Nach 14 Jahren Tätigkeit gibt der Verein seine Auflösung bekannt. Als Grund nennt der Vorstand „ausbleibenden Erfolg.“
Ehningen - Der Ehninger Energieverein ist bald Geschichte. In einer am Sonntag verschickten Pressemitteilung gab der Verein seine Auflösung bekannt. Als Grund nennt der Vorstand „ausbleibenden Erfolg“. Beschlossen wurde die Auflösung in der Hauptversammlung am vergangenen Mittwoch. Aus der Mitteilung ist eine gewisse Verbitterung herauszulesen, die selbst gesteckten Ziele nicht erreicht zu haben.
Gegründet im Jahr 2008 von elf Mitgliedern, hatte die Vereinsarbeit zunächst vielversprechend angefangen. Die Initiative machte es sich von Anfang an zur Aufgabe, ein größeres Bewusstsein für Klimaschutz zu schaffen, aber auch konkrete Projekte umzusetzen. „Wir wollen die Ehninger Bürger zum Umdenken und Handeln bewegen und damit Hilfe zur Selbsthilfe leisten“, sagte der langjährige Vorsitzende Erhart Ehlert kurz nach der Vereinsgründung. Ehlert ist jahrzehntelanges Mitglied der CDU und war einst Sindelfinger Stadtverbands-Vorsitzender sowie Kreisvorsitzender der Christdemokraten. Gründungsmitglied des Energievereins ist auch der ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete Paul Nemeth.
2800 Wärmebilder angefertigt
Die Aktivitäten des Vereins erstreckten sich einerseits auf die Beratung von privaten Hausbesitzern etwa zu besseren Wärmedämmung, andererseits auf öffentliche Initiativen. Der Verein schaffte zum Beispiel eine Wärmebildkamera an, mit der Hausbesitzer den Wärmeverlust an ihrer Fassade sichtbar machen können. Insgesamt 2800 Wärmebilder hat der Verein laut eigener Aussage seitdem angefertigt – als kostenlosen Service. Außerdem erstellte der Verein ein Energiekonzept für die neue Sporthalle Schalkwiese, das vom Architekten übernommen wurde. Damit nicht genug: Mitglieder des Vereins fotografierten Ehningen aus der Luft, um potenzielle Dächer für Solarzellen auszumachen. Sie sprachen im Nachgang die Hausbesitzer an und so entschieden sich rund 80 von ihnen für den Strom aus der Sonne. Auch eine Genossenschaft für gemeinschaftliche Stromerzeugung mit Solarzellen wurde 2008 gegründet. Insgesamt sammelte man weit über 100 000 Euro an Kapital ein, 105 000 davon konnten in Solaranlagen fließen. Eine entstand auf einem Privathaus, eine andere auf dem Dach des Ehninger Hallenbads. Die Refinanzierung erfolgte durch die auf 20 Jahre gesicherte Einspeisevergütung. Für restliche 60 000 Euro fand sich bis jetzt keine Verwendung. Das bedauert Erhart Ehlert. „Die durch den Energieverein initiierte Genossenschaft zur Beteiligung aller Ehninger Bürger an der Erzeugung von regenerativer Energie, also CO2-Vermeidung in Ehningen, fand ebenfalls nicht die erhoffte Unterstützung“, schreibt der Vereinsvorsitzende jetzt in seiner Mitteilung.
Unterstützung vermisst
Für eine weitere Solaranlage hatten die Fotovoltaik-Befürworter unter anderem das Dach der Erweiterung des Kindergartens in der Herrenberger Straße ins Auge gefasst. Doch dies ließ sich nicht verwirklichen. „Leider setzt die Gemeindeverwaltung weiter auf fossile Energie“, heißt es vom Verein. Das will der Herrenberger Bürgermeister Lukas Rosengrün so nicht stehen lassen: „Aus damaliger Sicht der Gemeinde war ein mit Gas betriebenes Blockheizkraftwerk die wirtschaftlichere Variante, da es neben Wärme auch Strom erzeugt.“
Schon einmal im Jahr 2013 stand der Verein vor dem Aus, entschied sich dann aber fürs Weitermachen. „In der Bürgerschaft stießen wir immer auf offene Ohren“, betont Ehlert. „Doch in der Gemeindeverwaltung war dies eher nicht der Fall“, kritisiert er. Und das, obwohl der ehemalige Ehninger Bürgermeister Claus Unger den Verein von Anfang an unterstützt hatte. Erhart Ehlert: „Ich bin nun 82 Jahre alt und hätte mich gefreut, den Vorsitz zu übergeben. Doch leider fand sich niemand.“ Er habe 14 Jahre gegen Windmühlen gekämpft, nun wolle er es gut sein lassen.
Ungers Nachfolger Rosengrün betont aber: „Wir bedauern das auslaufende Engagement und sind dankbar für die angestoßenen und durchgeführten Projekte der letzten 14 Jahre.“ Im Rahmen der Bürgerbeteiligung „Mach ebbes“ gebe es das klare Angebot, sich weiterhin einzubringen, sagt er.