Gudrun Riedele war eine der Ehrenpreisträgerinnen des Blumenschmuckwettbewerbs – das Blütenmeer auf ihrem Balkon im Oberdorf hatte bei der Jury gepunktet. Foto: Eva Schäfer (Archiv)

Der Vorsitzende der Blumenschmuckkommission, Peter Schwarzkopf, nennt Gründe für das Aus der lieb gewonnenen Tradition in Fellbach.

Der Blumenschmuckwettbewerb in Fellbach (Rems-Murr-Kreis) findet nicht mehr statt. Das bedeutet auch, dass die Veranstaltung „Blütenzauber“, die traditionell am Freitagabend des Fellbacher Herbstes gefeiert wurde, wegfällt. Was sind die Gründe? Wir haben bei dem Vorsitzenden der Blumenschmuckkommission, Peter Schwarzkopf, nachgefragt. Der Gärtnermeister war viele Jahre beim Blumenschmuckwettbewerb engagiert und führte einen gleichnamigen Rosenbetrieb in Fellbach.

 

Herr Schwarzkopf, warum wird der Fellbacher Blumenschmuckwettbewerb nicht mehr stattfinden in diesem Jahr?

Gärtnermeister Peter Schwarzkopf Foto: Frank Eppler(Archiv)

Es hat sich über die Jahre gezeigt, dass es immer weniger Anmeldungen für den Blumenschmuckwettbewerb gab. Der typische Balkonschmuck ist bei jüngeren Teilnehmern und Familien weniger gefragt. Bei den Jüngeren spielt der Nutzgarten mit Gemüse, Tomaten oder auch Erdbeeren offenbar eine größere Rolle. Außerdem muss die Stadt sparen, bei Kindertagesstätten oder anderen sozialen Einrichtungen fällt dies umso schwerer. Da ist der Wegfall des Blumenschmuckwettbewerbs, wenn er ohnehin nicht mehr so nachgefragt wird, wohl eher zu verschmerzen. Mir tut es aber selber weh.

Beim „Blütenzauber“ in der Schwabenlandhalle wurden die Ehrenpreise übergeben. Foto: Michael Käfer (Archiv)

Heißt das, dass dann auch die Traditionsveranstaltung am Freitagabend des Fellbacher Herbstes wegfällt? Beim „Blütenzauber“ wurden ja die Preisträger feierlich geehrt?

Die Veranstaltung ist früher als fröhlicher Fellbacher Abend von Vereinen organisiert worden. Dieser Abend wurde dann später zum „Blütenzauber“, dies wird nicht mehr stattfinden. Mir ist nicht bekannt, ob dann an dem Abend stattdessen eine andere Veranstaltung kommt und um welche es sich dann handeln soll.

Die Jury, die die Balkone und Vorgärten begutachtet hat, hat doch vorwiegend ehrenamtlich gearbeitet. Dann entstanden die Kosten vor allem durch den „Blütenzauber“ im Hölderlinsaal der Schwabenlandhalle, oder?

Ja, die Jury war vor allem ehrenamtlich unterwegs.

Fellbach hat eine Tradition als Gärtnerstadt. Lange wurde damit geworben, es sei wichtig, den öffentlichen Raum durch Blumenschmuck aufzuwerten. Dies sollte gewürdigt und gepflegt werden. Wie bewerten Sie den Verlust, besonders in Zeiten, in denen die Aufenthaltsqualität von Städten immer mehr in den Fokus gerückt wird? Noch im vergangenen Jahr wurde auf dem Maikäferfest für das Event verstärkt geworben.

Wir wollen zur Haushaltskonsolidierung beitragen. Der „Blütenzauber“ hat viel Spaß gemacht, aber wir wollen unterstützen, dass man sparen muss und zu einem genehmigungsfähigen Haushalt beitragen. Jeder Teilnehmer kann ja auch privat weiterhin seinen Balkon ansprechend schmücken und so für eine blütenreiche Umgebung sorgen.

Wäre es auch ein Weg gewesen, den Blumenschmuckwettbewerb etwas anders auszurichten mit neuen Aspekten, um mehr Teilnehmer anzusprechen? Etwa mit neuen Kategorien wie beispielsweise Insektenfreundlichkeit der Beete und Balkone?

Das ist eine schwierige Sache. Bienen fliegen ja auch bei blütenreichem Blumenschmuck. Neue Kategorien waren nicht vorgesehen.

Spielt der Mehraufwand aufgrund des Klimawandels für die Teilnehmer eine Rolle? Dass bei sehr trockenen heißen Sommern viel gegossen werden muss?

Da kann man sich mit Bewässerungstechnik sicher behelfen. Aber vor allem die vielen älteren Teilnehmer berichteten, dass sie die Pflege nicht mehr so bewältigen konnten und die Arbeit zu schwer für sie werde.

Gärtnerstadt
Die Veranstaltung „Blütenzauber“ am Freitagabend war fester Bestandteil des Fellbacher Herbstes und würdigte den Einsatz der vielen Hobbygärtner. Sie sorgten – so hieß es in der Bewerbung der Stadt – gemeinsam dafür, „dass Fellbach seinem Beinamen als Gärtnerstadt Ehre machte und bunt erblühte“.

Beim traditionellen Blumenschmuckwettbewerb wurden zahlreiche private Balkone, Vorgärten und Gärten von einer fachkundigen Jury begutachtet und besonders engagierte Preisträger von der Oberbürgermeisterin Gabriele Zull und dem Kommissionsvorsitzenden Peter Schwarzkopf mit Ehrenpreisen ausgezeichnet.

Kreisgärtnermeister
Schwarzkopf vertritt die Interessen seiner Berufskollegen schon seit vielen Jahren als Kreisgärtnermeister. Die Fellbacher Gärtnerei Schwarzkopf gilt als ein führender Anbieter von Schnittrosen in der Region. Inzwischen ist schon die nächste Generation im Betrieb am Start mit Patrick Schwarzkopf (staatlich geprüfter Gartenbautechniker) und Kim-Aline Schwarzkopf (staatlich geprüfte Gestalterin für Blumenkunst aus Weihenstephan).