozent der Betriebe geben allerdings an, dass sich die Auszubildenden gelegentlich im Homeoffice befinden oder mobil arbeiten. Vor allem schwächere Auszubildende würden sich dabei mit den betrieblichen oder schulischen Ausbildungsinhalten schwertun. Einschränkungen gebe es auch, weil außerbetriebliche Schulungsveranstaltungen und Präsenzunterricht an Berufsschulen wegfallen.