In einigen Monaten gibt’s dieses Fellbacher Führungstrio nicht mehr: Der Erste Bürgermeister Johannes Berner hat seinen Abschied angekündigt, daneben OB Gabriele Zull und Baubürgermeisterin Beatrice Soltys. Foto: Peter Hartung (cf)

Der Erste Bürgermeister der Stadt Fellbach kündigt überraschend an, sich aus persönlichen Gründen im kommenden Jahr nicht um eine Wiederwahl bemühen zu wollen.

Es war zwar kein markerschütternder Paukenschlag, aber einen aufsehenerregenden Schlussgong intonierte Johannes Berner schon zum Ende der jüngsten Fellbacher Gemeinderatssitzung unter dem Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“. Zur Überraschung der meisten Zuhörer kündigte er „eine Stellungnahme in eigener Sache“ an. In der erklärte er dann, „dass ich aus dem Rathaus ausscheide, wenn am 30. September 2026 meine Amtszeit zu Ende geht“.

 

Zur Motivation dieses angekündigten Ausstiegs betonte der Stellvertreter der Fellbacher Oberbürgermeisterin Gabriele Zull vor dem Auditorium lediglich: „Ich werde mich aus persönlichen Gründen um eine Wiederwahl nicht bewerben.“ Und, so an die Stadträtinnen und Stadträte gewandt: „Ich bitte dafür um Verständnis.“

Für Berner ist Fellbach „eine wunderbare Stadt“

Berner verwies darauf, dass er seit sieben Jahren „in dieser wunderbaren Stadt“ im Amt sei und dies „als Privileg“ empfinde, umso mehr, als seine Familie seit 20 Jahren in Fellbach „heimisch und verwurzelt“ sei. Zugleich sicherte er zu, in den kommenden Monaten alles zu tun, um „die finanziellen Herausforderungen zu bewältigen“ und die Haushaltsplanung „weiterhin in gutem, konstruktiven Miteinander“ zu Lösungen zu bringen. Sein Schlusssatz: „Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.“

Rathauschefin Zull ergänzte in ihrem anschließenden Statement: „Ich bedanke mich ausdrücklich für diese offene und frühzeitige Mitteilung.“ Denn „das eröffnet uns die Chance, diesen bevorstehenden Wechsel vorzubereiten, das finde ich fair und großzügig“. In seinem Dezernat habe Berner mit Finanzen, Bildung, Jugend, Sport und den städtischen Tochterunternehmen „ein großes Paket“ bewältigt.

Zudem habe Berner die Übernahme des Fellbacher Freizeit- und Familienbads F3 in kommunale Regie organisiert. „Der Spagat zwischen Wünschenswertem und Machbarem ist in Ihrem Dezernat besonders erlebbar“, sagte Zull und deutete damit womöglich einen Punkt an, der Berner nun zu seinem Schritt bewogen haben könnte. Und sie betonte: „Ich habe Sie als meinen ständigen Vertreter sehr geschätzt, gerade in den für Sie schwierigen letzten Monaten.“

Zull lobte Berners „akribische Ausarbeitung“ aller Themen und sein starkes Gedächtnis. Dass er sich nun neuen Herausforderungen stellen wolle, verdiene Respekt. Im Übrigen habe man ja noch zehn Monate miteinander zu tun, deshalb, so Zull: „Die richtige Abschiedsrede kommt noch.“

Auf Nachfrage unserer Redaktion wollte Berner sich am nächsten Morgen nicht näher zu den persönlichen Gründen äußern, und auch bezüglich seiner Zukunftsplanung sei noch nichts spruchreif.

Bereits 2024 Liebäugelei mit Waiblingen

Völlig aus dem Nichts kommt die Erklärung Berners, der sich einst bei seiner Bewerbungsrede in Fellbach im Juli 2018 als „kommunale Vielzweckwaffe“ skizziert hatte, allerdings auch wieder nicht. Vor eineinhalb Jahren hatte er sich, wie von Waiblinger Gemeinderäten zu hören war, bereits für den Posten des Ersten Bürgermeisters in der Kreishauptstadt interessiert und sich entsprechend vorgestellt. Dann kam offenkundig ein Meinungsumschwung, von der Liebäugelei in Richtung Waiblingen war nichts mehr zu vernehmen, bei der eigentlichen Wahl war Berner kein Thema mehr.

Der Fellbacher Stadtrat Ulrich Lenk spielte darauf in seiner Rede zum 50. Geburtstag Berners Anfang Juni 2024 direkt an den Jubilar gewandt an, wonach der Fellbacher Bürgermeister „in den letzten Monaten selbst gewisse Zweifel“ hatte, „ob und wie es für Sie in Fellbach weitergehen kann“. Doch nun „sind wohl die allermeisten hier im Saal froh, dass Sie uns erhalten bleiben“, so Lenk seinerzeit – nicht ahnend, dass es in gut einem Jahr eben doch auf die Trennung hinausläuft.