Die Stuttgarter Straßenbahnen AG ist optimistisch, dass der neue Betriebshof in Weilimdorf und die Trasse ab Anfang 2025 gebaut werden können.
Der von der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) dringend benötigte Betriebshof wird auf Stuttgarter Markung an der Grenze zwischen Ditzingen und Weilimdorf gebaut. Südlich des kleinen Industriegebiets soll der 220 Meter lange Bau entstehen, Startschuss: Anfang 2025. Mit dem Projekt wird auch Hausen ans Stadtbahnnetz angeschlossen. Im zweiten Schritt soll die Trasse bis Ditzingen verlängert werden.
Die Ausgangslage Bislang verfügen die SSB über drei Stadtbahnbetriebshöfe: Heslach, Möhringen und Remseck-Aldingen. Da wegen steigenden Verkehrsleistungen, engeren Taktungen und zusätzlichen Linien der Bestand an Stadtbahnwagen immer mehr zunimmt, wird ein vierter Stadtbahnbetriebshof gebraucht – und zwar im nordwestlichen Teil des SSB-Netzes. Dieser Standort bringt unter anderem den Vorteil, dass viele Leerkilometer gespart werden können, weil Bahnen flexibler wieder ins Netz eingeleitet werden können. Ein weiteres Plus: Der Bau des Betriebshofs ermöglicht den SSB, den Stadtteil Hausen (rund 3500 Einwohner) und das Gewerbegebiet Weilimdorf ans Netz anzubinden.
Die Standortsuche 2018 waren sich alle Beteiligten einig: Der beste Standort ist „Ditzingen Ost“. Dort ist nicht mehr ein einziger Landwirt Hauptbetroffener, was die Existenzbedrohung für die jeweiligen Betriebe wegnimmt. Von dem SSB-Bauprojekt sind jetzt „nur“ noch fünf Bauernhöfe betroffen: je zwei aus Weilimdorf und Ditzingen sowie einer aus Korntal-Münchingen. Diese Variante hat laut SSB einen Nachteil: Die Stadt verzichtet auf potenzielle Erweiterungsflächen.
Der neue Betriebshof Das Areal im Westen von Weilimdorf ist 45 000 Quadratmeter groß. Dort können 47 Wagen mit einer Länge von jeweils 40 Metern untergebracht werden. Neben einer 9500 Quadratmeter großen Abstellanlage soll es eine 6000 Quadratmeter große Werkstatt sowie ein Dienst- und Sozialgebäude mit Stellwerk (2400 Quadratmeter) geben. Die Kostenschätzungen beliefen sich zuletzt auf etwa 70 Millionen Euro. „Verlässliche Zahlen sind angesichts der steigenden Baukosten im Augenblick jedoch nicht möglich“, sagt SSB-Chefplaner Volker Christiani.
Der Trassenverlauf „Nach der Haltestelle Rastatter Straße werden wir aus der Bestandsstrecke der U 6 ausschleifen und über die B 295 eine neue Brücke nur für die Stadtbahn bauen“, so Christiani. Die Trasse verläuft dann südlich entlang der Bundesstraße rund 1,2 Kilometer bis zur ersten Haltestelle etwa auf Höhe der Kreuzung Flachter Straße/Gerlinger Straße/B 295. Von dort geht es knapp 600 Meter weiter bis zum geplanten Halt am Weilimdorfer Gewerbegebiet. „Ein sehr guter Umsteigeknoten, hier liegt nicht nur in wenigen Metern Entfernung der S-Bahnhof, sondern auch der Park&Ride-Parkplatz“, so der Planer. Im weiteren Trassenverlauf fährt die Stadtbahn entweder in die Werkstatt oder bis zur vorläufigen Endhaltestelle Hausen.
