Auktion in Stuttgart-Süd Künstlerin will Flüchtlingen den Weg ebnen

Von Saskia Drechsel 

Auch Madelaine Lindens  „Fanny“ kommt unter den Hammer. Foto: Linden
Auch Madelaine Lindens „Fanny“ kommt unter den Hammer. Foto: Linden

Madelaine Linden versteigert am Samstag im Suttgarter Süden ihre Werke, um Hilfsprojekte zu finanzieren. Die Auktion steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann.

S-Süd - Kunst, die bei einem neuen Anfang helfen soll. Das ist das Ziel von Madelaine Linden. Die Künstlerin lässt am kommenden Samstag vierundsechzig ihrer Werke versteigern. Der Erlös soll Flüchtlings-Hilfsprojekten, umgesetzt von der Arbeitsgemeinschaft Dritte Welt, ein Träger der Arbeit in Stuttgarts Flüchtlingsunterkünften, zugute kommen.

Vor einem Jahr begann sich Madelaine Linden in der Flüchtlingsunterkunft Birkach zu engagieren. Schnell war sie als Deutschlehrerin für eine gemischte Gruppe zuständig. „Ich habe viele Menschen begleitet und bin viele Beziehungen eingegangen. Mit sechzehn Leuten stehe ich in engem Kontakt. Durch meine ehrenamtliche Arbeit kam auch der Kontakt zur AGDW“, erzählt Linden. Mit Ariane Müller-Ressing vom Vorstand der AGDW (Arbeitsgemeinschaft Dritte Welt), teilt sie die gleichen Vorstellungen, die beiden sind sich einig: Man muss den frisch angekommenen Flüchtlingen von Anfang an den Weg ebnen. Eine gezielte Unterstützung mit zugeschnittenen Angeboten ist nötig, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, aktiv zu werden und zu lernen. „Deswegen können wir uns etwa einen Werkstattcontainer vorstellen“, sagt Müller-Ressing. Bald war sich Linden klar, dass sie die Arbeit der AGDW unterstützen wollte. Gerade die Fluchtgeschichte in der eigenen Familie lässt sie mit den Schutzsuchenden in der heutigen Zeit fühlen. Der Vater der Künstlerin war mit vierzehn Jahren aus Nazi-Deutschland nach Argentinien geflohen und hatte auf der Flucht seine spätere Ehefrau kennengelernt. Madelaine Linden wurde in Uruguay geboren, ging in Argentinien zur Schule, über Lausanne, Genf, Brüssel, New York und Hamburg kam sie 2000 schließlich nach Stuttgart. „Ich denke, dass in der Bevölkerung die Sensibilität fehlt, um wirklich zu begreifen was es heißt, auf der Flucht zu sein. Keiner verlässt seine Heimat freiwillig“, sagt Linden.

In vielen ihrer Bilder verarbeitete die Künstlerin ihre Familiengeschichte, nun steht eine bunte Mischung zum Verkauf. Die Kunstwerke sind zwischen 1998 und 2015 entstanden und zeichnen Lindens Werdegang nach. Sie begann klassisch auf Leinwand zu malen, ging zu Collagen über, die zu immer größeren Teilen am Computer entstanden. Inzwischen arbeitet Linden mit einem Bildbearbeitungsprogramm nur noch am Computer und hat, wie sie sagt, ihr Medium gefunden. Der Erlös der Kunstauktion soll voll und ganz in die angedachten Flüchtlingsprojekte gehen. „Ein Kunstinteressierter soll sich in das Bild verlieben und gleichzeitig wissen, dass er mit seinem Kauf etwas Gutes tut. Wir wollen den höchstmöglichen Erlös erzielen. Um den Schutzsuchenden helfen zu können, braucht man Geld“, sagt Linden.

Die Auktion „Kunst für einen neuen Anfang“ findet am Samstag, 3. Dezember von 15 Uhr an der Mörikestraße15 in Stuttgart-Süd statt. Die Bilder können von 12 Uhr an besichtigt werden, Eintritt zehn Euro.

Redaktion Stuttgart-Süd

Ansprechpartner
Nina Ayerle und Alexandra Kratz (Kaltental)
s-sued@stz.zgs.de

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