Nur noch Zuschauer bei Manchester United: Bastian Schweinsteiger am Scheideweg Foto: dpa

AC Mailand, Inter Mailand, USA, China? Bastian Schweinsteiger hat die Qual der Wahl. Nur eines ist sicher: Bei Manchester United hat der beliebteste deutsche Fußballer keine Zukunft mehr.

Stuttgart - José Mourinho ist ein Meister der perfiden Sticheleien. Am Montag, just zu Bastian Schweinsteigers 32. Geburtstag, ließ er den Weltmeister, 120-maligen und soeben zurückgetretenen Nationalspieler und ehemaligen Champions-League-Gewinner offiziell wissen, dass er auf seine Dienste bei Manchester United keinen Wert mehr legt. Mourinho ließ Schweinsteiger ausrichten, er möge seinen Spind in der Kabine der Profis räumen und fortan im Reserveteam mittrainieren. „Spieler, mit denen ich nicht plane, setze ich nicht eine Minute ein“, teilte er am gleichen Tag über den vereinseigenen Fernsehsender MUTV mit, „und ich behalte sie auch nicht im Kader.“ Man müsse verstehen, dass der Kader wichtiger sei als ein einzelner Spieler. „Der Club ist wichtiger als jeder von uns.“ Einzige (selbstredend vorausgesetzte) Ausnahme: José Mourinho.

Zumindest nach seinem Selbstverständnis steht „The Only One“ über dem Rest der Fußballwelt. So produziert er sich auch in der Öffentlichkeit: eitel, selbstgefällig, herrschsüchtig, skrupellos und gnadenlos. Das Beispiel Manchester ist ein Lehrstück seines narzistischen Denkens.

Für eine Ablöse von neun Millionen Euro hatte Mourinhos Vorgänger Louis van Gaal den Mittelfeldstar des FC Bayern vor einem Jahr aus München losgeeist. 21 Mal stand Schweinsteiger unter dem Niederländer in der vergangenen Saison in der Startelf, zehnmal wurde er eingewechselt. Nicht schlecht für einen, der gefühlt doch ständig verletzt ist. Dumm nur, dass van Gaal in der englischen Industriestadt nie heimisch wurde. Weil auch die Siege ausblieben, musste er vorzeitig gehen. Damit war Schweinsteiger seinen größten Fürsprecher los.

ManU stellt sich neu auf mit Ibrahimovic und Pogba

Zur neuen Saison kam José Mourinho, der nur einen Auftrag hat: Drei Jahre nach dem Abgang der Trainerlegende Alex Ferguson muss er den Erfolg zurückbringen, den Rückstand zum Stadtrivalen City verkürzen und ManU zurück ins internationale Geschäft führen. Dafür schaufeln ihm die Bosse schubkarrenweise Geld vor die Tür, mit dem Mourinho einkaufen geht. Um den bereits verpflichteten Zlatan Ibrahimovic soll er eine ebenso schlagkräftige wie attraktive Mannschaft bauen, in der für Schweinsteiger kein Platz mehr ist. Zu langsam, zu verletzungsanfällig und zu teuer ist der Bayer den Chefs, in Anbetracht seines Jahresgehalts von neun Millionen Euro geht die Kosten-Nutzen-Kalkulation nicht auf.

Lieber investieren sie Unsummen in den Franzosen Paul Pogba (23), der demnächst für die Weltrekordablöse von 120 Millionen Euro von Juventus Turin kommen soll und auf Schweinsteigers Position im defensiven Mittelfeld zu Hause ist – plus weitere 20 Millionen Euro Provision in dessen geschäftstüchtigen Berater Mino Raiola (48). Dass Pogba nur eine mittelprächtige EM gespielt hat, ist ihnen egal. Wichtig ist sein Ruf, der ihm vorauseilt, sein Image und seine vermeintliche Perspektive.

Schweinsteiger ist nicht mehr der große Zampano, der den FC Bayern vor drei Jahren zum Gewinn der Königsklasse und Deutschland 2014 zum WM-Titel geführt hat. Das lässt Mourinho ihn zurzeit spüren und demontiert ihn, bis der Pogba-Transfer durch ist. Dann kann Schweinsteiger trotz seines Vertrags bis 2018 endgültig gehen.

Facebook-Kommentar von Bruder Tobias: „No respect“

Wohin? Die beiden Mailänder Vereine AC und Inter haben Interesse angemeldet, auch Paris St. Germain hat wohl den Finger gestreckt. Beide Städte sind adäquate Wohnorte für das frisch vermählte Glamourpaar Schweinsteiger/Ana Ivanovic, auch die Major League Soccer in den USA kann diesbezüglich mithalten – und die neureichen Fußball-Destinationen China, die Emirate oder Katar eher nicht. Auch eine Rückkehr in die Bundesliga scheint ausgeschlossen, dafür ist Schweinsteiger nach 17 Jahren beim FC Bayern zu sehr mit den Münchnern verwurzelt, die ihrerseits keinen Bedarf an seinen Diensten haben. Oder geht er womöglich gleich ganz in Rente? „Ich bin sicher, dass Basti mit all seiner Erfahrung noch immer ein Leader eines Top-Teams sein kann. Für die Rente ist er definitiv noch zu jung und zu stark“, sagt der einstige Torwart-Titan Oliver Kahn. Schweinsteiger äußert sich zu den Turbulenzen im Spätherbst seiner Karriere nicht, dafür umso mehr sein Bruder Tobias. „No respect“ – respektlos, schreibt er auf Facebook. Damit dürfte er Mourinhos Abschiebepraxis gemeint haben – womöglich ausdrücklich autorisiert durch seinen Bruder Bastian.

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