Barrierefreiheit, mehr Halteplätze und kürzere Taktzeiten sind das Ziel: In drei Jahren will die Stadt mit dem Bau eines neuen Zentralen Busbahnhofs beginnen. Foto: Giacinto Carlucci

Am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) in Göppingen lassen sich barrierefreie Bussteige nicht nachrüsten, deshalb soll ein neuer gebaut werden. Die Stadt will außerdem die Zahl der Haltepunkte erhöhen – und die Taktzeiten verkürzen.

Lassen Sie uns mit Schwung und Motivation nach vorne schauen.“ So reagierte Göppingens Baubürgermeisterin Eva Noller auf die Kritik von Michael Freche (LiPi-Fraktion). Sie wollte die Verzögerungen der vergangenen Jahre beim barrierefreien Ausbau des Nahverkehrs nicht weiter kommentieren.

 

Michael Freche hatte moniert, dass der Göppinger Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) nach wie vor nicht durchgehend barrierefrei ist, obwohl der baden-württembergische Städtetag bereits vor mehr als zehn Jahren dies für den Beginn dieses Jahres festgeschrieben hatte. „In Göppingen ist faktisch nichts passiert“, schimpfte Freche. Nach wie vor seien nicht alle Bushaltestellen im Stadtgebiet barrierefrei ausgebaut. Am ZOB soll sich dies aber in absehbarer Zeit ändern.

Die Stadt will acht Millionen Euro investieren

Einfach die Bussteige zu erhöhen, führt aber nicht zum Ziel. Denn bislang müssen die Fahrzeuge wegen der beengten Verhältnisse teilweise über die Bussteige fahren und stehen bis zu knapp einem Meter von den Bussteigen entfernt. Der ZOB müsste ganz neu gebaut werden. Am Donnerstagabend wurden im Ausschuss für Umwelt und Technik mehrere Varianten präsentiert.

Rund acht Millionen Euro will die Stadt in einen komplett barriere- und spaltfreien Busbahnhof investieren. Die Hälfte der Kosten würde voraussichtlich das Land übernehmen – vorausgesetzt, die Stadt stellt bis Ende Oktober einen entsprechenden Förderantrag. Wird der genehmigt, soll in drei Jahren mit dem Bau begonnen und, wenn alles reibungslos verläuft, bereits ein Jahr später ein moderner ZOB eingeweiht werden. Ein Zeitplan, den Michael Grebner (SPD) am Donnerstagabend im Ausschuss für Umwelt und Verkehr für „ambitioniert“ hielt. Er wollte zudem wissen, ob der bestehende Verkehrsknotenpunkt „unter laufendem Betrieb modernisiert werden kann“. „Es wird mit Sicherheit Ersatzhaltestellen geben“, sagte Eva Noller.

Es werden kürzere Taktzeiten angestrebt

Der neue ZOB soll dann nicht nur barrierefrei sein, sondern nach Ansicht der Stadt auch mehr Aufenthaltsqualität bieten. Mehr Bussteige werden zudem ermöglichen, dass auch der neue Nahverkehrsplan, der im Herbst 2025 mit dem Fahrplanwechsel in Kraft treten wird, umgesetzt werden kann. Es soll dann am ZOB 26 Halteplätze geben. Bislang sind es 17. Das soll die angestrebten kürzeren Taktzeiten für alle Linien ermöglichen. Ziel ist, dass auf allen Linien alle 30 Minuten ein Bus fährt, zur Klinik alle 15 Minuten. Letzteres muss nach Ansicht von Grebner noch dieses Jahr kommen.

Denn die Klinik am Eichert habe viele Patienten, die bislang in der Geislinger Helfenstein-Klinik behandelt worden waren. Entsprechend habe auch die Zahl der Besucher aus dem oberen Filstal zugenommen. Aber: „Kürzere Taktzeiten finanziert das Land nicht, die müssen Sie als Kommune zahlen“, erklärte Peter Sautter, der von der Stadt beauftragte Planer von der Stuttgarter „Ingenieur Gesellschaft Verkehr GmbH“. Seiner Ansicht nach können bessere Taktzeiten schon dadurch erreicht werden, dass Linien entzerrt werden und nicht mehrere gleichzeitig in der Innenstadt eintreffen.

Ein ZOB mit 26 Haltepunkten wird favorisiert

Die Verwaltung stellte auch eine Variante mit 17 Bussteigen wie bisher vor, favorisiert aber die Version mit 26 Haltepunkten. Sicher ist: Die Arbeiten werden das Aussehen des ZOB komplett verändern. Das zentrale Servicegebäude muss weichen. Auch einige Bäume am südlichen Rand des derzeitigen ZOB müssen gefällt werden. „Der Eingriff in den vorhandenen Baumbestand muss kompensiert werden“, sagte Sautter.

In einem umfangreichen Gutachten hatte der Fachplaner Überlegungen zum Citybus-Konzept angestellt, neue mögliche Linien untersucht. Daraus wurde der Bedarf von Bussteigen am ZOB ermittelt. Der Planer schlägt vor, sie mit einem begrünten Dach zu versehen und außerdem mit einer Photovoltaik-Anlage zu überdachen.

Seit 1991 gibt es den ZOB

Busbahnhof
Seit den 1970er Jahren war in der Stadt über den Bau eines Zentralen Busbahnhofs (ZOB) diskutiert worden. Erst 1991 konnte er an der Bahnhofstraße vom damaligen Oberbürgermeister Hans Haller eingeweiht werden. Zuvor hatten etliche Linien aus dem Westen und Norden des Göppinger Umlandes den Schillerplatz angefahren.

Standortdiskussion
 Vor zehn Jahren wurde in der Stadt über den Standort des ZOB debattiert. Im Zuge des geplanten Baus eines Einkaufszentrums war die Verlegung an die Bahnlinie (an den Standort des heutigen Team-Viewer-Gebäudes) erwogen, aber schließlich verworfen worden.