Verlängerung bis Ditzingen In einem zweiten Schritt soll auch noch Ditzingen, hier vor allem die Unternehmen Thales und Trumpf, eine Stadtbahn quasi vor die Haustür bekommen. Allein Trumpf hat rund 17 000 Mitarbeiter. Doch die Verantwortlichen der Nachbarstadt haben bereits signalisiert, dass sie sich sogar eine Trasse bis zum Ditzinger Bahnhof vorstellen können. Oberbürgermeister Michael Makurath hat hier eine klare Position: „Das sind Projekte, die die Stadt nach vorne bringen können.“ Ob es hierbei Unterstützung durch den Gemeinderat gibt, werden die Beratungen für den Haushalt 2023 zeigen. Sofern die Stadt Ditzingen grünes Licht gibt, werden die SSB die Trasse dann bis zum Industriegebiet Ditzingen verlängern. Hier sind zunächst drei Haltestellen fest in Planung. Die Kosten für diese Maßnahmen müsste die Stadt Ditzingen übernehmen.
Kosten und Finanzierung Ohne das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) wäre in den vergangenen Jahrzehnten der kontinuierliche Ausbau des Stuttgarter Stadtbahnnetzes nicht möglich gewesen. Sofern die dafür nötige Kosten-Nutzen-Untersuchung erfolgreich ist, dürfen die SSB erneut mit Geld von Bund und Land rechnen. Benötigt wird in dieser sogenannten standardisierten Bewertung mindestens ein Faktor von 1,0. „Sofern die Reise für die SSB bis Ditzingen geht, wird der auf jeden Fall überschritten“, sagt Volker Christiani. Momentan liege man bei 0,99. Allerdings gibt es über das GVFG einen Zuschuss nur für den Trassenbau. Nach ersten Schätzungen liegen dafür die Kosten bei etwa 60 Millionen Euro. „2020 hat der Bund seinen Förderanteil von 50 auf 75 Prozent erhöht“, so der SSB-Chefplaner. Von den verbliebenen 25 Prozent übernimmt das Land die Hälfte, so dass die SSB noch 12,5 Prozent stemmen müsse. Doch der Bau des Betriebshofs wird ebenfalls mit 50 Prozent vom Land gefördert, halt aus einem anderen Topf. Der Zuschuss würde sich sogar auf 75 Prozent erhöhen, wenn der Klimamobilitätsplan, an dem die Stadt momentan bastelt, greift.
Zeitplan Die beteiligten Büros an dem Projekt geben momentan ihre Unterlagen ab, die alle in die Entwurfsplanung eingearbeitet werden müssen. „Wir wollen dem Bezirksbeirat und dem Gemeinderat im ersten Quartal 2023 die Beschlussvorlage präsentieren.“ Dank einer umfangreichen Beteiligung der Bürgerschaft seit 2018 hoffen die SSB auf wenig Gegenwind. Im April soll das Regierungspräsidium Stuttgart im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens seinen Segen geben, so dass Anfang 2025 mit dem Bau begonnen werden kann. „Betriebshof und die Stadtbahnverbindung nach Hausen könnten 2027 eröffnet werden, die Trassenverlängerung nach Ditzingen ein Jahr später“, sagt Christiani.
SSB in Zahlen
Beschäftigte
Der Verkehrsbetrieb beschäftigt laut dem Geschäftsbericht 2021 insgesamt 3281 Menschen, davon sind 1459 im Fahrdienst tätig.
Linien
Die SSB betreibt im Stadtgebiet insgesamt 19 Stadtbahn- und 49 Buslinien.
Haltestellen
Die Zahl der SSB-Haltestellen beträgt insgesamt 726, allein 210 für den Stadtbahnbetrieb. Darunter sind 26 unterirdisch.
Betriebsstreckenlänge
Sie beträgt insgesamt 581 Kilometer. 136 Kilometer werden von den Stadtbahnzügen befahren, 28 Kilometer davon unterirdisch.
Fahrzeuge
Die SSB verfügen über 256 Busse – darunter sind 42 emissionsarm – und 194 Stadtbahnen, die zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben werden.
Stadtbahnbetrieb
Nachdem 1976 der Gemeinderat das neue Stadtbahnkonzept, das den Straßenbahnbetrieb ablösen soll, beschlossen hatte, startete am 28. September 1985 in der Landeshauptstadt die Stadtbahn-Ära mit der Linie U 3.