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Demografischer Wandel und Fachkräftemangel – diese Faktoren werden in Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt und auf die Zukunftschancen junger Leute nehmen.

Demografischer Wandel und Fachkräftemangel – diese Faktoren werden in Zukunft einen entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung am Arbeitsmarkt und auf die Zukunftschancen junger Leute nehmen. Grundsätzlich wird sich die Arbeitsmarktlage über alle Branchen und Berufe hinweg langfristig positiv entwickeln. Dr. Gerd Zika vom Institut für Arbeitsmarktund Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg hat zur langfristigen Arbeitsmarktentwicklung geforscht und festgestellt: „Das Arbeitskräfteangebot in Deutschland schrumpft aus demografischen Gründen von 2010 bis 2020 um 1,8 Millionen Personen und danach bis 2025 um weitere 1,8 Millionen.“ Gleichzeitig, so der Wissenschaftler weiter, werde die Beschäftigung weiter steigen.

Zu den Gewinnern dieser Entwicklung wird zum Beispiel der Bereich der Dienstleistungen gehören: „Besonders stark wird die Zunahme der Beschäftigung in den ,unternehmensbezogenen Dienstleistungen‘ ausfallen“, berichtet Zika. Das liege einerseits an der Ausgliederung von Unternehmensteilen und Betriebsfunktionen, andererseits an der zunehmenden Nachfrage bei unternehmensbezogenen Dienstleistungen wie Unternehmens- und Steuerberatern.

Auch im Bereich der „sonstigen öffentlichen und privaten Dienstleistungen“ wird es mehr Beschäftigung geben. Zu diesem Bereich gehören zum Beispiel Rundfunkund Fernsehanstalten oder Dienstleistungen für private Haushalte.

„Sehr gute Beschäftigungsperspektiven zeichnen sich auch im Gesundheits- und Sozialwesen ab“, betont Zika. In diesem Fall habe der demografische Wandel mit der stetig alternden Bevölkerung eine direkte Auswirkung auf den Arbeitsmarkt. Das sieht auch der Berufsberater Rudolf Glocker von der Arbeitsagentur Stuttgart so: „Der Bedarf an Arbeitskräften, die in der Altenpflege und Altenbeschäftigung arbeiten, wird in den nächsten Jahren zunehmen.“

Doch gefragt sind auch in Zukunft vor allem Arbeitnehmer mit abgeschlossener Berufsausbildung. „Immer weniger gebraucht werden Mitarbeiter, die eine Hilfstätigkeit ausführen“, betont Glocker. Was zähle, sei eine gute Ausbildung. Denn einfache Tätigkeiten werden – wie auch schon in der Vergangenheit – immer mehr von Maschinen übernommen.

Auch das IAB erwartet keinen Arbeitskräftemangel bei Tätigkeiten, die keine Ausbildung benötigen. Anders sieht es bei Arbeitskräften mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung aus: „Die Zahl der Erwerbspersonen auf dieser Qualifikationsebene ist ab der Mitte dieses Jahrzehnts stark rückläufig, wobei der Bedarf in den nächsten Jahren noch leicht zunimmt“, so Zika. Spätestens 2025 würde dann ein massiver Fachkräftemangel auftreten.

Allerdings wirkt sich der Fachkräftemangel nicht in allen Berufsfeldern gleichermaßen aus, betont Zika. Einen Fachkräftemangel erwartet das IAB deutschlandweit im Bereich der Verkehrs-, Lager-, Transport-, Sicherheits- und Wachberufe, aber auch bei den Gastronomie- und Reinigungsberufen. „Bei den Berufen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie bei der Körperpflege werden Fachkräfte künftig ebenfalls Mangelware sein.“ Die erhöhte Nachfrage nach unternehmensbezogenen und anderen Dienstleistern und die demografische Entwicklung erklärt den künftigen Fachkräftemangel in den Rechts-, Management- und wirtschaftswissenschaftlichen Berufen sowie in Berufen im künstlerischen, medien-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereich.

Auch Dr. Martin Frädrich, Geschäftsführer der Abteilung „Beruf und Qualifikation“ der IHK Region Stuttgart, sieht wie das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zum Beispiel im Gastgewerbe und in der Dienstleistungsbranche gute Zukunftschancen für junge Leute. „Berufe in der Druck- und Medienbranche und aus dem Spektrum der sogenannten Mint-Fächer – also Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – sind ebenfalls besonders zukunftsfähig.“

Frädrich rechnet für die Region Stuttgart außerdem mit einem Fachkräftemangel im produzierenden Gewerbe, insbesondere in der Metall- und Elektroindustrie. „Gesucht werden zum Beispiel künftig besonders Mechatroniker und Kfz-Mechatroniker, die sich mit batteriebetriebenen Autos auskennen. Schon heute kann man sich deshalb bei uns zur Elektrofachkraft für Hochvoltsysteme weiterqualifizieren“, erklärt Frädrich. Überhaupt liege den Kammern sehr an der laufenden Modernisierung der Ausbildungsberufe.

Die baden-württembergischen IHKs arbeiten auch anderweitig an der Lösung des Fachkräfteproblems. Frädrich: „Ab dem 11. Februar gibt es auf unserer Homepage das Fachkräftetool. Alle Interessenten können sich damit über Angebot und Nachfrage von Berufen oder Berufsgruppen bis zum Jahr 2025 informieren. Wir sehen dieses Tool vor allem als ein gutes Instrument, um den Mangel an Fachkräften in bestimmten Berufen im Lauf der Zeit aufzuzeigen und somit die Grundlage für eine Gegensteuerung zu legen.“

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