Das Robert-Bosch-Krankenhaus erweitert seinen City-Standort um einen Anbau mit vorgefertigten Patientenzimmern. Die Module wurden jetzt in einer nächtlichen Aktion angeliefert – und direkt installiert.
In der Nacht auf Dienstag ist das Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) an seinem City-Standort an der Hohenheimer Straße auf einen Schlag um vier Patientenzimmer gewachsen. Beton ist dabei keiner geflossen, die neuen Räume kamen im Ganzen auf Schwertransportern. Die spektakuläre Nachtbaustelle dient dabei aber „nur“ der Vorbereitung auf ein Großvorhaben des RBK an anderer Stelle.
RBK baut an mehreren Stellen gleichzeitig
Auch nach einer Vorbereitungszeit von knapp einem Jahr kann noch kurz vor der Ziellinie etwas Unerwartetes passieren: So ist es Kai Ladstätter gegangen. Der Bauingenieur verantwortet beim Robert-Bosch-Krankenhaus die Abteilung Standortentwicklung, Immobilien und Bauten und damit eines der größten Umbauprojekte in der RBK-Geschichte. Ehe es am Stammsitz auf dem Burgholzhof so richtig losgehen kann, müssen die Dependancen in der Stadt aufgewertet werden, um Patienten dorthin zu verlagern.
Autobahnsperre wirft Pläne über den Haufen
Binnen eines Jahres wurde so die Erweiterung des RBK City geplant. Aus vorgefertigten Patientenzimmern entsteht im Innenhof des bestehenden Gebäudes ein neuer eigener Trakt. Entstanden sind die Module bei einer Fachfirma in Neresheim im Ostalbkreis. Von dort bis zur Einbaustelle an der Hohenheimer Straße sind es knapp 140 Kilometer auf der Straße, weil die Transporte so groß sind, dass sie möglichst auf Autobahnen unterwegs sein sollten. Der Haken: Die Autobahngesellschaft des Bundes hat am Wochenende am Drackensteiner Hang gearbeitet und die Autobahn gesperrt. „Das kam für uns sehr überraschend“, drückt sich Ladstätter diplomatisch aus. Die Blockade hat die Luft aus dem Zeitplan gelassen. Denn die insgesamt zwölf Module sollen in drei Nächten nach Stuttgart gelangen – und eine zusätzliche Nacht dient als Puffer für Unvorhergesehenes. Das tritt in Gestalt der Autobahnsperrung schon ein, noch ehe es losgegangen ist. Statt in der Nacht auf Montag gelangen so die ersten Elemente erst in der Nacht auf Dienstag nach Stuttgart.
Zwischen Mitternacht und 1 Uhr trudeln die Fuhren ein, zu diesem Zeitpunkt ist der Abschnitt der Hohenheimer Straße zwischen Dobelstraße und Olgaeck talwärts gesperrt. Dort nehmen die großen Sattelschlepper Aufstellung. Immer nur einer von ihnen kann in die enge Vorfahrt des Krankenhauses hineinmanövrieren. Dabei gilt es, die Überdachung vor dem Eingang im Auge zu behalten. Die Fracht ist so bemessen, dass die Fuhre darunter durchpassen sollte – viel Spielraum bleibt allerdings nicht. Einmal das Nadelöhr passiert, tritt der 350-Tonnen-Kran in Aktion, der in den zurückliegenden Tagen auf engstem Raum neben dem Krankenhausgebäude aufgerichtet worden ist.
Schwere Fracht muss exakt ausgerichtet werden
Der nimmt die gut 13 Meter langen und knapp vier Meter breiten fertigen Patientenzimmer an den Haken und hievt die knapp 21 Tonnen schweren Teile über das Krankenhausdach in den Innenhof. Dort ist ein Betonpodest entstanden, auf dem die Fracht, sehr präzise ausgerichtet, abgesetzt werden muss. Zum einen sollen später natürlich die Übergänge zum Bestand funktionieren, und zum anderen ist zwischen Krankenhausrückseite und dem steil ansteigenden Hang nicht viel Spielraum, um die vier Module der ersten Lieferung nebeneinander aufzureihen. Einmal ausgerichtet, macht sich ein Schweißer an die Arbeit, die neuen Zimmer zu verankern.
Alle 60 Minuten schwebt ein neues ein, wobei der Kranfahrer weder die Stelle einsehen kann, an der er die Module vom Lkw hebt, noch jene, wo er sie wieder absetzt. Alles läuft über Anweisungen per Funk. Knapp 20 Menschen sind in den Nachtschichten damit beschäftigt, die Module anzuliefern, an den Haken zu nehmen und an ihrem endgültigen Standort zu installieren. Wen zwischendurch der Hunger plagt, den lotst Ladstätter an einen Imbisswagen, in dem am Fuß der Staffel zur Sonnenbergstraße zu nachtschlafender Zeit gebrutzelt wird. „Es ist wichtig, den Menschen für ihren außerordentlichen Einsatz Wertschätzung entgegenzubringen“, sagt der Herr über die RBK-Liegenschaften und nippt an seinem Kaffee. Die Erleichterung, dass die ersten Transporte geklappt haben und die Abläufe auf der sehr beengten Baustelle funktionieren, ist ihm anzusehen.
Großer Umbau auf dem Burgholzhof
Auch wenn in den Modulen bereits die Steckdosen an der Wand sind und die Leiste für die Versorgungsleitungen über den Betten, so bleibt im Innenausbau noch einiges zu tun, ehe im Juli die ersten Patienten vom Burgholzhof in die neuen Zimmer in der Innenstadt umziehen können. Die Nutzung der Module ist dem RBK für zehn Jahre gestattet. Dann sollte auch der Krankenhausneubau am Stammsitz fertig sein. In einem ersten Schritt wächst dort derzeit ein neues Quartier – fünf Neubauten, in denen mehr als 300 Mitarbeiterwohnungen ebenso Platz finden wie eine Kindertagesstätte, ein Bäcker und eine Supermarktfiliale, die an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr geöffnet haben soll.