Nach zehn Jahren ist für Marco Neuberth Schluss in Böblingen. Der Gastronomie bleibt er aber weiter treu. Foto: /Stefanie Schlecht

Der Gastronom Marco Neuberth muss die Böblinger Kongresshalle nach zehn Jahren verlassen. Er ist frustriert über das Aus und findet das Vorgehen „unterirdisch“. Wie geht es für ihn weiter?

Marco Neuberth ist enttäuscht. Seit zehn Jahren ist der Gastronom mit seinem Veranstaltungsmanagement „Rent a Butler“ für das gastronomische Angebot in der Böblinger Kongresshalle zuständig, verantwortet das Catering bei Veranstaltungen und führt das im Haus ansässige Restaurant Neuberths am See. Doch damit ist in einem halben Jahr Schluss: Am 31. Juli läuft der Vertrag aus, die Betreibergesellschaft CCBS hat ihn nicht verlängert. Über die Gründe sei er im Unklaren gelassen worden, sagt Neuberth und stellt klar: „Wir wären geblieben.“ Verstritten sei er mit dem Verpächter zwar nicht, aber „das Ende war nicht ganz so nett“. Vom Aus habe er über eine in München ansässige Agentur, die die Neuverpachtung verantworte, erfahren. „Die Absage, dass wir aus dem Rennen sind, war in einem drei- bis fünfminütigen Gespräch“, sagt er und nennt das Vorgehen „unterirdisch“.

 

Im November 2014 war Marco Neuberth mit einem Fünf-Jahres-Vertrag in die gastronomische Versorgung der Kongresshalle eingestiegen, den die CCBS dann 2019 für weitere fünf Jahre verlängerte. In die jüngste Ausschreibung habe er viel Herzblut gesteckt und gute neue Ideen entwickelt, erzählt er. Feedback habe er keines erhalten. Dass die Zusammenarbeit beendet werde, bedauere er auch deshalb, weil er mit dem Betrieb schwierige Jahre gemeistert habe: „Wir haben Corona überlebt und es gab fast immer Baustellen im Haus.“

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Dass nun Schluss ist, findet er „jämmerlich schade“. Der Betrieb sei erfolgreich gewesen mit gutem Geschäft und guten Umsätzen. Und vor allem habe er es gerne gemacht. „Wir haben uns in das Haus verliebt“, sagt Neuberth, der mit seiner Familie vor zehn Jahren extra den Wohnsitz von Stuttgart in den Landkreis Böblingen verlagert hatte, um sich voll und ganz zum Standort zu bekennen. Auch sein Cateringgeschäft managte er fortan von Böblingen aus.

Welcher Gastronom nachfolgt, ist noch offen

Die Betreibergesellschaft CCBS hält sich auf Nachfrage zu den Gründen, warum der Vertrag mit Marco Neuberth nicht verlängert wurde, bedeckt. Es handele sich um eine „strategische Neuausrichtung, die eine grundlegende Überprüfung und Anpassung der Partnerschaft an die zukünftigen Anforderungen umfasst“, sagt die Sprecherin Ursula Hermann. Die Suche nach einem Nachfolger dauere an: „Eine endgültige Entscheidung darüber, wer ab Mitte 2025 die Verantwortung für den Betrieb des Kongresshallen-Caterings übernehmen wird, steht noch aus.“ Gesucht werde ein Betreiber mit umfassender Erfahrung in der Event-Gastronomie und einem nachhaltigen gastronomischen Konzept. Welche Art von Küche der Nachfolger anbiete, sei nicht festgelegt, man sei offen für schwäbisch, mediterran, international oder innovativ. „Entscheidend ist Qualität und eine ansprechende, professionelle Umsetzung“, sagt Hermann. Die Nachfolge solle möglichst nahtlos geschehen und ohne große Umbauten. Kleinere Renovierungsarbeiten zur Anpassung an das Konzept des neuen Betreibers seien möglich, eine Schließzeit solle aber möglichst vermieden oder zumindest kurz gehalten werden.

CCBS betont, dass die Entscheidung, den Pachtvertrag mit Marco Neuberth nicht zu verlängern, keine Folge spezifischer Vorfälle, Beschwerden oder Probleme sei. Der Vertrag ende regulär Mitte 2025, und es sei in der Branche üblich, eine Marktabfrage sowie eine Ausschreibung durchzuführen. „Ziel dieses Verfahren ist es, einen leistungsstarken, zukunftsorientierten Partner zu finden, der mit frischen Impulsen die Weiterentwicklung der Kongresshalle unterstützt“, sagt Hermann.

Neuberth weiß von keinen unzufriedenen Gästen

Neuberth selbst sind keine Beschwerden zu Ohren gekommen. Dass es bei der Bewirtung von Tausender Menschen in den Veranstaltungspausen mitunter zu Schlangen komme, sei normal. Von seinen Gästen höre er Bedauern, dass es nicht weitergeht. Einige Kulturveranstalter bestätigen auf Nachfrage, in den vergangenen Jahren mit dem Catering durch das Neuberth-Team zufrieden gewesen zu sein.

Wie wird es für den Gastronom weitergehen? Sein „Rent a Butler“-Catering, das er sein Flaggschiff nennt, will er fortführen und wieder von Stuttgart aus steuern. Weiterhin betreiben möchte er auch den Kioskbetrieb im Schönaicher Freibad, den er vergangenen Sommer übernommen hatte, ebenso das Lokal Neuberths Gastwerk in Stuttgart-Rohr. Darüber hinaus sucht er nun nach einem neuen gastronomischen Objekt, ob ein Restaurant oder eine Eventlocation ohne festen Betrieb, lässt er offen. Eine Scheuer, ein Autohaus, der oberste Stock eines Bürogebäudes – denkbar sei alles. „Es kann was Schräges sein“, sagt der 59-Jährige. Nur aufhören sei keine Option. Zwar seien die Zeiten für Gastronomen sehr schwer, Gäste gingen seltener und sparsamer essen, aber er liebe seinen Beruf. Und irgendwie werde es schon weitergehen: „Wenn sich ein Türchen schließt, öffnet sich ein Neues.“

Gastro-Service ein Leben lang

Person
 Marco Neuberth ist gelernter Restaurantfachmann. Besondere Erfahrungen sammelte er von 1990 bis 1993, als er als Privatbutler die Familie von Wolfgang Porsche umsorgte. Später gründete er das Veranstaltungsmanagement „Rent a Butler“ und organisiert seit mehr als 20 Jahren Catering-Service und Veranstaltungen.

Gastronomie
 Erfahrung sammelte Marco Neuberth kurze Zeit in der Speisemeisterei. Er betreibt Neuberths am See, Neuberths Gastwerk in Stuttgart-Rohr sowie seit 2024 das Kiosk im Schönaicher Freibad.