Aus Wilhelma ausgebüxt Flamingo flaniert auf der Stuttgarter Königstraße

Von Isabel Mayer 

Ein junger Flamingo hatte die heimatlichen Gewässer in der Wilhelma kurzzeitig verlassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Ein junger Flamingo hatte die heimatlichen Gewässer in der Wilhelma kurzzeitig verlassen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Ungewöhnlicher Besuch in der Stuttgarter City: Ein junger Flamingo hatte sich in den Großstadtdschungel verirrt. Mitarbeiter der Wilhelma konnten den rosafarbenen Vogel zurück nach Hause bringen.

Stuttgart - Am Montagmorgen war ein Flamingo unweit der Arnulf-Klett-Passagen auf der Königsstraße unterwegs. Das Tier war sichtlich verwirrt, als es in die Obhut von zwei Grünpflegemitarbeitern der Wilhelma gegeben wurde. Doch der Vogel hatte Glück im Unglück. Die beiden Männer konnten den Flamingo problemlos aufnehmen und zurück in seine Heimat nach Bad Cannstatt bringen.

Arzt verordnet zwei Tage „Bettruhe“

Wie lange der junge Flamingo bereits unterwegs war, ist unklar. „Die Flamingos leben bei uns unter freiem Himmel“, sagt Dr. Harald Knitter von der Wilhelma unserer Zeitung, „und wir zählen sie nicht jeden Tag durch.“ Es ist also durchaus möglich, dass das Tier schon seit längerer Zeit in der Stadt unterwegs war. Doch die Strapazen der Reise von Bad Cannstatt bis zum Hauptbahnhof gingen nicht spurlos an dem Vogel vorüber.

„Bisher wissen wir von einer Brustverletzung“, sagt Knitter, „doch auch innere Verletzungen können vorerst nicht ausgeschlossen werden.“ Seit Montagmittag wird der Flamingo in der Krankenstation der Wilhelma behandelt. „Der Tierarzt geht im Moment davon aus, dass der Vogel noch zwei Tage dort versorgt werden muss.“

Flamingo sucht die Freiheit

Bei dem neugierigen Tier handelt es sich um einen jungen Rosaflamingo, dessen Flügel bereits ausgewachsen waren. Während die Wilhelma in der Vergangenheit noch die Flügel der Flamingos kupierte um sie flugunfähig zu machen, werden den Tieren seit einigen Jahren nur noch die Schwungfedern gekürzt. „Das tut ihnen nicht weh“, erklärt Knitter, „es ist vergleichbar mit dem Haareschneiden bei einem Menschen.“ Durch gekürzte Schwungfedern können die Vögel höchstens flattern.

Der Eingriff kann allerdings erst vorgenommen werden, wenn der Flamingo ausgewachsen ist. Beim ausgebüchsten Exemplar handelte es sich scheinbar um einen Jungvogel, dessen Flügel noch nicht vollständig ausgewachsen, aber schon stark genug für einen Flug waren. So konnte er über die Mauern der Wilhelma in die Freiheit fliegen. Ein ähnlicher Vorfall hatte sich zuletzt im April 2015 ereignet.

Lesen Sie jetzt