Der VW-Aufsichtsrat hat Herbert Diess das Vertrauen entzogen. Foto: AFP/LLUIS GENE

Herbert Diess wird als VW-Chef abgelöst. Mit seinem Rauswurf sanktioniert VW einen Führungsstil, der nicht mehr zeitgemäß ist, meint Klaus Köster.

Mit wohlgesetzten Worten katapultiert der VW-Aufsichtsrat Konzernchef Herbert Diess ins Aus. Porsche-Chef Oliver Blume, der nun auch an die VW-Spitze rückt, solle „die Transformation weiter vorantreiben – mit einer Führungskultur, die den Teamgedanken in den Mittelpunkt stellt“, erklären die Aufseher. Die Wertschätzung für Blume zeigt nicht nur, warum sich der Aufsichtsrat geschlossen für ihn entschied, sondern auch, welche Defizite er bei Diess sah.

 

Dabei hätte Diess wissen müssen, dass brachiales Vorgehen bei VW ins Leere läuft. Schon der einstige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der VW übernehmen wollte, um dort „heilige Kühe“ abzuschaffen, verhedderte sich heillos im politischen Beziehungsdickicht bei VW. Mit seinen nicht durch ein Konzept unterlegten Andeutungen, bei VW gebe es 30 000 Leute zu viel, brachte auch Diess den Betriebsrat und die Politik gegen sich auf und machte sich zum Einzelkämpfer.

Diess‘ ruppiger Führungsstil ist ohnehin aus der Zeit gefallen. Die Zeiten allwissender Chefs, denen die Belegschaft nur noch artig zu folgen hat, sind vorbei. Nicht ohne Grund fiel die Wahl auf Blume. Gerne wird in Wolfsburg behauptet, als Chef einer Luxusmarke habe es Blume leicht, eine hohe Rendite zu erzielen. Sie werden bald merken, dass Blume zwar kooperativ ist, aber alles andere als bequem. Seine Erfolge sind hart erarbeitet, auch von der Belegschaft. Und er dürfte klug genug sein, die Menschen, deren Unterstützung er braucht, auch in Zukunft einzubinden statt zu provozieren.