Letzte Klappe für "Verbotene Liebe"? Ansgar von Lahnstein (Wolfram Grandezka, vorne) Eva Baumann (Franziska Kruse, links), Tanja von Lahnstein (Miriam Lahnstein, rechts) und Sebastian von Lahnstein (Sebastian Schlemmer, hinten) Foto: ARD/Anja Glitsch

Die ARD gibt ihrem Soap-Urgestein den Gnadenschuss: Nach 4500 Folgen ist offenbar Schluss für "Verbotene Liebe". Die Serie war seit 1995 ein fester Anker im ARD-Vorabendprogramm.

Die ARD gibt ihrem Soap-Urgestein den Gnadenschuss: Nach 4500 Folgen ist Schluss für "Verbotene Liebe". Die Serie war seit 1995 ein fester Anker im ARD-Vorabendprogramm.

Stuttgart - Es hatte sich schon länger angekündigt, doch jetzt sind die Tage der Mutter aller Soaps gezählt: Die ARD nimmt "Verbotene Liebe" aus dem Programm. Die Begründung von ARD-Programmdirektor Volker Herres: „Irgendwann sind alle Schattierungen des Verbotenen und Glamourösen erzählt.“

Und auch wenn das Aus für viele hartgesottene Fans ein Schock ist - oder zumindest ein Grund, melancholisch an die gute alte Zeit zu denken - ganz Unrecht hat Herres nicht. Fast 200 Liebespaare gab es in der „Verbotenen Liebe“ bereits. Die Agentur der Serie hat mitgezählt. 71 463 Liter Champagner sind demnach geflossen - zahlreiche davon sicherlich in Kombination mit der ein oder anderen der 1569 Bettszenen. Mehr als 40 Mal wurde geheiratet, vier schönste Tage im Leben gingen dabei allein auf das Konto von Leonard von Lahnstein (Lars Korten).

Und auch wenn die Macher zuletzt alles Mögliche versuchten, die Serie zu etwas zu machen, das wohl hip und stylisch sein sollte - die ganz großen Erfolge von einst waren in weite Ferne gerückt. Zuletzt beschwerten sich die Fans außerdem immer wieder darüber, dass die Sendung nicht pünktlich anfing.

"Wer hat denn am Vorabend Zeit, sich 45 Minuten vor den Fernseher zu setzen?"

Nach Ansicht der Schauspielerin Gabriele Metzger, die von Tag eins an in der Serie die Charlie Schneider spielt, ist das aber nicht der einzige Grund. Dass die Serie nach dem spektakulären Aus von „Gottschalk live“ auf 45 Minuten aufgeblasen wurde, habe ihr nicht gut getan, meint sie. „Wer hat denn am Vorabend Zeit, sich 45 Minuten vor den Fernseher zu setzen? Außerdem denke ich, dass sich Geschichten in 20 Minuten sehr viel knackiger erzählen lassen“, sagte sie.

Und das ist noch nicht alles: „Die Interessen der jungen Menschen haben sich da sehr verlagert und es ist ein müßiges Unterfangen, zu versuchen, sie einzufangen, wie wir das auf Wunsch des Senders machen sollten“, sagt Metzger. „Das ist ein bisschen wie ein Kampf gegen Windmühlenflügel, weil die jungen Leute einen Sender wie die ARD nicht häufig schauen. Die klicken dann in die Mediathek, was man an den hohen Zugriffszahlen sieht. Dadurch hat man dann vielleicht viele treu, ältere Fans im Fernsehen verprellt.“

Alles begann mit Jan und Julia

Dabei hatte alles so schön angefangen, damals, am 2. Januar 1995, als Jan (Andreas Brucker) und Julia (Valerie Niehaus) am Düsseldorfer Flughafen mit ihren Gepäckwagen zusammenstießen und damit das Schicksal herausforderten. Denn die beiden lebten nicht nur in unterschiedlichen Welten (sie adelig, er Sohn eines bodenständigen Bauunternehmers) - sie waren blöderweise auch noch Zwillinge, ohne es zu wissen. Ausgangspunkt für eine Serie diverser Dramen, die damit endete, dass Julia einfach so im Meer verschwand.

Den Zwillingen folgte eine Reihe weiterer Paare, deren Liebesgeschichten immer wieder den Sendungstitel rechtfertigen mussten. So verliebte sich Dana in Hagen, den Mann ihrer Schwester. Die betrogene Schwester Marlene aber war auch kein Kind von Traurigkeit und betrog später ihren neuen Verlobten Tristan wiederum mit dessen Schwester Rebecca. Mindestens 68 Mal wurde es nach Angaben der Agentur mit der ehelichen Treue nicht so genau genommen.

So berühmt wie Jan und Julia aber wurde keines der fiktiven Fernsehpaare. Auch eine Reaktivierung von Jan und Julia mit anderen Darstellern und einem neuen Drehort auf Mallorca in den Jahren 2011 und 2012 brachte nicht die Wende. Jetzt folgt die „Verbotene Liebe“ dem „Marienhof“. Die beiden Sendungen prägten den ARD-Vorabend jahrzehntelang, „Marienhof“ war schon vor drei Jahren abgesetzt worden. Fan Beate schreibt bei Facebook: „Erst nehmt ihr den Marienhof und jetzt auch noch die verbotene Liebe. DAS GEHT GAR NICHT!!! :((((((“

Mit dem Aus der „Verbotenen Liebe“ wird der ARD-Vorabend nun komplett seifenopernfrei. Das schafft Platz für Jörg Pilawas Quizduell, dem man nur Wünschen kann, das die Pannen-Premiere im Frühjahr, als die Sache mit dem interaktiven Internet einfach nicht funktionieren wollte, kein schlechtes Omen ist. Denn einen Erfolg könnte man gut gebrauchen im ARD-Vorabend, nachdem Experimente wie „Gottschalk live“, Dieter Nuhrs „Null gewinnt“ oder Bruce Darnells Schminkshow dem Serien-Dino „Verbotene Liebe“ nicht das Wasser reichen konnten.

Wohl auch darum hoffen Metzger und ihre Kollegen, dass es doch noch irgendwie weitergeht mit der „Verbotenen Liebe“. „Das könnte ich mir gut vorstellen“, sagte Metzger. „Vielleicht als wöchentliche Serie - oder im Internet.“

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