Eine Grundschülerin im Unterricht. Foto: dpa

Am Ausbau der 72 Grundschulen zum Ganztagesbetrieb gibt es keinen Zweifel. Strittig ist bei den Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat jedoch immer noch die Ausgestaltung. Darüber soll im März entschieden werden.

Am Ausbau der 72 Grundschulen zum Ganztagesbetrieb gibt es keinen Zweifel. Strittig ist bei den Fraktionen im Stuttgarter Gemeinderat jedoch immer noch die Ausgestaltung. Darüber soll im März entschieden werden.

Stuttgart - Am Ausbau der 72 Grundschulen zum Ganztagesbetrieb gibt es keinen Zweifel. Hinter dem flächendeckenden Ausbau bis 2020 stehen der Gemeinderat und die Verwaltung seit dem Dezember 2012. Strittig ist bei den Fraktionen jedoch immer noch die Ausgestaltung. Darüber soll der Gemeinderat im März entscheiden.

Im Gegensatz zum Land, das den Ganztagsschulen entweder in verbindlicher oder in Wahlform mit sieben oder acht Zeitstunden an drei oder vier Wochentagen einen Rahmen vorgibt, geht Stuttgart einen anderen Weg. Der Beschlussantrag der Verwaltung sieht ein verbindliches Viertage-Modell (Montag bis Donnerstag) vor. Hierbei sollen die Schulen dann aber frei wählen können, ob sie vier Tage á sieben oder acht Stunden (bis 16 Uhr) anbieten. Wählt eine Schule das Sieben-Sunden-Modell bis 15 Uhr, sollen Eltern tageweise ergänzende Betreuungsangebote bis 17 Uhr verbindlich für ein Schuljahr dazu buchen können.

„Diese Angebote müssen die Eltern dann aber selbst bezahlen“, erläuterte Schulbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) dem Schulausschuss der Gemeinderates. Weiterhin soll es die verlässliche Grundschule (bis 14 Uhr) geben. Auch hier besteht die Möglichkeit, Betreuungsangebote gegen Bezahlung hinzu zu buchen. Gleiches gilt für den Freitagnachmittag.

„Eine größere Form der Flexibilität ist nicht möglich“, sagte Eisenmann. Überdies stellte sie heraus, dass die Stadt in ihrem Ganztagskonzept weit über den Mindeststandard des Landes hinausgehe: „Wir geben einen zweistelligen Millionen-Betrag mehr aus, weil dem Gemeinderat die Kinder der Stadt viel wert sind.“ Laut einer Modellrechnung würde das Acht-Stunden-Modell an vier Tagen jährlich 1,1 Millionen Euro mehr kosten. Bei sieben Stunden rechnet die Stadt mit 730 000 Euro.

Geschuldet sind die Mehrkosten einer intensiveren Betreuung. Bei einer einzügigen Grundschule mit unterdurchschnittlicher Klassenstärke und vier Tagen á Stunden will die Stadt im Vergleich zum derzeitigen Standard vier Lehrerwochenstunden oben drauf packen. Zudem bietet die Stadt in ihrem Stuttgarter Modell in der Gesamtbetreuung quasi Hortstandard an.

Bleibt die Frage: Sollen die Kinder künftig sieben oder acht Stunden an der Schule lernen? Die SPD plädiert für eine Kernzeit bis 16 Uhr. „Wir lassen uns da von Empfehlungen der Praktiker leiten“, begründete Stadträtin Marita Gröger die Haltung ihrer Partei. Tatsächlich votierten die Rektoren der Raiteslbergschule sowie der Steinbergschule in Hedelfingen vor dem Schulausschuss aus pädagogischen Gründen für das Acht-Stunden-Modell. Auch Renate Schlüter, die Geschäftsführende Schulleiterin der Stuttgarter Grund- und Werkrealschulen, tendiert zum Acht-Stunden-Tag. Gestützt hatte sie ihre Haltung auf eine Blitzumfrage unter 29 Grundschulen. Danach sprachen sich 17 Schulen für die längere Version, zwölf für die kürzere Variante aus. Die Grünen wollen jedoch den Schulen und den Eltern die Wahl lassen. „Die Ganztagsschule braucht Akzeptanz“, sagte Vittorio Lazaridis, „deshalb muss man die Eltern mitentscheiden lassen.“ CDU-Vertreterin Iris Ripsam argumentierte nach dem Motto: Zu viel Flexibilität schadet der Übersichtlichkeit.

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