Fast 50.000 Geburten sind in 44 Jahren im Herrenberger Krankenhaus betreut worden. Ärztinnen und Hebammen erzählen ganz besondere Geschichten, die ihnen im Gedächtnis geblieben sind.
Von 1982 bis 2026 – 44 Jahre lang – wurden im Krankenhaus Herrenberg Kinder geboren. An welche kuriosen und besonderen Geburtsgeschichten erinnern sich die Chefärztin der Geburtshilfe und Gynäkologie, Ines Vogel, und ihr geburtshilfliches Team in Herrenberg?
Lange überlegen muss Ines Vogel nicht: „Wir hatten einen Fall, bei dem die Polizei involviert war“, beginnt Vogel mit der Anekdote, die sie auch nach Jahren noch zum Lachen bringt. „Ich weiß noch, ich war zuhause und nicht im Dienst. Nachts um zwei klingelt es dann an meiner Haustür, ich gehe runter und sehe durch die Scheibe der Tür zwei dunkle Gestalten. Sie hatten gesagt, sie seien von der Polizei“, erzählt Ines Vogel. Sie habe dann durch die geschlossene Tür erfahren, dass es sich bei den beiden wirklich um Polizeibeamte handelte, dass sie im Kreißsaal gebraucht werde und sie mit Blaulicht ins Klinikum gebracht werden könne.
Blaulichttransport zur Herrenberger Klinik abgelehnt
„Die Kollegen hatten versucht, mich auf dem Handy zu erreichen. Wir hatten tatsächlich lose vereinbart, dass sie die Polizei benachrichtigen können, sollten sie mich nicht erreichen. So haben sie die Polizei vorbeigeschickt“, sagt Vogel. Weil Ines Vogel in Herrenberg lebt und einen kurzen Weg habe, habe sie abgelehnt, von der Polizei mit Pauken und Trompeten zum Krankenhaus gebracht zu werden: „Ich nahm mein Auto und fuhrt sofort los.“
Auch wenn die Gynäkologin heute mit Abstand auch mit einem Lachen über den Fall erzählen kann - der Hintergrund des Ganzen war kein lustiger. Vielmehr habe es sich um einen medizinischen Notfall gehandelt, bei der die Chefärztin dringend benötigt wurde. „Es war eine Geburt, bei der die Mutter viel Blut verlor und wir schnell handeln mussten. Die Frau war in Lebensgefahr. Am Ende ging alles gut. Das werde ich sicher nicht mehr vergessen“, so die Ärztin.
Ebenso im Gedächtnis der erfahrenen Ärztin ist der Fall einer Geburt, bei der es auch Komplikationen gab, die aber letztlich auch gut ausging für Mutter und Kind. „Das war, glaube ich, der einzige Fall, bei dem ich als Chefärztin, meine leitenden Oberärzte und weitere Oberärzte gleichzeitig im OP standen. Die Mutter hatte starke Blutungen, es war ein kritischer Zustand. Es mussten also alle mithelfen und anpacken. Und wenn nur um Instrumente zu reichen.“
Männer in der Gebärwanne – kurioser Moment im Herrenberger Kreißsaal
Weniger dramatisch, dafür aber viel mehr zum Schmunzeln klingen die Anekdoten, die die Leitende Oberärztin Ute Mika beitragen kann: „Das war erst kürzlich: Eine Frau lag in der Gebärwanne mitten in den Wehen. Der Mann dachte, er könne mit in die Wanne steigen. Das tat er dann auch, und zwar nur bekleidet mit der Klinik-Netzunterhose seiner Frau. Als wir dann in den Baderaum kamen, waren wir etwas überrascht, ihn damit in der Wanne zu sehen.“ Ähnliche Geschichten mit werdenden Vätern, die ihrer Frau in der Gebärwanne gerne Gesellschaft leisten wollen, gibt es offenbar einige, wie die Hebammen Eva Keller und Elke Egeler schmunzelnd anmerken. „Manche wollen mit Badehose, manche auch ganz ohne Badehose mit in die Badewanne.“
Häufiger aufgetreten sind in den über vier Jahrzehnten Fälle, bei denen es die hochschwangeren Frauen nicht mehr geschafft haben, auf dem Gebärstuhl, dem Ball oder in der Wanne Platz zu nehmen. „Es kam öfter vor, dass Frauen ihre Kinder auf dem Klinikparkplatz oder vor dem Eingang bekommen haben und wir sie dort dann in den letzten Zügen begleitet haben. Oder dass die Pforte uns anrief und informierte, dass eine Frau im Eingangsbereich ihr Kind zur Welt bringt. Auch da reichte es dann nicht mehr, nach oben zu gehen“, erzählt Elke Egeler. Meistens waren dies die zweiten oder dritten Kinder der Frauen.
44 Jahre Geburtshilfe Herrenberg – Verbunden über Generationen
Rührend ist eine Anekdote, die Ines Vogel teilen kann. „Eine Kollegin, die kurz vor der Rente stand, betreute damals eine Geburt.“ Die erfahrene Geburtshelferin bemerkte wohl währenddessen, dass sie bereits die werdende Mutter auf die Welt gebracht hatte. „Die Kollegin war so viele Jahrzehnte in der Herrenberger Geburtshilfe aktiv, dass sie zwei Generationen beim Start ins Leben begleitet hat. Das ist eine wirklich schöne Geschichte.“