Ausbildung in der Altenpflege In der Pflege gibt es auch 50-jährige Lehrlinge

Von Luitgard Schaber 

An der Ludwig-Schlaich-Akademie ist der Andrang von Pflege-Azubis doppelt so groß wie bisher – geeignete Bewerber ablehnen wird die Schule für Pflegefachkräfte aber trotzdem nicht.

Waiblingen - Dagmar Weiß, die Schulleiterin der Ludwig-Schlaich-Akademie in Waiblingen kann es sich selbst nicht erklären. Das zweite Jahr in Folge werden fast doppelt so viele neue Auszubildende als sonst an der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Akademie beginnen. „Üblicherweise haben wir ab Herbst einen neuen Kurs mit 25 Plätzen gestartet“, berichtet Weiß, „vergangenes Jahr hatten wir jedoch bereits 42 neue Auszubildende und dieses Jahr ist die Nachfrage auch so groß, dass es einen zweiten Kurs geben wird.“ Bislang würden 46 Bewerbungen vorliegen und jeden Tag erhalte sie weitere Anfragen. „Das sind außergewöhnlich viele.“

Dennoch werde man niemanden mit entsprechender Eignung abweisen. „Das wäre falsch, wenn man die politische Diskussion verfolgt und die Offensive der Bundesregierung. Daher sehe ich es als unsere gesellschaftliche und politische Verpflichtung auszubilden, denn der Bedarf ist riesig und wird angesichts der demografischen Entwicklung weiter steigen“, sagt die Schulleiterin. „So gesehen bilden wir immer noch zu wenig aus.“

Pflegeheime suchen händeringend nach Mitarbeitern

„Händeringend werden Altenpflegehelfer und examinierte Kräfte gesucht“, erklärt Birgit von Gosen vom Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Waiblingen zur Situation auf dem Arbeitsmarkt. Noch viel dürftiger sieht es beim Angebot an Pflegedienstleitungen aus. „Da ist der Markt einfach leer.“ Viele Pflegeheime meldeten deswegen ihre freien Stellen der Agentur schon gar nicht mehr. Stattdessen werde offensiv um Mitarbeiter geworben. Dabei würden Wechselprämien von 1000 Euro angeboten oder Geschäftswagen in Aussicht gestellt.

Dem großen Bedarf auf dem Arbeitsmarkt steht indes ein geringes Interesse, einen Pflegeberuf zu erlernen, gegenüber, so die Erfahrung von Gosens, die schätzt, dass etwa die Hälfte der angebotenen Ausbildungsplätze unbesetzt bleibt. „Es ist seit Jahren dieselbe Situation, dass es schwierig ist, junge Schulabgänger dafür zu begeistern, ältere Menschen zu pflegen.“

In den Kursen der Ludwig-Schlaich-Akademie sitzen 16- und 50-Jährige

Dafür entschieden sich oftmals ältere Bewerber, etwa nach der Familienphase, dafür eine Ausbildung in einem Pflegeberuf zu machen. Seitens der Arbeitsagentur hilft man zudem finanziell nach, beispielsweise mit dem so genannten Wegebauprogramm. Dieses wendet sich an jene, die direkt nach der Schule vor Jahren keine Ausbildung bekommen haben und nun schon 30 bis 35 Jahre alt sind. Aber auch 40- bis 50-Jährige, die lange nur als angelernte Helfer in der Pflege tätig waren, entschlössen sich im gesetzten Alter noch für eine Qualifizierung. Darüber hinaus gebe es Interessenten aus dem Ausland. „Wir fördern sehr viel im Bereich der Altenpflege.“

„Wir haben eine bunt gemischte Klientel“, berichtet auch die Schulleiterin Weiß. So säßen 16- bis 50-Jährige gemeinsam in den Kursen der Akademie. Breit gefächert seien auch die Bildungsbiografien.

Das sind die Voraussetzungen für die Ausbildung in einem Pflegeberuf:

Doch was sind die Grundvoraussetzungen? Für die einjährige Helferausbildung müsse man einen Hauptschulabschluss vorweisen, für die dreijährige Lehre als examinierte Kraft die Mittlere Reife - und natürlich müsse man einen Ausbildungsvertrag mit einem Pflegeheim vorweisen können.

„Zudem braucht man ein gesundheitliches Attest vom Hausarzt, dass physisch und psychisch geeignet ist“, erklärt Weiß, welche die Bewerber zudem persönlich unter die Lupe nimmt. Haben diese Interesse an ihren Mitmenschen? Wie empathisch sind sie? Bringen sie ihrem Gegenüber Akzeptanz und Wertschätzung entgegen? „Denn Pflege ist Beziehungsarbeit“, sagt Dagmar Weiß.

Hier finden Sie alle anderen Serienteile von „Gut gepflegt?“

Neben dem Fachlichen bestehe sie zu einem großen Teil aus dem sozialen Miteinander mit den Pflegebedürftigen. Dabei brauche man ein Gespür dafür, was die Menschen von einem wollen und was sie benötigen, da sie dies oftmals nicht mehr selbst ausdrücken könnten. Darüber hinaus rate sie jedem, der noch über keine Erfahrungen in der Pflege, etwa durch ein Freiwilliges soziales Jahr oder im privaten Bereich verfüge, vor dem Ausbildungsbeginn ein Praktikum zu machen.

„Für einen Beruf in der Pflege muss man berufen sein und es gerne machen.“, betont ebenfalls von Gosen von der Arbeitsagentur. Zumal eine solche Tätigkeit eine seelische Belastung mit sich bringe. Denn es gehöre auch dazu, Menschen beim Sterben zu begleiten.

Lesen Sie jetzt