Warum das deutsche Vorrunden-Aus bei Olympia weniger der Mannschaft als vielmehr den deutschen Proficlubs anzulasten ist. Ein Kommentar von Sportredakteur Gregor Preiß.
Rifu - Die deutsche Auswahl ist beim olympischen Fußballturnier bereits nach der Vorrunde gescheitert. An Brasilien, Saudi-Arabien und der Elfenbeinküste. Das darf man getrost als blamabel bezeichnen. Anzulasten ist das frühe Aus aber weniger der Mannschaft, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten alles gegeben hat. Auch Trainer Stefan Kuntz trägt kaum eine Schuld. Erst vor kurzem hat er bei der U-21-EM bewiesen, dass er eine junge Mannschaft zum Titel führen kann.
Olympia ist immer noch das größte Sportereignis der Welt
Blamiert hat sich der deutsche Fußball in Gänze. Angesprochen dürfen sich dabei vor allem die Vereine fühlen. Sie haben Kuntz und Co mit ihrer Verweigerungshaltung hängen lassen. Zur Erinnerung: Von hundert angefragten Spielern blieben am Ende gerade einmal 18 übrig. Der FC Bayern München etwa war nicht bereit, Ron-Thorben Hoffmann für die Zeit der Spiele abzustellen – das ist der Bayern-Torwart Nummer drei oder vier! Die Not bei Stefan Kuntz war so groß, dass er sogar darüber nachdachte, Ersatzkeeper Svend Brodersen als Feldspieler aufzubieten. Welche ein Armutszeugnis beim noch immer größten Sportereignis der Welt.
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Die Proficlubs (nicht alle, aber viele) haben einmal mehr bewiesen, dass sie sich selbst am Nächsten sind. Dabei hat so ein Olympiaturnier durchaus seinen Reiz. 2016 in Rio de Janeiro hat sich die deutsche Mannschaft in die Herzen vieler Fans gespielt. Spieler wie Matthias Ginter, Niklas Süle, Serge Gnabry oder Leon Goretzka steigerten ihren Marktwert und starteten danach richtig durch.
Ein Impuls, den der lahmende deutsche Fußball auch jetzt gut hätte gebrauchen können. Stattdessen bleibt ein fader Nachgeschmack und die Erkenntnis, mal wieder eine große Chance verpasst zu haben.