Das preisgünstige Tagesticket für Linienbusse ist in Nürtingen nur noch bis Ende des Jahres erhältlich. Darum hat eine Mehrheit des Gemeinderates die Fortführung abgelehnt.
Die Tage des Nürtinger Stadttickets sind gezählt: Zum Ende des Jahres wird das vergünstigte ÖPNV-Angebot abgeschafft. Eine Fortführung hat eine Mehrheit des Gemeinderates abgelehnt.
Nürtingen hat das Stadtticket, das einen Tag lang zu beliebig vielen Fahrten im Stadtgebiet berechtigt, im Jahr 2021 eingeführt. Es ist aktuell mit vier Euro für eine Person preiswerter als zwei Einzelfahrscheine für Hin- und Rückfahrt, die zusammen sieben Euro kosten. Zum 1. September allerdings greift die VVS-Tariferhöhung und dann kostet das Stadtticket 4,20 Euro, ein Einzelfahrschein 3,70 Euro.
Gestartet ist Nürtingen vor fünf Jahren mit rund 31 600 verkauften Stadttickets, 2023 wurde mit knapp 47 200 Stück die Höchstzahl erreicht. Seither geht der Verkauf zurück, im vergangenen Jahr wurden rund 32 500 Stadttickets ausgegeben. Dennoch spricht man im Rathaus von einem Erfolg: „Der Kauf des Stadttickets ist bei einem kleiner werdenden Kundenkreis sehr stabil und sehr beliebt“, beteuert man in der Beschlussvorlage.
„Aufgrund der guten Inanspruchnahme“ schlug die Verwaltung vor, das Stadtticket beizubehalten. Doch die CDU-Fraktion hatte mit Verweis auf die angespannte Haushaltslage die Einstellung des Angebots beantragt. Immerhin hatte die Stadt im vergangenen Jahr dafür 79 513 Euro Zuschuss gezahlt - und das sei eine enorme finanzielle Belastung, hieß es zur Begründung. Auch die Freien Wähler und die FDP sahen das so - und damit eine Ratsmehrheit. Die Nürtinger Liste/Grüne, NT 14 und die SPD wollten das Stadtticket hingegen beibehalten.
Nürtingen ist kein Einzelfall. Angesichts leerer Kassen stellt sich so manche Kommune im Gebiet des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) die Frage, ob sie sich diese Freiwilligkeitsleistung noch leisten können. Oder wollen. Leinfelden-Echterdingen zum Beispiel hat schon vor Monaten den Ausstieg zum Jahresende 2026 beschlossen. In Esslingen, wo das Stadtticket erst im vergangenen September wieder eingeführt wurde, steht es erneut zur Disposition, weil die Stadt ein sich plötzlich auftuendes Millionenloch im Etat stopfen muss.