Äste und Stämme türmen sich auf dem Grundstück an der Osumstraße. Dort soll die bestehende Kita (im Hintergrund zu sehen) erweitert werden. Foto:  

Anwohner haben Widerspruch gegen den Ausbau der Kita im Steckfeld eingelegt. Noch bevor sie Antwort darauf erhalten haben, hat die Stadt losgelegt – das ärgert sie.

Steckfeld - Annette Skipiol und Anke Bührer sind empört. Und nicht nur sie, wie die beiden Frauen versichern. Auch die Nachbarn am Birkacher Franziskaweg seien mehr als unzufrieden mit dem Vorgehen der Stadt Stuttgart. Sie würden für alle reden, wenn sie beklagen, dass sie sich übergangen fühlen. „Die vorgeschriebenen Verfahren sollten eingehalten werden“, sagt Annette Skipiol.

Streitpunkt ist die Kindertagesstätte an der nahen Osumstraße im Steckfeld. Die Stadt will die Einrichtung erweitern – mit einem Extragebäude neben dem bestehenden. Und obwohl die Genehmigung noch fehlt und die etwa zehn Widersprüche der Anwohner bisher nicht bearbeitet worden seien, hat die Stadt erste Fakten geschaffen: Mitarbeiter des Gartenamts haben Bäume und Sträucher auf den Grundstücken neben der Kindertagesstätte entfernt. Die Äste und Stämme türmen sich auf der Wiese. Volker Schirner, der Leiter des Gartenamts, lässt dazu wissen: „Bei den Baumfällungen handelt es sich um eine Baufreimachung für den Neubau der Kindertagesstätte.“

Die Stadt darf dort stutzen, wann und was sie will

Die Bäume und Sträucher standen auf einer Wiese, die der Stadt Stuttgart gehört. Das Liegenschaftsamt hat sie an Anke Bührer und andere verpachtet. Dieser Vertrag ist gekündigt worden, als klar war, dass die Kita auf jener Fläche erweitert werden soll. Da die Stadt der Eigner ist, darf sie dort freilich Sträucher stutzen, wie sie möchte. Dennoch hatten die Anwohner gehofft, dass sie vorher zumindest Antwort auf ihre schriftlichen Widersprüche erhalten. Darauf warten sie seit Frühsommer 2013, sagen Annette Skipiol und Anke Bührer. „Das finde ich schon hart“, sagt Annette Skipiol.

Ihr Einspruch ist vier Seiten lang. Darin steht zum Beispiel, dass sie sich um Fledermäuse und Siebenschläfer sorgt, die vielleicht auf der verwucherten Wiese gelebt haben. „Soweit ich weiß, hätte da ein Umweltgutachten gemacht werden müssen“, sagt sie. Ein weiterer Punkt, warum den Bürgern vom Franziskaweg beim Gedanken an den Ausbau angst und bange wird, ist der Verkehr, der wohl auf sie zurollen wird. Der Franziskaweg ist eine Sackgasse, an deren Ende ein Fußpfad zur Osumstraße führt. Annette Skipiol, Anke Bührer und die Nachbarn rechnen sich aus, dass etliche Eltern diesen Weg morgens nutzen und folglich den Franziskaweg verstopfen werden.

170 statt 65 Kinder sollen künftig in der Kita betreut werden

Die Wiedersprüche der Bürger sind ans Regierungspräsidium gegangen. Und dieses hat vergangene Woche dazu Stellung genommen. Nach Auskunft von Hellmuth Aydt vom Hochbauamt steht einer Genehmigung nun nichts mehr im Wege. „Wir stehen kurz vor dem Baubeschluss“, sagt er. Am 21. März sollen sich die Mitglieder des gemeinderätlichen Wirtschaftsausschusse mit dem Thema befassen.

Der Bau soll im August 2014 beginnen – und damit ein halbes Jahr später, als ursprünglich geplant. Bisher werden in der Kita 65 Kinder betreut, künftig sollen es 170 sein. Die Kosten für die Erweiterung liegen bei 3,5 Millionen Euro. Der Anbau wird anderen Kitas in Stuttgart zum Verwechseln ähneln. Was daran liegt, dass sich die Stadt für eine sogenannte Systembauweise entschieden hat. Heißt: ein Modell für mehrere Standorte. Das drückt den Preis. Dass die Stadt die Anwohner nicht direkt beteiligt hat, sieht Hellmuth Aydt übrigens nicht so. „Es gab dazu eine Bezirksbeiratssitzung“, sagt er.

Das war den Birkacher Bürgern zu wenig. Zumal niemand bei der Sitzung auf den Fragenkatalog eingegangen sei, diesen habe eine Handvoll Familien formuliert. „Das war ein Fiasko schlechthin“, sagt Anke Bührer. Außerdem hätten sie bereits vorher lieber von der Stadt und nicht aus der Zeitung von dem Bauprojekt erfahren. „Wir wollen wie mündige Bürger behandelt werden“, sagt Anke Bührer. „Wir kritisieren alle vor allem das Vorgehen der Stadt.“

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