Böblinger Gemeinderat schaut in die Röhre: Die Bauarbeiten schreiten voran. Foto: Eibner/Michael Memmler

Derzeit kommen auf den Lärmschutzdeckel schon die Deckenmodule. Doch bis dort Verkehr durchfließen kann, dauert es noch bis 2027.

Als Deges-Projektleiter Johannes Kuhn ins Mikrofon spricht, hallt es zwischen den Betonwänden. Seine Zuhörer sind am Freitag die Mitglieder des Böblinger Gemeinderats, die sich von ihm den Baufortschritt des sechsstreifigen Ausbaus der A 81 samt Überdeckelung erklären lassen. „Vielleicht sehen Sie es mit anderen Augen, wenn Sie das nächste Mal an der Baustelle vorbeifahren: Hinter den Seitenwänden wird unter Hochdruck gearbeitet“, sagt Kuhn. Bei der alljährlichen Baustellentour stand die A 81 ganz oben auf der Liste.

 

Dort, wo von 2027 an rund 100 000 Autos pro Tag durchbrausen werden, lassen derzeit nur die nackten Betonwände das spätere Tunnelbauwerk erahnen. Sie stehen bereits auf den vollen 850 Metern Länge ungefähr von der ehemaligen DRK-Rettungswache in der Waldenbucher Straße bis zum Sindelfinger Schauwerk. Zwischen den beiden Außenwänden legen die Baustellenbesucher ihren Kopf in den Nacken, als Kuhn sagt: „Wir sind derzeit dabei, die Deckenblöcke nacheinander einzusetzen auf einer Höhe von ungefähr 4,70 Meter.“ Dies geschieht anhand von aufwendigen Unterkonstruktionen, die immer um ein Modul versetzt arbeiten.

So arbeitet sich der Tross von beiden Enden des Deckels Richtung Mitte vorwärts, ein Teil der Nordröhre ist schon geschlossen. Tatsächlich sind die Ausmaße des viel diskutierten Deckels aber von weiter weg klarer zu erkennen. „Aufgrund des ansteigenden Geländes ragt die Oberseite auf Höhe des Schauwerks schon jetzt so hoch auf wie die seitlichen Lärmschutzwände“, sagt Kuhn. „In Sachen der Gestaltung der Deckeloberfläche halte ich mich aber tunlichst raus“, sagt Kuhn.

Die Seitenwände stehen bereits auf der vollen Länge. /Michael Memmler

Hier sei bisher nur gesichert, dass neben und über dem Tunnel mit Erde aus den abgetragenen Lärmschutzwällen aufgefüllt werden soll bis auf 1,50 Meter, sagt er. Außerdem planen sowohl die Deges als auch die beiden Stadtverwaltungen Solarzellen auf einem Viertel der Fläche des Tunneldachs. Doch ob die damaligen Ideen für das Dach von Mitgliedern der Initiative Leise A 81 je zur Umsetzung kommen, ist völlig offen. Sie reichten von Boule-Bahn bis Biergarten. Zumal bisher keine erschließenden Zuwege auf das Tunneldach etwa von der Eschenbrünnlestraße her geplant sind.

Kuhn zeigt außerdem auf, wie es auf der Baustelle weitergeht, die die Geduld der Autobahnbenutzer immer wieder auf die Probe stellt. Ab Sonntagabend, 20. Oktober, werde auch die Ausfahrt der Anschlussstelle Böblingen-Ost in Fahrtrichtung Singen voll gesperrt. Bereits seit dem 5. Oktober kommt man dort von Böblingen aus nicht auf die A 81 Richtung Stuttgart. Dies hänge mit dem Ausbau zum Vollanschluss zusammen, von dem aus künftig die Auf- und Abfahrt in beide Fahrtrichtungen möglich sein wird, sagt Kuhn. Doch bis es so weit ist, ist noch einiges an Geduld gefragt.

Brückenabriss am ersten Advent

Der nächste Meilenstein sei der Abriss der Brücke der Leipziger Straße am ersten Adventswochenende. Das sogenannte Elefantenbrückle ist zwar für Autos gesperrt, doch für die Busse im Stadtverkehr und Radfahrer sei es eine wichtige Verbindung zwischen den beiden Städten. „Daher müssen wir uns dort mit der Behelfsbrücke beeilen“, sagt Kuhn. Die Brücke ist das vierte von elf Bauwerken, die im Zuge der Verbreiterung zu kurz oder zu schmal wurden – und weichen müssen. Bereits fertig sind die S-Bahn-Brücke, die der Calwer Straße sowie die Brücke der Sindelfinger Straße.

Kuhn blickt aber schon weiter in die Zukunft ins Frühjahr 2027: „Dann können wir voraussichtlich die Nordröhre des Tunnels in Betrieb nehmen und schon beide Fahrtrichtungen auf je zwei Spuren durchleiten.“ Bis auch die Südröhre fertig ist, dauere es allerdings noch bis 2028, sagt der Projektleiter.

Sechsspuriger Ausbau der A 81

Dauer
 Spatenstich für das Großprojekt war am 2. Juli 2021, ursprünglich ging man von einer Fertigstellung im Laufe des Jahres 2026 aus. Derzeit lautet die Aussage, dass die neue Autobahn erst 2027 teilweise befahren werden kann.

Kosten
 War zu Baubeginn von 360 Millionen Euro Baukosten die Rede, wird derzeit von insgesamt 490 Millionen Euro ausgegangen. Es wird damit einer der teuersten Autobahnabschnitte Deutschlands.