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Es fällt vielen Sport-Talenten schwer, Training und Ausbildung unter einen Hut zu bringen. Hochspringer David Nopper beginnt eine Ausbildung bei der Polizei, doch die Vorarbeiten dafür waren schwierig.

Stuttgart - David Nopper schaute glücklich drein im Foyer des Innenministeriums in Stuttgart. Der aktuelle Deutsche Hochsprung-Meister sieht endlich wieder eine berufliche Zukunft, die mit seinem Sport vereinbar ist. „Es war ein steiniger Weg bis hierher“, sagte der 20-Jährige, „mein Trainer und ich haben sehr dafür gekämpft, dass es schließlich so gekommen ist.“ David Nopper beginnt eine Ausbildung bei der Polizei im mittleren Dienst, die mit den umfassenden Anforderungen eines nationalen Spitzen-Leichtathleten abgestimmt ist. „Damit kann ich Sport und Berufsausbildung vereinen“, sagt der Hochspringer von Salamander Kornwestheim.

Im Juli hatten sich dem Sportler noch die Zehennägel aufgerollt, wenn er die Worte „Polizei“, „Ausbildung“ und „Landessportverband Baden-Württemberg“ (LSV) zu Ohren bekam. Im Grunde waren die Formalitäten längst erledigt, die Ausbildung hätte am 1. September in Göppingen beginnen sollen – doch der so schön geplante Doppelpass zwischen LSV und Innenministerium blieb im Morast stecken. Nopper, Weitspringerin Anna Bühler (18) und Judoka Jennifer Schwille (19) waren davon ausgegangen, dass ihr Standort Göppingen sein würde – nichts da, wandte die Polizei ein, Ausbildungsstandorte sind ausschließlich Lahr und Biberach. Damit sahen die drei Nachwuchssportler unerwartete Nachteile fürs tägliche Training auf sich zukommen, und damit war die Geschichte erledigt – die Talente fühlten sich von Landespolitik und Sportfunktionären übel an der Nase herumgeführt und um ihre sportlichen wie beruflichen Perspektiven gebracht.

Polizei wirbt für junge Sportler, die erhalten Berufsperspektive

Damit war die ärgerliche Geschichte nicht zu Ende. Erneut steckten die Granden aus Politik und Sport die Köpfe zusammen, immerhin hatte die SPD-Fraktion des Landtags 500 000 Euro für das Ausbildungsprogramm lockergemacht und die gute Tat eifrig publik gemacht. Als Rohrkrepierer durfte das nicht enden, also gab’s ein Nachsitzen für die Sportförderung – das Paket wurde neu gepackt und geschnürt. Innenminister Reinhold Gall (SPD) und LSV-Präsident Dieter Schmidt-Volkmar unterzeichneten im Foyer des Ministeriums in Stuttgart freudig die Kooperationsvereinbarung. Zehn Plätze stehen zur Verfügung, die Zuteilung stimmen Polizei und Sport gemeinsam ab. Die Ausbildung werde individuell zugeschnitten, betonte Gall, so ergebe sich eine Win-win-Situation: Die Polizei werde attraktiv für junge Sportler, diese erhielten im Gegenzug eine berufliche Perspektive.

Nun konnte sich Nopper damit anfreunden, er ergatterte den ersten Platz. Zwar hält die Polizei an ihren Exklusiv-Standorten Lahr und Biberach für Polizeischüler fest, allerdings lediglich für eine Zeit der Grundausbildung. Danach, so versicherten Gall und Schmidt-Volkmar, werde die weitere Ausbildung mit den jeweiligen Bedürfnissen der Sportler abgestimmt. „Ich habe die besten Trainingsmöglichkeiten und den Lebensmittelpunkt in Stuttgart“, sagt Nopper, „mir ist wichtig, kurze Wege zu haben.“ Ihm wurde zugebilligt, zunächst an der Polizeifachschule Bruchsal stationiert zu sein, um die Leichtathletik-Standorte Karlsruhe und Stuttgart schneller erreichen zu können.

Politik und Sport sind sich sehr ähnlich: In beiden Lebensbereichen ist Anstrengung zwingende Voraussetzung für Erfolg – und der stellt sich eben nicht immer sofort ein.