Bastian Bücheler (links) und Manuel Bandalo befüllen die Kettensäge mit Treibstoff. Foto: Philipp Braitinger

Vier Auszubildende der Deizisauer Firma Geistdörfer haben Bergluft geschnuppert: Eine Woche lang haben sie auf einer Sommerweide im Bregenzerwald mitgearbeitet.

Einen Blick über den eigenen Tellerrand hinaus erhielten die Auszubildenden der Firma Geistdörfer aus Altdorf vergangene Woche auf der Alpe Sammere im österreichischen Bregenzerwald. Eine Woche lang haben die vier angehenden Forstwirte einer Familie bei der Bewirtschaftung ihrer Alpe unter die Arme gegriffen. Teilweise waren ihnen die dort anstehenden Arbeiten bereits vertraut. Manches war aber auch komplettes Neuland. Kurz nach der Rückkehr berichten Manuel Bandalo (18) und Bastian Bücheler (16) mit dem Forstwirtschaftsmeister Simon Erfle über ihre Eindrücke.

 

Was den Auszubildenden besonders im Gedächtnis geblieben ist, ist das arbeitsreiche und körperlich anstrengende Leben der Landwirte. Nun ist der Beruf des Forstwirtes mitunter ebenfalls körperlich fordernd. Aber: „Es ist noch anstrengender als bei uns“, sagt Bastian Bücheler. Ein Grund dafür ist die steile Hanglage. Egal, wohin man gehen möchte, es geht immer steil bergauf oder bergab. Außerdem sind die Möglichkeiten zum Einsatz von schweren Maschinen begrenzt.

Zeit, die schöne Natur der Bergwelt zu genießen, gab es nur am Abend. Der Tag beginnt früh auf der Alp – um sechs Uhr werden die Kühe gemolken. Auch diese Arbeit übernahmen teilweise die Auszubildenden. Wenn die Kühe draußen sind, wird der Stall ausgemistet. Aus den täglich rund 300 Litern Milch der 21 Kühe wird Käse gemacht. Bei der eigentlichen Käseherstellung durften die Azubis dem Landwirt nur über die Schulter schauen, denn der sensible Prozess sei eine Kunst für sich. „Es ist sehr komplex“, berichtet Manuel Bandalo. Mengen, Zeiten und Temperaturen müssen exakt stimmen. Neben den Kühen gab es Schweine, Hühner, Ziegen und eine Katze auf der Alp.

Eine wichtige Arbeit stand für die Auszubildenden aus Deizisau gleich nach der Ankunft an: Es musste eine neue Wasserstelle her. Denn die Kühe beweiden stets nur einen gewissen Umkreis rund um eine Wasserstelle. Wenn der Bauer also möchte, dass die Tiere ein bestimmtes Areal beweiden, muss er ihnen dort das Wasser zur Verfügung stellen.

Die Käseherstellung ist ein komplexer Prozess, haben die Azubis festgestellt. Foto: Gottfried Stoppel/Archiv

Während die Arbeit mit den Tieren für die Auszubildenden neu war, waren andere Arbeiten bereits vertraut: So mussten Fichten im unteren Bereich mit Sägen entastet werden, damit sich die Kühe darunter wohl fühlen. Auch das Arbeiten mit einem motorisierten Freischneider kannten die Auszubildenden bereits. Ihre Werkzeuge und Maschinen haben die Besucher aus Deizisau mit in den Bregenzerwald gebracht. Allerdings kommt am Hang auch heute noch oft eine Handsense zum Einsatz. Der Umgang mit dem Gerät will gelernt sein, ebenso das Schärfen und Einstellen der Sense.

Insgesamt gehören 34 Hektar zu der Alpe Sammere, von denen 25 Hektar beweidet werden. „Sie arbeiten nonstop. Die Tage sind durchgeplant“, sagt der Ausbilder Simon Erfle über die Gastgeber. Und die helfenden Hände der vier Auszubildenden waren willkommen. „Man hat den ganzen Tag etwas zu tun“, sagt Manuel Bandalo. Es wurden Wege gepflegt oder Weiden von herabgestürzten Felsbrocken befreit. Der Familie gehe es nicht allein um den Gelderwerb, berichtet Erfle. Es gehe auch darum, die Alp nach Jahrhunderten weiter zu bewirtschaften und die Kultur und das Landschaftsbild der Alpen zu pflegen.

Dritte Azubigruppe aus Deizisau

Entstanden ist die Idee des Reinschnupperns vor drei Jahren: Ein Mitarbeiter habe sich eine Auszeit genommen und sei auf die Alp im Vorarlberg gegangen, berichtet Erfle. Er habe die Idee mitgebracht, dort mit den Auszubildenden gegen Ende des ersten Lehrjahres zu arbeiten. Das kam so gut an, dass inzwischen die dritte Azubigruppe in Bezau war.

In den Abendstunden wurde es gesellig, erzählen die angehenden Forstwirte. Ohne Internet und Fernsehen wurden Gespräche geführt und Brettspiele gespielt. Die nächsten Nachbarn wohnten kilometerweit entfernt. Es sei aber nicht alles wie anno dazumal. Der Klimawandel sei auch dort spürbar, berichtet Erfle. Inzwischen gebe es beispielsweise die ungeliebten Disteln auf den Wiesen auf über 1500 Meter Höhe. Auch Zecken, Mücken und Schnaken kämen in die höheren Lagen. „Es wird dort oben wärmer“ – auch wenn es bei ihrer Ankunft im Juli noch einmal geschneit habe.

Firma mit zwei Standorten

Firma
Das Unternehmen Geistdörfer beschäftigt rund 50 Mitarbeiter in Deizisau und in Altbach. Im ersten Lehrjahr gibt es vier, im zweiten Lehrjahr drei und im dritten Lehrjahr zwei Auszubildende.

Tätigkeit
Sowohl die Baumpflege als auch die Landschaftspflege und der Landschaftsbau zählen zu den Tätigkeitsfeldern des Unternehmens. Außerdem werden Mäh- und Mulcharbeiten übernommen. Darüber hinaus gehören die Holzernte und Spezialfällungen, etwa von Bäumen in schwieriger Umgebung, zum Angebot. Auftraggeber sind Privatpersonen, Unternehmen und Kommunen.