Circuleum soll offen für alle sein, die Freilichtbühne ist ein Teil der Konzeption, die die Initiatoren in den Beteiligungsprozess zum Aurelis-Areal eingebracht haben. Foto: privat

Die Initiatoren des Start-up Circuleum wollen auf dem Aurelis-Areal in Stuttgart-Vaihingen Raum schaffen für zirkusbegeisterte Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Gleichzeitig soll das Gelände offen für alle Bürger sein.

Vaihingen - Wir machen neuen Zirkus“, sagte Thomas Schäberle, der Leiter des Projekts Circus Circuli der Stuttgarter Jugendhausgesellschaft (STJG), als er am Dienstagabend zusammen mit Timon Schilling vom Planungsbüro Kreativhaltig die Pläne für das Projekt Circuleum im Bezirksbeirat vorstellte. Man dürfe bei dieser Form des Zirkus nicht an Elefantennummern und Löwendressur denken. Neuer Zirkus, das verbinde unter anderem Tanz und Theater, Musik und Artistik. Ein Angebot, das für alle Altersgruppen und Kulturen offen sein soll, für Menschen mit und ohne Behinderung. „Im europäischen Ausland ist das längst ein Thema“, sagte Schäberle. Deutschland hinke da noch etwas hinterher, es fehle an Angeboten und Einrichtungen.

Viele Zirkusbegeisterte, zu wenig Räume

Das habe zur Folge, dass viele Jugendliche, die sich im Zirkusbereich weiterbilden wollen oder sogar eine Karriere im Zirkus anstreben, ins Ausland abwanderten, „und uns dann wieder als Trainer fehlen“, sagte Schäberle. Es gebe in Stuttgart eine große Zirkusszene, tausende Kinder und Jugendliche nutzten jährlich die Angebote wie etwa den Zirkus Calibastra, sagte der Mann von der Jugendhausgesellschaft. Das Problem sei aber, dass man keine eigenen Räume habe, „und in Sporthallen kommen wir kaum rein, weil sie von Schulen und Vereinen stark nachgefragt sind“.

Circuleum möchte deswegen ein Zentrum für Artistik und Kunst aufbauen, ein Ort des Lernens, Lehrens und Aufführens gepaart mit öffentlich zugänglichen Einrichtungen. Sein Konzept hat das Start-up in die Bürgerbeteiligung zur Neugestaltung des Aurelis-Areals nahe des Vaihinger Bahnhofs eingebracht. Das Zentrum wäre aufgeteilt in drei Bereiche: das Projektbüro unter anderem mit Werkstatt, Beratung und Co-Workingspace, die Akademie mit Trainingshalle und Kursangeboten, und das Atelier als Veranstaltungsort, der auch von Außenstehenden gemietet werden könne.

Auch ein Café ist auf dem Gelände denkbar

„Wir sind fast alle aus Vaihingen, da lag das Aurelis-Gelände nahe“, sagte Timon Schilling. Die verkehrsgünstige Lage am Vaihinger Bahnhof sei ebenfalls ein großer Vorteil. Das Gelände soll möglichst offen gestaltet und nicht „zugebaut“ werden. In den Entwürfen ist viel Wiese zu sehen, dazu eine Freilichtbühne, ein kleiner Platz, auf dem sich Schilling zum Beispiel auch einen Flohmarkt vorstellen könnte. Auch ein inklusives Stadtteilcafé ist denkbar. „Wir wünschen uns ein bespieltes Gelände, das offen und zugänglich ist und belebt wird“, sagte Schilling. Das Start-up träumt von einem Ort für alle Bürger, einem parkähnlichen Treffpunkt. Noch handle es sich um Ideen, eine endgültige Ausgestaltung sei das freilich noch nicht. Man sei in Gesprächen mit diversen städtischen Ämtern, und kooperiere mit verschiedenen Partnern, vom BHZ, ehemals Behindertenzentrum Stuttgart, bis zum Friedrichsbau Varieté, sagte Schilling.

Das Aurelis-Areal wäre für die Initiatoren das favorisierte Gelände, aber man schaue auch nach anderen Grundstücken, weil nicht sicher sei, wie der Beteiligungsprozess zum Aurelis-Areal ausgehe. „Aber wir sind aktiv im Prozess und widmen uns aktuell zusammen mit Professoren aus Stuttgart und von der Technischen Universität München dem Thema Klima und Nachhaltigkeit.“

Das Aurelis-Areal ist seit Jahren ein Thema in Vaihingen

Seit Jahren ist eine Entwicklung des Aurelis-Areals im Gespräch. Diverse Ideen, von der Grünanlage bis zur Mobilitätsdrehscheibe, wurden bereits genannt. Aktuelles Beispiel: die Pläne des privaten Bildungsträgers Konzept-e, der auf dem Gelände eine als Bildungshaus bezeichnete Gemeinschaftsschule und eine Sporthalle errichten will.

Bevor das Areal allerdings endgültig umgestaltet werden kann, wird es für eine Zwischennutzung benötigt: als Interimsquartier für die Abfallwirtschaft Stuttgart (AWS). Wie lange die Mitarbeiter dort bleiben werden, ist Stand jetzt noch unklar.

Der Gemeinderat hat entschieden, dass die Bürger bei der Gestaltung des Aurelis-Areals mitreden sollen. Sollte Corona es zulassen, könnte im Sommer 2021 ein Tag der offenen Tür auf dem Gelände stattfinden. Ein Datum dafür gibt es aber noch nicht.

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