Stefano Mazzei (re.) ist der lokale Betriebratschef bei Bosch. Auf diesem Bild ist er bei der Demonstration am 24. November 2025 am Rednerpult zu sehen. Foto: Gottfried Stoppel

Die Produktion von Bosch Power Solutions in Waiblingen soll 2028 eingestellt werden. Nun werden mehr Details dazu bekannt, was für die 560 betroffenen Mitarbeiter vereinbart wurde.

Nach der Einigung über das geplante Ende der Produktion von Bosch Power Solutions (PS) in Waiblingen haben sich auch die Arbeitnehmervertreter zum Resultat geäußert – und Details genannt. „In Summe ist dieses Verhandlungsergebnis unter den aktuellen wirtschaftlichen Bedingungen ein akzeptables Ergebnis“, teilt Stefano Mazzei mit, der lokale Betriebsratschef.

 

Das Ergebnis wäre ohne die Kampfbereitschaft der Kollegen „niemals zustande gekommen“, bilanziert Mazzei, „und es wäre nicht möglich gewesen ohne die starke Unterstützung unserer Berater und der IG Metall“.

Bosch wird Produktion in Waiblingen schließen

Das Stuttgarter Technologie- und Dienstleistungsunternehmen Bosch, das in den kommenden Jahren 22 000 Stellen abbauen will, hatte bereits Ende September 2025 bekannt gegeben, die Produktion des Geschäftsbereichs in Waiblingen bis Ende 2028 beenden zu wollen. An dem Standort im Rems-Murr-Kreis, an dem auch zwei von dem Aus nicht betroffene Bosch-Tochterunternehmen ihren Sitz haben, entsteht Verbindungstechnik für die Automobilindustrie.

„Für viele Kolleginnen und Kollegen war das ein Schock. Von einem Tag auf den anderen stand die Existenz auf dem Spiel“, blickt der Betriebsrat auf das angekündigte Aus im September zurück. An diesem Montag berichtete der Konzern nun von dem Ergebnis, das er und die lokalen Arbeitnehmervertreter erzielt haben. Es seien ein Interessenausgleich und ein Sozialplan für die rund 560 betroffenen Mitarbeiter unterzeichnet worden. Der Personalabbau solle möglichst sozialverträglich umgesetzt werden.

Mehr als 200 Bosch-Mitarbeiter können im Konzern bleiben

Bosch ging in der Mitteilung, laut der die Fertigung bis spätestens Ende 2028 schrittweise auslaufen soll, auf das beschlossene Maßnahmenpaket ein. Es beinhalte beispielsweise für rund 220 Mitarbeiter die Möglichkeit, an einen anderen Bosch-Standort zu wechseln.

Der lokale Betriebsrat erläutert unter anderem diese Vereinbarung näher. 127 Mitarbeiter sollen demnach an den Standort Feuerbach versetzt und 23 weitere im Großraum Stuttgart verteilt werden. 70 Beschäftigte können laut Betriebsrat an den Standort Bamberg wechseln. Bosch bestätigt auf Nachfrage die Größenordnung der Zahlen.

Bosch vollzieht derzeit ein massives Sparprogramm. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Wie beide Seiten mitteilen, können Mitarbeiter auch bis Ende 2028 in Waiblingen weiterarbeiten und danach ab Januar 2029 in eine Transfergesellschaft wechseln. In dieser erhalten die Beschäftigten laut Betriebsrat bis zu einem Jahr lang einen Großteil ihres bisherigen Gehalts, zudem werden sie gezielt für den Arbeitsmarkt qualifiziert.

Der Tarifvertrag zum regionalen Personaleinsatz, durch den Beschäftigte zu Unternehmen in der Region wechseln können, sei „ein weiterer wichtiger Baustein“, so Betriebsratschef Stefano Mazzei.

Betriebsrat zu Bosch-Abfindungen: „Überdurchschnittlich hohe Summen“

Neben der Unterstützung bei der internen und externen Vermittlung und durch nicht näher benannte Qualifizierungsmaßnahmen enthält das Maßnahmenpaket laut Bosch auch Altersteilzeit- und Vorruhestandsangebote sowie freiwillige Abfindungsangebote.

Bezüglich der Abfindung erwähnt Mazzei „überdurchschnittlich hohe Summen“, die durch Geschlossenheit, Druck und klare Haltung möglich gewesen seien.

So blickt der Betriebsrat zurück

Das von Bosch geplante Produktions-Aus in Waiblingen hatte Mitarbeiter-Proteste nach sich gezogen. Aus Sicht des Betriebsrats zeigte sich Bosch bis zum 24. November 2025 „unbeweglich“. An jenem Aktionstag demonstrierten Beschäftigte dann in Waiblingen gegen die geplante Schließung. Nach diesem „kraftvollen Signal unserer Belegschaft und allen Unterstützer war klar: Wir lassen uns nicht einfach abwickeln“.

Von Anfang an habe der Betriebsrat mehrere Strategien verfolgt. Zum einen habe er die Verhandlung mit dem Arbeitgeber konsequent gesucht, zum anderen habe er mit seinen Vertrauensleuten eng daran gearbeitet, „einen Sozialtarifvertrag notfalls zu erstreiken“.

Mazzei richtet sich in seinem Statement abschließend auch an andere Firmen. „Unsere Botschaft an alle Betriebe, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Organisiert euch, erhöht euren Organisationsgrad.“ Stärke am Verhandlungstisch falle nicht vom Himmel, sondern sie entstehe durch Zusammenhalt.

IG Metall: „Standort hätte Zukunft haben können“

Aus Sicht der IG Metall Waiblingen stellt die Einigung für die Beschäftigten zwei Dinge dar: einerseits „einen wichtigen Schutzschirm in einer tiefgreifenden Krisensituation“, der den Strukturbruch sozial abfedere. Und andererseits „das schmerzhafte Eingeständnis, dass der Konzern nicht an der Fertigung festhält“, teilt die lokale Vertretung der Industriegewerkschaft mit.

„Der Standort hätte eine Zukunft haben können, wenn Bosch bereit gewesen wäre, sie aktiv mitzugestalten. Die Verlagerung von Produktion und Know-how ist ein schwerer Fehler zulasten der Region“, so die IG Metall Waiblingen. Sie halte gerade die Weiterbeschäftigung, die Qualifizierung und die Transfergesellschaft für wichtig, der Einschnitt für die 560 Mitarbeiter bleibe aber trotzdem tiefgreifend.

Der Stiftungskonzern Bosch hatte das Aus bereits mit der zunehmenden Marktverlagerung in den asiatischen Raum, dem steigenden Preis- und Wettbewerbsdruck, einem etwa um die Hälfte zurückgegangenen Umsatz für Verbindungstechnik-Produkte auf dem europäischen Markt und weiteren prognostizierte Umsatzrückgänge in den kommenden Jahren begründet.

Bosch erklärt das Aus mit mehreren Gründen

An dem Standort, an dem die Herstellkosten einiger Produkte klar über Marktpreisen lägen, sei das Produktionsvolumen und damit einhergehend das Beschäftigungsniveau seit vielen Jahren rückläufig. Wie Bosch mitteilt, konnten „trotz entsprechender Anstrengungen“ keine beschäftigungsrelevanten Neuprodukte gewonnen werden.

Mit der Schließung und weiteren Maßnahmen will Bosch nach eigenen Angaben die Kostenlücke bei der Kfz-Sparte Mobility schließen, die weltweit bei rund 2,5 Milliarden Euro liege. Die Gründe dafür seien das zuletzt noch anspruchsvollere wirtschaftliche Umfeld und die Marktbedingungen von Bosch Mobility.