B 27 zwischen Stuttgart und Tübingen Hoffen auf weniger Lärm und Schleichverkehr

Von Otto-H. Häusser 

Vor dem Hörgeräte-Geschäft Weiss in Bernhausen  herrscht auf der Aicher Straße sogar in den Ferien noch viel Verkehr am Morgen. Foto: Otto-H. Häusser
Vor dem Hörgeräte-Geschäft Weiss in Bernhausen herrscht auf der Aicher Straße sogar in den Ferien noch viel Verkehr am Morgen. Foto: Otto-H. Häusser

Bei Stau auf der B 27 fahren viele Autofahrer in der Region Stuttgart durch die anliegenden Ortschaften. Der Ausbau der Bundesstraße soll den Anwohnern Linderung bringen.

Filder - Manche sagen: Nach dem Ausbau der B 27 auf den Fildern wird sich nicht viel ändern. „Dann stehen die Autos eben auf drei statt wie bisher auf zwei Spuren im Stau“, meinen sie. Andere setzen auf eine Verkehrsentlastung vor ihrer Haustür.

Diese Hoffnung wird vom Referatsleiter Straßenplanung beim Regierunspräsidium, Jürgen Holzwarth, genährt. Er geht davon aus, dass im Jahr 2030 täglich rund 7000 Autos weniger durch die an der Bundesstraße liegenden Ortschaften fahren werden. Auf der B 27 seien dann pro Tag etwa 103 000 Fahrzeuge unterwegs. Zum Vergleich: Derzeit sind es 84 000.

Bei den Betroffenen ist die Hoffnung auf eine Besserung, sei es in Bezug auf den Schleichverkehr durch die Ortschaften oder bezüglich des Lärms vor der Haustür unterschiedlich ausgeprägt. Gabriele Köppen hofft sehr darauf, dass der Ausbau die Staugefahr verringert und deshalb weniger Schleichverkehr durch Stetten rollt. „Es wird sich entspannen“, sagt die Inhaberin des Lotto-Lädles, das an der Stettener Hauptstraße liegt.

Vergrößert die Bushaltestelle das Chaos?

Derzeit sei es so, dass sich die Autos vor allem dann vor ihrem Laden stauen, wenn die B 27 im Abendverkehr Richtung Tübingen dicht ist. „Dann kommen die über Echterdingen und wollen hier nach links, um zur B 27 zu fahren.“ Weil die Abbiegespur zu kurz sei, staue sich der Verkehr dann. „Und jetzt will die Stadt hier auch noch eine Bushaltestelle einrichten“, sagt sie. Auf dem kurzen Straßenstück zwischen ihrem Laden und der Kreuzungs-Ampel. „Dann ist das Chaos noch größer“, befürchtet Gabriele Köppen.

Unter dem Schleichverkehr leidet auch Ute Gorda-Weiß in Bernhausen. Sie betreibt ein Hörgeräte-Geschäft an der Aicher Straße und wohnt außerdem im gleichen Gebäude. „Ich kann morgens um 7 Uhr, bevor ich die Verkehrsnachrichten gehört habe, sagen, ob es auf der B 27 einen Stau gibt“, erzählt sie. Dann würden sich nämlich die Fahrzeuge vor ihrem Haus drängeln. Weil viele Autos von der Aicher Straße nach links Richtung Echterdingen abbiegen wollten, sei die Abbiegespur überfüllt und der Geradeaus-Verkehr werde blockiert. „Und dann geht das Gehupe los, wenn manche Autofahrer auf der Busspur an den anderen rechts vorbei fahren wollen.“

Sie ist sich sicher, dass es auch nach dem Ausbau der B 27 noch zu Staus auf der Bundesstraße kommen wird. Gorda-Weiß plädiert deshalb für einen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, insbesondere der Ringschluss der S-Bahnstrecke ins Neckartal sei wichtig.

Manch einer hat sich an den Lärm gewöhnt

Hin- und hergerissen bezüglich des Durchgangsverkehrs vor ihrer Tür ist Elke Ade. „Ich habe mich an dem Lärm gewöhnt“, sagt die Frau, die seit 50 Jahren im Gebäude von Spielwaren-Steck an der Hauptstraße von Stetten wohnt. In Sachen Verkehr vor der Haustür gebe es für sie ein Pro und Contra. Einerseits bringe der Verkehr den Lärm, andrerseits sorge er auch für Kunden, die Umsatz bringen, sagt die Inhaberin des Spielwaren-Geschäfts. Am schlimmsten sind für sie der Dreck und der Staub, der von den Autos erzeugt wird.

Nicht nur die Anwohner von Durchgangsstraßen in den Ortschaften, die an der B 27 liegen, könnten vom Ausbau der B 27 profitieren. Auch die Menschen, die in der Nähe der Bundesstraße zu Hause sind, könnten entlastet werden. Wo entsprechende Lärmschutzwände gebaut werden, kann der Straßenplanungschef des RP, Holzwarth, noch nicht sagen. Dies werde im Rahmen der Planung festgestellt und voraussichtlich erst zur Eröffnung des Planfeststellungsverfahrens im Jahr 2023 feststehen.

Bestehender Lärmschutz wird nicht bezahlt

Wo es jedoch bereits Lärmschutz gebe, werde dieser nicht nachträglich vom Bund bezahlt, erklärt Holzwarth. Ein Beispiel dafür sei das Wohngebiet Gärtlesäcker in Echterdingen. Doch dies gilt auch für ein Wohnaus, das vom Landwirts-Ehepaar Bayha auf der gegenüberliegenden Seite der B 27 bei seiner Gemüsehalle bald bezogen wird. „Mir ist klar, dass uns kein Lärmschutz bezahlt wird“, sagt Esther Bayha. Ihr sei auch bewusst, wo sie hinziehe. „Schlimmer als an der Echterdinger Hauptstraße, wo wir jetzt wohnen, kann es aber nicht werden.“ Bayha spricht sich dafür aus, den Verkehr besser zu verteilen. Deshalb tritt sie auch zur Entlastung der Hauptstraße für eine Verlängerung der Nord-Süd-Straße zur Tübinger Straße ein.

Offen ist bisher, ob für das Eduard-Spranger-Gymnasium in Bernhausen eine Lärmwand an der Bundesstraße gebaut wird. „Das muss geprüft werden“, sagt Holzwarth. „Ein Lärmschutz wäre wünschenswert“, sagt die Direktorin der Schule, Ursula Bauer. Im Sommer, wenn bei großer Hitze die Fenster geöffnet werden, gebe es in sechs Zimmern ein Dauergeräusch. Man habe sich zwar daran gewöhnt, bei Klassenarbeiten sei dies aber störend.

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