Viele Betriebe suchen auch nach dem Start des Ausbildungsjahres noch Nachwuchskräfte. Die Vermittlung durch die Agentur für Arbeit und die Kammern läuft auf Hochtouren.
Kreis Esslingen - Auch drei Wochen nach dem offiziellen Beginn des neuen Ausbildungsjahres ist es für Bewerberinnen und Bewerber im Kreis Esslingen noch immer möglich, eine Lehre zu starten. Nach wie vor suchen etliche Betriebe Nachwuchskräfte, derzeit laufen Nachvermittlungsaktionen, unter anderem durch die Agentur für Arbeit und die Industrie- und Handelskammer. Erfolgreich seien die Bemühungen bislang jedoch nur in Einzelfällen, wie Berufsberater und Betriebe berichten.
Vielen Schulabgängern fehlt das Interesse
Auch die Firma Kiesel Bauchemie in Esslingen ist noch auf der Suche nach geeigneten Auszubildenden, die kurzfristig in diesem Herbst starten können. „Wir haben im September einen Auszubildenden aufgenommen, suchen jedoch immer noch einen Chemikanten, der dieses Jahr als Azubi bei uns einsteigen kann“, sagt Ferdinand Kiesel, zuständig für die Unternehmenskommunikation in dem Familienunternehmen. Doch es mangelt, wie in vielen anderen Betrieben, an geeigneten Bewerbern.
Ein Grund hierfür ist laut Maike Fleischer, Bildungskoordinatorin der „Initiative Ausbildungsbotschafter“ der IHK Region Stuttgart, das fehlende Interesse der Jugendlichen, direkt nach der Schule in eine Ausbildung zu starten. „Insgesamt gibt es ausreichend Stellenangebote, nur lassen die Bewerbungen nach“, so Maike Fleischer. Somit stehen bei vielen Betrieben noch Stellen zur Verfügung, die im Rahmen einer Nachvermittlung noch vergeben werden sollen.
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Auch Kerstin Fickus, Pressesprecherin der Agentur für Arbeit Göppingen, die auch für den Landkreis Esslingen zuständig ist, versichert, dass der Markt immer noch aktiv ist. Allen Berufswählern, die bei der Berufsberatung gemeldet seien, könne ein Angebot gemacht werden. „Viel mehr Sorgen machen wir uns um die Schülerinnen und Schüler, die derzeit noch ohne berufliche oder schulische Perspektive für das kommende Ausbildungsjahr sind und sich bisher noch nicht bei der Berufsberatung gemeldet haben“, sagt Fickus. Für Bewerberinnen und Bewerber, die den direkten Einstieg in diesem Jahr nicht realisieren können, bietet die Berufsberatung auch diverse Unterstützungs- und Orientierungsangebote an. Diese bestehen aus berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen oder einer betrieblichen Einstiegsqualifizierung (EQ). Eine EQ ist ein sozialversicherungspflichtiges Praktikum, das zwischen sechs und zwölf Monaten dauert. Im Betrieb sollen die Praktikanten so an die entsprechenden Ausbildungsinhalte herangeführt werden.
Das Minus ist nicht ganz so groß wie im vergangenen Jahr
Der Rückgang bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen ist geringer geworden als noch im ersten Coronajahr. Im Kreis Esslingen bedeutet das konkret ein Minus bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen von 7,7 Prozent gegenüber dem Jahr 2020. Durchweg werden über alle Branchen hinweg noch Auszubildende für dieses Jahr gesucht. Vor allem in der Gastronomie, bei den Speditionen und im IT-Sektor ist noch eine Vielzahl an Stellen zu vergeben.
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Und eben die Ausbildung als Chemikant bei der Firma Kiesel. Ferdinand Kiesel sieht in diesem Fall neben dem allgemein geringem Angebot an Interessenten im Landkreis auch mangelndes Wissen über das Berufsbild als Problem an: „Unter der Berufsbezeichnung Chemikant stellen sich viele eventuell einen Beruf vor, der in einem Labor ausgeübt wird.“ Dabei steuere und überwache ein Chemikant bei Kiesel vielmehr die Anlagen zur Herstellung hochwertiger Verlegewerkstoffe. „In der Ausbildung lernt man, wie man die Anlagen nutzt und repariert, wie man chemische Produkte herstellt und die Qualität der Erzeugnisse sichert und kontrolliert.“ Kiesel weist auch auf die guten Aufstiegschancen innerhalb des Unternehmens hin: „Es kommt oft vor, dass viele verantwortungsvolle Positionen in der Produktion mit Personen besetzt sind, die bei uns ihre Ausbildung absolviert haben.“ Er hofft nun, die Stelle in der Nachvermittlung noch besetzen zu können und wirbt unter anderem bei der „Nacht der Ausbildung“, organisiert von den Wirtschaftsjunioren Esslingen, um die Jugendlichen.